[Last update: 30.07.2007;
Maya Müller]
THE COMPLETE CLOTHING
ARTICLES OF EGYPT
DIE GESAMTEN KLEIDUNGSSTÜCKE
ÄGYPTENS
The following is a commented
list of the complete clothing articles of Ancient Egypt as represented in three-
or two-dimensional art (sculpture, relief etc.). Aiming at a logical order of
the terms designating the clothing articles, we introduced a hierarchical
classification of the material.
In the list, the
hierarchical position of a term is indicated by a number of horizontal strokes
(---) at the beginning of the line. The alphabetical order of terms follows,
actually the German version; the alphabet begins at new at every change of the
hierarchical level.
All terms appear in German,
English and French.
All commentary texts will be
available in two languages, German and English. However, at the moment only the
German version is generally available.
Each term has the following
attributes:
-An "owner“: this is the term from which a
subordinate term depends in the hierarchy.
-Semantic aequivalents in
several languages, and synonyms in one and the same
language.
-Each term is declared
either as classificatory or descriptive.
-A definition (what exactly does the
term describe?).
-In the case of a
classificatory term: the criteria of classification of the dependent
terms.
-In the case of a
descriptive term: An exemplary instance quoted from egyptological literature,
(having not yet the possibility of giving illustrations).
-A commented list of instances, offering
basic information on the periods of occurrence and on the sex and rank of the
persons who wore the clothing articles, i.e. divinity, king, member of the royal
family, official).
Warning: some comments are
elaborated relatively extensively, others only roughly, or not at
all!
Das Folgende ist eine
kommentierte Liste der gesamten Kleidungsstücke des alten Ägyptens, wie sie in
der drei- oder zweidimensionalen Kunst (Rundplastik, Relief etc.) dargestellt
sind. Wir streben eine logische Ordnung der Ausdrücke, die Kleidungsstücke
bezeichnen, an und haben deshalb eine hierarchische Klassifizierung des
Materials eingeführt.
In der Liste wird die
Stellung eines Ausdrucks in der Hierarchie durch die Anzahl der horizontalen
Striche (---) am Anfang der Linie angezeigt. Die alphabetische Ordnung der
Ausdrücke folgt hier der deutschen Version; das Alphabet beginnt von vorne nach
jeder Aenderung der hierarchischen Ebene.
Alle Ausdrücke (Termini)
erscheinen auf deutsch, englisch und französisch.
Alle Texte sollen
zweisprachig erscheinen, deutsch und englisch, von vielen ist aber erst die
deutsche Fassung verfügbar.
Jeder Ausdruck hat die
folgenden Attribute:
-Einen „Besitzer“ (owner):
dies ist derjenige Ausdruck, von dem ein untergeordneter Ausdruck abhängt in der
Hierarchie, oder, anders herum gesagt: der „Besitzer“ ist der jeweils nächste
übergeordneteAusdruck.
-Semantische Aequivalente in
verschiedenen Sprachen, und Synonyme in ein und derselben
Sprache.
-Jeder Ausdruck wird
entweder als klassifikatorisch oder deskriptiv erklärt.
-Eine Definition (was genau soll der
Ausdruck beschreiben?).
-Im Fall der
klassifikatorischen Ausdrücke: Nach welchen Kriterien wurden die abhängigen
Ausdrücke klassifiziert?
-Im Fall der deskriptiven
Ausdrücke: Ein exemplarisches Beispiel, zitiert nach einer Abbildung in der
ägyptologischen Literatur. (Wir haben leider noch nicht die Möglichkeit,
Illustrationen beizugeben).
-Eine kommentierte Belegliste, die
grundlegende Informationen enthält über das erste Vorkommen, die Zeitspanne des
Vorkommens, über Geschlecht und Rang der Personen, die das Kleidungsstück
tragen, d.h. Gottheiten, Könige, Mitglieder der Königsfamilie,
Private).
Warnung: einige Kommentare
sind relativ ausführlich ausgearbeitet, andere nur angefangen, etliche sind noch
gar nicht vorhanden!
-Kleidung
E:
clothing
F:
costume
owner: human body
(attributes) / Körper, menschlicher (Attribute)
Classificatory
term
Definition:
Clothing means everything
humans wear on the body in order to protect it and/or for social reasons, and
which is (normally) made of textile materials.
Criteria of
classification:
Clothing articles are
chiefly known from two- or threedimensional representations (reliefs, mural
paintings, statues); pieces preserved in reality are relatively rare, some
categories are totally absent, particularly the crowns.
In many cases, it is almost
impossible to reconstruct what a specific clothing article looked like in
reality because of the Egyptian conventions of representation. The analysis of
clothing articles should, therefore, only be grounded on those formal properties
which are in fact visible on pictures, such as the length.
The main criterion for the
classification of clothing articles is the question: At which part of the body
are they fixed, for instance the shirt at the shoulders, or the apron at the
hips. The relevant zones are the following: the head, the shoulders, the middle
part of the torso from the chest (just below the armpits) to the hips, arm and
hand, leg and foot.
Compare the index compiled
by Alfred Bühler, Museum of Cultures [formerly called Museum für Völkerkunde]
Basel ; Ch. Feest and A. Janata, Technologie und Ergologie in der Völkerkunde,
Band 2, 1989, 161ss.)
Definition:
Kleidung umfasst alles, was
Menschen auf dem Körper tragen, um ihn zu schützen und/oder aus sozialen
Gründen; sie besteht (in der Regel) aus textilen Materialien.
Klassifikationskriterien:
Kleidung ist vorwiegend aus
zwei- und dreidimensionalen Darstellungen bekannt (Relief, Wandmalerei,
Statuen); real erhaltene Stücke sind relativ selten, manche Kategorien fehlen
ganz, besonders die Kronen. Die ägyptischen Darstellungskonventionen erschweren
oder verunmöglichen es in vielen Fällen, herauszufinden, wie bestimmte
Kleidungsstücke in Wirklichkeit ausgesehen haben. Die Analyse von
Kleidungsstücken soll sich daher nur auf diejenigen Formeigenschaften stützen,
die tatsächlich auf den Bildern sichtbar sind, wie z.B. die Länge.
Das oberste Kriterium für
die Klassifikation der Kleidungsstücke ist die Frage: An welchem Körperteil
finden sie ihren Halt, also beispielsweise das Hemd an den Schultern und der
Schurz an den Hüften. Die relevanten Zonen sind daher die folgenden: der Kopf,
die Schultern, der Mittelteil des Rumpfs von der Brust (unterhalb der
Achselhöhlen) bis zu den Hüften, Arm und Hand, Bein und Fuss.
(Vgl. Sachindex von Alfred
Bühler, Museum der Kulturen [früher Museum für Völkerkunde] Basel; Ch. Feest und
A. Janata, Technologie und Ergologie in der Völkerkunde, Band 2, 1989, 161ff.
).
--Kleidung
(Accessoires)
E: clothing
(accessories)
F: costume
(accessoires)
owner:
clothing
classificatory
term
Definition: Accessories are
not clothing articles in the strict sense, although they are worn on the body;
they are normally made of textile material.
Definition: Accessoires sind
keine eigentlichen Kleidungsstücke, werden aber doch am Körper getragen; sie
bestehen in der Regel aus textilem Material.
---Band,
(Zier-)
E: ribbon/band
(decorative)
F:
bandelette
Instance / Bsp.: Bänder
kommen hauptsächlich an Kronen und Perücken vor.
---Fächer
E: fan
F:
évantail
Instance: Real erhaltene
Stücke aus dem Grab Tutankhamuns. (N. Reeves, The Complete Tutankhamun, 1990,
179).
---Gürtel
E:
belt
F:
ceinture
Definition: An kurzen
Schurztypen von Göttern, Königen und Privaten wohl angearbeitetes oder
angenähtes Band, oft mit Rautenmuster. Seit protodynastischer
Zeit.
---Kleiderverschluss
E: fastening for
clothing
F: fermeture
(costume)
Classificatory
term
---Königsbinde
(Ptolemäerzeit)
E: (royal) filet (Ptolemaic
period)
[synonym:
diadem]
Definition: Ein Band, das
oberhalb der Stirn um den Kopf bzw. das Haar geschlungen und im Nacken verknüpft
wird; die Enden hängen im Nacken herunter.
Instance / Bsp.: Zahlreiche
Münzen, Statuen etc. von Ptolemäerkönigen im hellenistischen Stil
(S. Walker and P. Higgs
(ed.), Cleopatra of Egypt. From History to Myth, The British Museum Press 2001,
no. 45 etc.)
---Löwenfell
(Kleidung)
E: lion skin
(clothing)
F: peau de lion
(costume)
Instance: z.B. von Herakles
getragen.
---Pantherfell
(Kleidung)
E: panther skin
(clothing)
F: peau de panthère
(costume)
Definition: Ein Pantherfell,
sei es echt oder aus Stoff imitiert, wird an einer oder beiden Schultern
befestigt und um den Rumpf geschlagen.
Kleidungsstück für Männer
seit protodynastischer Zeit, besonders für bestimmte Amtsträger (Sem, Iunmutef);
selten von Frauen übernommen (vgl. aber „Kleid mit Pantherfellmuster“); dürfte
zumindest im AR und MR sexuell konnotiert sein, worauf vor allem die
„Schwanzgeste“ hinweist, bei welcher der Schwanz oder eine Pfote des Fells
waagrecht von der Lendengegend weggehalten wird, vgl. Maya Müller,
Schönheitsideale in der ägyptischen Kunst, in Hedvig Györy (ed.), Mélanges
offerts à Edith Varga, Bulletin du Musée Hongrois des Beaux-Arts, Supplément
2001, Budapest, 254-257 (betr. Austausch symbolischer sexueller Merkmale
zwischen Männern und Frauen im AR und MR).
Commented list of
instances:
Männer (Grabherren): oft in
der 4.-6. Dyn., nach der 1. Zwischenzeit nur noch selten.
Frau: Königin Meresanch
III., 4. Dyn. (C. Vandersleyen, Das alte Aegypten, Propyläen Kunstgeschichte Bd.
15, 1975, Tf. XIX).
Offizianten auf
Königsreliefs, seit protodynastischer Zeit (Narmerpalette, Lange und Hirmer,
Aegypten, 1967{4}, Tf. 4), auf Königsreliefs des AR oft als „Sem“ beschriftet;
und später desgl. Auch Iunmutef als menschlicher Priester.
König MR: Statuenoberteil
Amenemhets III. Kairo CG 395.
Gott: nur Iunmutef trägt das
Pantherfell (Türsturz Pepis I., 6. Dyn., L. Habachi, Tell Basta, ASAE Suppl. Nr.
22, 1957, Tf. II, Kairo JE 72132).
Göttin: nur Seschat trägt
das Pantherfell, frühdynastische Zeit bis Ptolemäerzeit.
König, real erhaltene
Stücke: Ein echtes Pantherfell und ein aus Stoff imitiertes aus dem Grab
Tutanchamuns: G. Vogelsang-Eastwood, Tutankhamun’s Wardrobe, 1999, 104-108;
R.Hall, Egyptian Textiles, 41.
Vgl. „Kleid mit
Pantherfellmuster“
---Schärpe
E:
sash
F:
écharpe
Definition: Um die Taille
gewickeltes, breites Band. Kleidungsstück für Männer und
Frauen.
Instance / Bsp.:
Lange-Hirmer 1967{4}, Tf.LVI (Nefertari); Lhote peinture, Tf. IX (ein Prinz).
Real erhaltene Beispiele: G. Vogelsang-Eastwood, Die Kleider des Pharaos, 1995,
Abb. 121-122.
---Träger, diagonaler
[diagonaler Träger]
E: strap,
diagonal
F: bretelle
diagonale
Recht breiter, bandartiger
Träger, der diagonal über den Oberkörper verläuft, zum Schurz getragen. Nur für
Männer.
Instance: Lange-Hirmer
1967{4}, Tf.LI; Lhote peinture, Tf.35.
---Tüchlein:
E:
napkin
F:
mouchoir
Definition: Erscheint zu
einer flachen Rolle gefaltet in der Hand von Statuen oder Relieffiguren, König
und Private (Männer).
Instance / Bsp.: Ab AR.
Lange-Hirmer 1967{4}, Tf.86.
---Zierbehang:
E: frontal pendant
ornamentation (clothing)
Defintion: Vorn in der Mitte
vom Gürtel oder der Schärpe der königlichen Schurze herabhängende, bandartige
Verzierung.
Instance / Bsp. Lange-Hirmer
1967{4}, Tf.XLVI. - Real erhaltenes Stück aus buntem Glasperlenstoff, hinterlegt
mit Leinen, aus dem Grab Tutanchamuns: G. Vogelsang-Eastwood, Tutankhamun’s
Wardrobe, 1999, 50, fig. 4.3.
--Kleidung (Körper,
Teile)
E: clothing (body,
parts)
F: costume (corps,
parties)
Classificatory
term
Definition: Oberbegriff für
die Klassifizierung von Kleidungsstücken. Kleidungsstücke werden hier gemäss den
Körperteilen, an denen sie Halt finden, eingeteilt: Arm/Hand, Bein/Fuss,
Brust/Hüfte, Kopf, Schultern. Man findet die genannten Klassen im folgenden in
dieser Reihenfolge, die alphabetisch (nicht systematisch)
ist.
---Kleidung
(Arm/Hand)
E: clothing
(arm/hand)
F: costume
(bras/main)
Classificatory
term
Definition: Oberbegriff für
Kleidungsstücke, die an Arm und/oder Hand befestigt sind.
----Handschuhe
E:
gloves
F:
gants
Instance / Bsp. Real
erhaltene Exemplare: G. Vogelsang-Eastwood, Tutankhamun’s Wardrobe, 1999, 89,
fig. 5:11-13.
---Kleidung
(Bein/Fuss)
E: clothing
(leg/foot)
F:
chaussure
Classificatory
term
Definition: Oberbegriff für
Kleidungsstücke, die an Bein und/oder Fuss befestigt sind.
----Fussbekleidung, besohlte
[besohlte Fussbekleidung]
E: footwear,
soled
F: chaussure
semelée
Classificatory
term
-----Pantoffel
E: heelless
slipper
F:
pantouffle
-----Sandalen
E:
sandals
F:
sandales
Instance / Bsp. Im Grab
Tutanchamuns wurden zahlreiche einfache und mehrere reich verzierte Paare von
Sandalen gefunden, zu letzteren vgl. G. Vogelsang-Eastwood, Tutankhamun’s
Wardrobe, 1999, 75, fig. 4.36-37.
-----Schuh
E:
shoe
F:
chaussure/soulier
Definition: Besteht aus
Sohle und Oberleder, das sich um den ganzen Fuss herum zieht, aber nicht weiter
als bis etwa zum Knöchel hinauf reicht.
Instance / Bsp.: Real
erhaltene Beispiele öfter in spätantiken oder frühbyzantinischen Gräbern
gefunden (vgl. Katalog Ägypten. Schätze aus dem Wüstensand, Wiesbaden 1996,
376f., Nr. 429a-b).
------Stiefel
E:
boot
F:
botte
Instance / Bsp.: Real
erhaltene Stücke wurden in frühbyzantinischen Gräbern
gefunden.
----Fussbekleidung,
unbesohlte [unbesohlte Fussbekleidung]
E: footware,
unsoled
F: chaussure
non-semelée
Classificatory
term
-----Holzschuh
E: shoe,
wooden
F: sabot
(chaussure)
-----Mokassin
E:
moccasin
F:
mocassin
Definition: Keine Trennung
von Sohlen- und Oberleder; das unter der Fusssohle liegende Leder wird
hinaufgezogen über bzw. um den Fuss herum.
---Kleidung (Brust/Hüfte bis
Unterschenkel)
E: clothing (breast/hips to
shank)
F: costume (poitrine/hanches
aux bas de la jambe)
Classificatory
term
Definition: Oberbegriff für
Kleidungsstücke, die an der Brust bzw. an den Hüften befestigt
sind.
----Lendentuch
E:
loincloth
Instance / Bsp.: Zahlreiche
real erhaltene Stücke aus dem Grab Tutanchamuns, vgl. G. Vogelsang-Eastwood,
Tutankhamun’s Wardrobe, 1999, 48-50, Abb. 4:2.
----Penisfutteral
E: penis
sheath
Instance / Bsp.: auf
naqadazeitlichen Objekten dargestellt; kommt selten an Götterstatuen der
historischen Zeit vor.
----Rock
E:
skirt
F:
jupe
Definition: ein
schlauchförmiges, auf den Hüften aufsitzendes und unten offenes Kleidungsstück,
das etwa bis zu den Knöcheln hinunter reicht. Auf Darstellungen des NR tragen
oft Könige und Private (Männer) solche Kleidungsstücke, die aber in der
Fachliteratur unterschiedlich benannt werden: Die einen sprechen von Röcken, die
anderen von Schurzen. Im vorliegenden Thesaurus werden sie als lange Schurze
betrachtet (vgl. „Schurz, lang“). „Rock“ wird hier als Kleidungsstück für Frauen
definiert.
Instance / Bsp.: Die
Gabenträgerinnen auf dem Thron der Prinzessin Satamun, Kairo CG 51113, aus Grab
KV 46 (A. Wiese (ed.), Tutanchamun. Das goldene Jenseits, Antikenmuseum Basel,
2004, Nr. 33).
----Schurz
E:
apron
F:
pagne
owner: Kleidung (Brust/Hüfte
bis Unterschenkel)
classificatory
term
Definition:
Hier wird jedes
Kleidungsstück, das ein Mann am Unterkörper trägt, als Schurz bezeichnet. Die
Vielfalt der Varianten ist, besonders was die Privaten angeht, enorm gross. Eine
Einteilung kann zweckmässig nur nach der Länge erfolgen (kurz, halblang, lang).
Es wurden nur die wichtigsten Varianten aufgenommen.
Commented list of instances
/ Kommentierte Belegliste:
Frauen: In Ausnahmefällen
können Schurze auch von Frauen getragen werden. Königin: als regierender König,
Nofrusobek, Hatschepsut. Prinzessin: gelegentlich in der Amarnazeit (Maya
Müller, Die Kunst Amenophis' III. und Echnatons, Basel 1988, IV-99f., Hildesheim
PM 54). Göttin: Seschat, 12.Dyn., Brooklyn 52.129 (Aegyptische Kunst aus dem
Brooklyn Museum, Berlin 1976, Nr.19). Private: z.B. Grab C Nr.1 in Meir,
A.Blackman, The Rock Tombs of Meir VI, London 1953, pl.XI.
-----Doppelschurz
E: apron,
double
F: pagne
double
Eine seit dem späteren AR
geläufige Erscheinung, dass zwei Schurze übereinander getragen werden. In der
Malerei wird der längere als durchsichtig gekennzeichnet. Da der Ausdruck nichts
über die Form der Schurze aussagt, ist er zur parallelen Verwendung neben einem
deskriptiven Ausdruck gedacht.
-----Schurz halblang
[halblanger Schurz]
E: apron,
half-length
F: pagne
mi-long
Definition: Hinten etwa bis
zur Mitte der Wade reichend, vorne etwas kürzer. Eine Entwicklung der 18.
Dyn.
------Schurz halblang mit
Federmuster [halblanger Schurz mit Federmuster]
E: apron, half-length with
feather pattern
F: pagne mi-long à ornement
de plume
Instance / Bsp.: König
(Ramses III. im Grab des Prinzen Amunherchepeschef, A. Lhote, La peinture
égyptienne, 1954, pl. VII.
------Schurz halblang mit
gebauschtem Mittelstück
E: apron, half length with
bulging central piece
F: pagne mi-long à pièce
médiane bouffante
Instance: C.Vandersleyen,
Das alte Aegypten, Propyläen Kunstgeschichte (PKG) Band 15, 1975, Tf. 305
(Privatgrab König Haremhabs).
------Schurz halblang mit
spitzem Mittelstück:
E: apron, half-length with
pointed central piece
F: pagne mi-long à pièce
médiane pointu
Bsp. Lange-Hirmer 1967{4},
Tf. 208 (Privatgrab König Haremhabs).
------Schurz halblang
plissiert [halblanger, plissierter Schurz]
[Synonym: Schurz der
Amarnazeit]
E: apron, half-length
pleated
F: pagne mi-long
plissé
Definition: Die Plissierung
verläuft quer bzw. schräg. Seit der mittleren 18.Dyn. anzutreffen, durch die
Amarnazeit prominent geworden.
Bsp. Lange-Hirmer 1967{4},
Tf.183.
-----Schurz kurz [kurzer
Schurz]
E: apron,
short
F: pagne
court
Definition: Nicht länger als
bis zum unteren Rand der Kniescheibe.
------Götterschurz
E: apron of a
god
F: pagne
divin
Definition: Kurzer, (meist)
plissierter Schurz, dessen Saum vorne von beiden Seiten her im Bogen nach oben
geführt wird in der Weise, dass sich die Teile in der Mitte treffen; im
Ausschnitt zwischen den Bogen erscheint ein glatter Stoff. Für Götter
reservierter Typus.
Instance /Bsp.: Ab dem MR
belegt. 11. Dyn., Reliefblock aus dem Monthtempel Mentuhoteps III. in Tod, Kairo
JE 66330, Month (D. Wildung, Sesostris und Amenemhet. Aegypten im Mittleren
Reich, 1984, Abb. 48).
------Schendjut-Schurz
E:
shendjut-apron
F: pagne
shendjyt
Definition: Sehr kurzer
Schurz, dessen Saum vorne von beiden Seiten her im Bogen nach der Mitte und nach
oben verläuft; im so entstandenen Ausschnitt erscheint ein trapezförmiges
Mittelstück.
Instance / Bsp.: Spezifisch
königliches Kleidungsstück, wird aber auch von Göttern getragen, z.B. Horus und
Seth. Frühe Beispiele im Taltempel Snofrus, Anfang 4. Dyn., A. Fakhry, Sneferu
II: Valley Temple I, 1961.
------Schurz kurz glatt
[kurzer, glatter Schurz]
E: apron, short
plain
F: pagne court
lisse
------Schurz kurz mit
Federmuster [kurzer Schurz mit Federmuster]
[Synonym: kurzer
Federschurz]
E: apron, short with feather
pattern
F: pagne court à ornement de
plume
Definition: Ganz mit dem
Federmuster überzogener, kurzer Schurz mit geradem Saum.
Instance / Bsp.: An Göttern
geläufig seit der 11. Dyn., z.B. Month, Block aus dem Monthtempel Mentuhoteps
III. in Tod, Kairo JE 66335 (D. Wildung, Sesostris und Amenemhet. Aegypten im
Mittleren Reich, 1984, Abb. 51).
König: Taharqa im Tempel T
von Kawa (Macadam, Kawa II, Tf.X(b)).
------Schurz kurz mit Vorbau
E: apron, short with
projection
F: pagne court à
projection
Definition: Vorbau weniger
breit und weniger geometrisch geformt als der dreieckige.
Instance: Bsp. C.
Vandersleyen, Aegypten, PKG 15, Tf.134.
------Schurz kurz mit
dreieckigem Vorbau
E: apron, short with
triangular projection
F: pagne court à projection
triangulaire
Definition: Vorbau in der
Regel breiter als hoch, streng geometrisch geformt, schräg gestreift und stark
vortretend.
Instance / Bsp.: Erscheint
im AR am König und an Privaten. Seit der 12.Dyn. gelegentlich auch an Statuen
des Königs dargestellt. Bsp.
Lange-Hirmer 1967{4}, Tf.XVII.
------Schurz kurz mit
gebauschtem Mittelstück
E: apron, short with bulging
central piece
F: pagne court à pièce
médiane bouffante
Definition: Der Schurz ist
vorne mit einem etwa dreieckigen, gewellten und mehr oder weniger vorgewölbten
Teil versehen.
Instance / Bsp. C.
Vandersleyen, Aegypten, PKG 15, Tf.296.
------Schurz kurz plissiert
[kurzer, plissierter Schurz]
E: apron, short
pleated
F: pagne court
plissé
-----Schurz lang [langer
Schurz]
E: apron,
long
F: pagne
long
------Schurz lang glatt
[langer, glatter Schurz]
E: apron, long
plain
F: pagne long
lisse
Instance / Bsp. Vandier MAE
III, Tf.LXXIII (2-3) (12.Dyn.). Privater: AR?
------Schurz lang
hochgezogen [langer, hochgezogener Schurz]
E: apron, long high
waisted
Definition: Ueber die Taille
hinaufreichend bis zur Brust.
Instance / Bsp. Private:
Lange-Hirmer 1967{4}, Tf.159; Vandier MAE III, Tf.LXXIX (5).
Götter: Selten bei Göttern;
Onuris-Schu, Bsp. (Katalog) The Egyptian Museum Cairo, Mainz 1987, Nr.257, Kairo
CG 70018, Naos Nektanebos I. und II. aus Abydos (unsicherer Beleg; es könnte ein
Schurz mit Leibchen gemeint sein, vgl. "Schurz lang mit Federmuster").
------Schurz lang
hochgezogen mit Schnur um den Hals
[Synonym: Schurz des
Wesirs]
E: apron of the
vizier
F: pagne du
vizier
Instance / Bsp.:
Lange-Hirmer 1967{4}, Tf.172.
------Schurz lang mit
Federmuster [langer Schurz mit Federmuster]
[Synonym: Federschurz,
langer]
E: long apron with feather
pattern
F: pagne long à ornemant de
plume
owner: long
apron
descriptive
term
Definition: Three-quarter
length apron mit feather pattern arranged in vertical
bands.
Definition:
Dreiviertellanger Schurz mit Federmuster in senkrechten Streifen.
Commented list of instances
/ Kommentierte Belegliste:
Gott: Wird von Onuris
getragen, zusammen mit einem Federleibchen, hauptsächlich an Bronzestatuetten
belegt. Die Träger des Leibchens sind aber bei Bronzen nicht unbedingt sichtbar,
vielleicht waren sie nur als Goldauflage vorhanden, die verschwunden sein
könnte. Bsp. Bronzefigur, tauschiert (Veronica Ions, Aegyptische Mythologie,
Wiesbaden (Vollmer) 1968, Abb. auf p.45); Menit-Gegengewicht aus Bronze mit
gravierten Götterszenen (G.Daressy, ASAE 3, 1902, 139-150, Tf.II(1)).
------Schurz lang mit
Vorbau
E: apron, long with
projection
F: pagne long à
projection
Definition: Schurz mit einem
etwa dreieckigen, vortretenden Mittelstück, meist plissiert. / In most cases
pleated.
Instance / Bsp.:
Lange-Hirmer 1967{4}, Tf.212-213.
------Schurz lang plissiert
[langer, plissierter Schurz]
E: apron, long
pleated
F: pagne long
plissé
---Kleidung
(Kopf)
E:
head-dress
F:
coiffure
Classificatory
term
Definition: Oberbegriff für
Kleidungsstücke, die auf /am Kopf Halt finden.
----Bartband
E: beard
strap
F: collier de
barbe
Definition: Band, das den
künstlichen Bart festhält, im Rund- und flachbild als ein Streifen dargestellt,
der dem Kiefer entlang zum Ohr verläuft.
----Geierhaube
E: vulture
head-dress
F: dépouille de vautoure
(coiffure)
owner: head-dress / Kleidung
(Kopf)
Commented list of
instances:
Attribut von Göttinnen und
Königinnen, ausschliesslich weibliches Kleidungsstück.
Göttin: Die Geierhaube ist
im Flachbild seit dem AR an Göttinnen geläufig, rundplastisch aber vor dem NR
kaum belegt.
AR: Nechbet im Taltempel
Snofrus (Anfang 4. Dyn.), Dahschur, A. Fakhry, Sneferu II: Valley Temple I,
1961, fig. 199, 218.
Königin: Reliefdarstellung
einer Königin mit Geierhaube aus dem späten AR: G.Jéquier, Les pyramides des
reines Neit et Apouit, Le Caire 1933, 7, Tf.V. Für die Rundplastik des AR vgl.
U.Hölscher, Das Grabdenkmal des Königs Chefren, Leipzig 1912, 102f.,
Abb.142143 (Fragmente, vermutlich von Statuen von Königinnen). - MR: Die
Statuette einer Königin, wohl der Nofrusobek, New York MMA 26.7.21 [65.59.1]
trägt eine Doppelgeierhaube (H.Sourouzian, MDAIK 37, 1981, 447, Anm.10); d.h. es
sind oben auf der Perücke zwei quergestellte, sich anblickende Geier zu beiden
Seiten des Scheitels dargestellt. Geierhauben normalen Typs an Statuen, die von
Königinnen stammen dürften, ferner: Brooklyn 65.134.3 (Zuschr. Sesostris I.);
Kerma 6.MR. Bisher kein Reliefbeleg für Königin.
----Gesichtshaar,
künstliches
E: facial hair,
artificial
F: chevelure faciale
artificielle
-----Bart
E:
beard
F:
barbe
------Götterbart (Spitze
eingerollt)
E: divine
beard
F: barbe
divine
Definition: Knebelbart,
geflochten, Spitze eingerollt.
Commented list of Instances:
Gott: Im AR relativ selten
auf Reliefdarstellungen von Göttern belegt (Do. Arnold, When the Pyramids Were
Built, New York MMA 1999, fig. 74 (Block aus dem Totentempel Sahures, mehrere
Götter und Nilgenien).
König: Die mumiengestaltigen
Statuen des Königs tragen in der Regel den Götterbart, erstmals für Montuhotep
I. belegt (die Statuen im Hebsedmantel aus Deir el-Bahari, typologisch die
Vorläufer der mumiengestaltigen Statuen, New York MMA 26.3.29 und Kairo JE
36195, D.Wildung, Sesostris und Amenemhet 1984, Abb.38-39). In der 11.Dyn.
König mit Götterbart auch öfter im Flachbild.
Im MR kommt der Götterbart
als selbständiges Bildelement in Form eines Amuletts vor (J. Bourriau, Pharaohs
and Mortals, Fitzwilliam Museum Cambridge 1988, Nr. 154-155). Wie J. Bourriau
feststellte, kommt dieses Amunlett nur im MR vor, und da praktisch kein
Unterschied besteht zwischen der Form des Götterbarts und der Form der
Jugendlocke, lässt sich auch gar nicht sicher festellen, welches von beiden
gemeint war (Text zu Nr. 155).
Die formale Ähnlichkeit
lässt die Vermutung zu, dass bei Götterbart und Jugendlocke eine ähnliche
Bedeutung vorliegt.
Vgl. die Stichwörter
„Jugendlocke (am Kopf)“, „Jugendlocke (an einer Perücke)“,
„Hathorlocken“.
------Königsbart
E: royal
beard
F: barbe royale
[Synonyme: fausse barbe
droite]
Definition: Mittellanger,
unten gerade abgeschnittener Knebelbart.
Instance / Bsp.: AR/MR vgl.
H.Evers, Staat aus dem Stein II, München 1929, 29.
----Haarteil an der Seite
des Kopfs
E: hair piece at the side of
the head
F: partie de cheveux au côté
de la tête
Classificatory
term
Definition: an einer Seite
des Kopfs befindet sich eine grosse, unten spiralig eingedrehte Locke
(Jugendlocke/Seitenlocke) oder eine breite Strähne (Seitensträhne). Es muss sich
um das eigene Haar der dargestellten Person handeln, da der Schädel im übrigen
kahl rasiert oder nur von ganz kurz geschnittenem Haar bedeckt ist. Diese Locke
oder Strähne findet sich an Kindern oder jungen Erwachsenen beiderlei
Geschlechts. Die gleiche Locke oder Strähne kommt aber auch als appliziertes
Haarteil an Perücken oder Kronen(-kombinationen) vor, und zwar von Kindern (?)
und jungen Erwachsenen beiderlei Geschlechts, von Göttern und ausserdem von
erwachsenen Männern, die bestimmte Priesterämter innehaben. Generell sind die
Träger oft Prinzen, Prinzessinnen, Könige oder
Kindergötter.
Sofern es sich um das eigene
Haar handelt, müsste die Jugendlocke bzw. Seitensträhne als Haartracht definiert
werden; da es sich aber offenbar um eine Auszeichnung bzw. ein Abzeichen hohen
sozialen Ranges handelt, betrachten wir sie hier als Grenzfall und reihen sie
unter den Kleidungsstücken ein. Die „Jugendlocke/Seitenlocke bzw. Seitensträhne
an einer Perücke“ ist unter diesem Ausdruck bei den Perücken
eingeordnet.
-----Jugendlocke (am
Kopf)
[Synonym: Seitenlocke (am
Kopf)]
E: youth lock (on the
head)
[E: synonym: side lock (on
the head)]
F: mèche de l’enfance (au
côté de la tête)
[synonyme: mèche latérale
(au côté de la tête)]
Definition:
Meistens an der rechten
Kopfseite eine geflochtene Strähne, unten spiralig eingedreht; der Rest des
Kopfs ist kahl rasiert oder von ganz kurz geschnittenem, eigenem Haar bedeckt.
Wird von Kindern, auch von Königskindern, vom König als Kind und von
Kindergöttern getragen.
Kinder: Seit dem AR für
Kinder (zuerst nur für Söhne, ab der 5. Dyn. auch für Töchter von Privaten)
gebräuchlich (zwei Gruppenstatuen des Nikare mit Familie, Do. Arnold, When the
Pyramids Were Built, New York MMA 1999, fig. 90: MMA 52.19, Tochter, Locke am
Hinterkopf; fig. 92-93: Brooklyn 49.215, Sohn, Haar kappenartig, schwarz, und
Locke rechts am Kopf). (Vgl. Erika Feucht, Das Kind im alten Ägypten,
1995).
MR, Gruppenstatuette des
Gaufürsten Uchhotep aus Meir, 12.Dyn., L.Borchardt, Statuen II, Kairo CG 459,
und Gegenstück in Boston, MFA, D. Wildung, Sesostris und Amenemhet, 1984, Abb.
141 (in beiden Fällen trägt die Tochter das Kleid einer erwachsenen Frau, ist
aber kleingestaltig und hat am sonst anscheinend kahlen Kopf zwei symmetrisch
angeordnete Jugendlocken). - Knabe: Gruppenstatuette bzw. Uschebti: J. Bourriau,
Pharaohs and Mortals, Cambridge Fitzwilliam Museum 1988, Nr. 57, Nr. 80. –
Statuette eines Mädchens mit Locke am Hinterkopf, London BM EA 2572, id. ibid.
Nr. 140, 12. Dyn.
NR Kinder: Sohn und Töchter
des Anhour Khaou, TT 359, A. Lhote, La peinture égyptienne, 1954, pl. 39 (20.
Dyn.).
Prinz/Prinzessin MR? - NR,
Regierungszeit der Hatschepsut, Prinzessin Nofrure: Erzieherstatuen
Senenmuts.
König: Im NR an
Darstellungen des regierenden Königs in Kindergestalt (vgl. Maya Müller, Die
Kunst Amenophis’ III. und Echnatons, 1988, I-46-57). Reliefzyklus der Geburt des
Gottkönigs im Luxortempel Amenophis’ III.: der neugeborene Thronfolger (H.
Brunner, Die Geburt des Gottkönigs).
Götter: Kindergötter (nur
Söhne), seit MR (Bsp. C. Vandersleyen, Aegypten, PKG 15, Tf.396b, wohl Ihi, Sohn
der Hathor, Pektoral Amenemhats III.). Regierungszeit Tutanchamuns: Statue des
Chons, Lange und Hirmer, Aegypten, 1967{4}, Tf. 201. Im 1. Jahrtausend: geläufig
an den Horus-Stelen.
Vgl. „Jugendlocke (an einer
Perücke)“; „Götterbart“; „Hathorlocken“
-----Seitensträhne (am
Kopf)
E: side strand (on the
head)
F: mèche
latérale
Definition: An einer Seite
des (ansonsten kahl rasierten oder nur mit ganz kurz geschnittenem Haar
bedeckten) Kopfs herunterhängende, isolierte Haarsträhne (ohne Einrollung
unten), die im einzelnen verschieden strukturiert und mit einer Schmuckspange
versehen sein kann.
Kinder: NR, Regierungszeit
Thutmosis’ IV./Amenophis’ III., Theben TT 52, Nacht, Sohn und Tochter (A. Lhote,
La peinture égyptienne, 1954, pl. 52-53).
Prinz Siatum, Regierungszeit
Amenophis’ III., Relief Wien KM ÄS 5814, Egypt’s Dazzling Sun, Cleveland Museum
of Art 1992, Nr. 58 auf S.292.
Amarnazeit: Prinzessinnen,
d.h. Töchter Echnatons und Nofretetes, z.B. C. Aldred, Akhenaten and Nefertiti,
The Brooklyn Museum 1973, Nr. 16, 17, 33, 49, 53, 129, 13060, 92, 116 (schwarze
Bemalung des Hinterkopfs der Prinzessin wahrscheinlich original, würde auf ganz
kurz geschnittenes Haar deuten), 130. An den Prinzessinnen der Amarnazeit
scheint die Jugendlocke nicht vorzukommen; dies wirft die Frage auf, ob die
Locke an Hathor erinnerte und daher im Zuge der Verbannung aller traditionellen
Gottheiten unmöglich wurde.
Oft an den Prinzen in den
Prinzengräbern in Theben-West, Tal der Königinnen, 20.
Dyn.
Vgl. „Seitensträhne (an
einer Perücke)“
----Kalathos (zylindrischer
Aufsatz)
E: modius
(kalathos)
F: mortier
(kalathos)
Definition: Zylindrischer
Aufsatz auf der Perücke, vorwiegend bei Königinnen und Göttinnen, oft zur
Aufnahme einer Krone, oft von einem Uräenkranz umgeben.
Instance / Bsp. C.
Vandersleyen, Aegypten, PKG 15, Tf.178.
----Kappe
E: cap
F:
calotte
----Kopftuch
E:
headcloth
F: foulard
(Kopftuch)
-----Kopftuch,
königliches
E: royal
headcloth
F: foulard (Kopftuch)
royal
------Brustlappen
E:
lappets
F: retombée frontale
(coiffure royale)
Definition: Der von der
Schulter auf die Brust hinabfallende Teil des Kopftuchs.
Instance / Bsp. AR/MR vgl.
Evers, Staat II, München 1929, 8f., 13.
------Chat-Kopftuch
E: khat
headcloth
F: coiffure
claft
owner: Kopftuch,
königliches
Commented list of
instances:
Attribut des Königs und
bestimmter Göttinnen. Auch Afnet-Kopftuch genannt. Aequivalent zu den
Königskronen.
König: Auf Särgen der Ersten
Zwischenzeit in Form von Beigabenfriesen belegt (Datierung gesichert?); im MR
flachbildlich und rundplastisch für den König (Bsp. Amenemhat III. Naoi aus
Hawara, Evers, Staat aus dem Stein I, Abb. 27 auf p.111, Kairo JE 43289; und
Flachbild: C.Aldred, Jewels of the Pharaohs, London 1971, Tf. 76). Vgl. Evers,
Staat aus dem Stein II, 16f.; LÄ III 1980, 693f. – Ab der Dritten Zwischenzeit
selten, vgl. K. Mysliwiec, Royal Portraiture of the Dynasties XXI-XXX, pl.
XCIVc,d (Sanktuar Alexanders in Karnak).
Zu xA.t: laut WB III 222
(10) zuerst in Beigabenlisten auf Särgen des MR belegt. - Zu afnt: R.
Faulkner, A Concise Dictionary of Middle Egyptian, Oxford 1962, 42.
Königin: Späte
Regierungszeit Amenophis’ III. und Amarnazeit.
Im Relief: belegt für Teje
im Grab des Cheriuf (TT 192), Sedfestdarstellung aus der späten Regierungszeit
Amenophis’ III. (Hinweis Chr. Bayer, Münster i.W.) (The Tomb of Kheruef: Theban
Tomb 192, OIP 102, Chicago 1980, pl.41), hier aber mit einer Uräusschlange, die
eine Hörnerkrone (Kuhgehörn mit Sonnenscheibe) trägt.
Amarnazeit: Rundplastisch
belegt für Teje (Berlin 21834, Holzköpfchen aus Medinet Gurob, Maya Müller, Die
Kunst Amenophis’ III. und Echnatons, 1988, IV-92, s.a. IV-135; D. Wildung, Der
Porträtkopf der Königin Teje, Der Berliner Kunstbrief, Berlin 2001) und
Nofretete (Hamburg MKG 1966.96, Maya Müller, Kunst, IV-97; M. Eaton Krauss,
Chronique d’Egypte 56, 1981, 245-264. fig.1). Der Kopf trug ursprünglich ein
Chat-Kopftuch mit zwei grossen, seitlich vom Scheitel zu den Ohren herab
hängenden Uräen. Solch lange seitliche Uräen kommen auch an Nofretetes Blauer
Frauenkrone vor (vgl. dort) und dürften eine Spezialität der Amarnazeit sein,
und es dürfte sich um ein königlich-männliches Element handeln, das von der
königlichen kurzen Löckchenperücke mit Sesched-Band und Seitenuräen abgeleitet
ist (A III.: Pharaohs of the Sun, Boston MFA 1999, fig. 23, 54), oder auch von
den Widderhornkronen mit herab hängenden Uräen, wie Hildesheim PM 4538,
Hatschepsut, Kat. Götter Gräber und die Kunst, Linz 1989, Nr. 428). Später wurde
eine kurze Löckchenperücke über das Chat-Kopftuch gestülpt und eine Krone aus
Kuhgehörn, Sonnenscheibe und Doppelfeder darauf gesetzt. - Das Chat ist auch
gesichert für Nofretete.
Göttin: Nechbet, AR in
Pyr.729c, 1566b, 2204a als Trägerin des Afnet-Kopftuchs beschrieben. Isis, MR:
auf Sargfragment Kairo CG 28072 mit Chat-Kopftuch dargestellt (P.Lacau,
Sarcophages antérieurs au Nouvel Empire II, 1906, Tf.18 unten). Auch Nephthys,
Neith und Selkis als Beschützerinnen von Sarg und Kanopen seit NR so dargestellt
(vielfach im Grabschatz Tutanchamuns, auch rundplastisch, z.B. Lange-Hirmer
1967{4}, Tf.196-199, XXXIX, XLIII-XLIV).
Es erhebt sich die Frage, ob
das Chat-Kopftuch primär ein Attribut des Königs oder einer Göttin ist. Nechbet
ist allerdings als Kronengöttin und Gottesmutter (Titel) sehr eng mit dem König
verbunden und teilt königliche Attribute mit ihm.
------Kopftuchflügel
E: side wings (royal
headcloth)
F: ailes (coiffure
royale)
Definition: Der dreieckige,
flache Teil des Kopftuchs, der sich zu beiden Seiten des Gesichts etwa von der
Schläfe bis zur Schulter erstreckt.
Instance / Bsp. AR/MR vgl.
Evers, Staat aus dem Stein II, München 1929, 7f.
------Nemes-Kopftuch
E: nemes
headcloth
F:
némès
Commented list of instances:
König: Gehört zum König seit
der 3. Dynastie (Djoser), bleibt bis zur Römerzeit die häufigste Krone. Vgl. LÄ
III 1980, 693f.
Gott: Harpokrates im 1.
Jahrtausend, bes. an Bronzefiguren, auch mit einer Jugendlocke versehen
(S.Schoske und D.Wildung, Gott und Götter, Nr.30-31).
-------Dreistrichstreifung
(des Nemes-Kopftuchs)
E: triple
stripes
F: plis gravés par groupes
de trois
Commented list of
instances:
Erscheint im AR gelegentlich
an Statuen (C. Vandersleyen, Aegypten, PKG 15, Tf.117, 131a, und Grosser Sphinx
von Gisa) und auf Reliefs (G.Jéquier, Le monument funéraire de Pepi II, Vol. 2,
Tf.50, 61). Da das NemesKopftuch sonst glatt dargestellt wird (ursprünglich
wohl bemalt), dürfte die D. wohl die Normalform gewesen sein. In der 11.
Dynastie ist die D. nicht belegt. Unter Amenemhat I. und Sesostris I. ist sie
selten, unter Sesostris II. und III. fast immer vorhanden, unter Amenemhat III.
etwa in der Hälfte der Fälle, in der 13. Dynastie erscheint sie noch
gelegentlich. Vgl. Evers, Staat aus dem Stein II, 11f.
-------Zweistrichstreifung
(des Nemes-Kopftuchs)
E: double
stripes
F: plis gravés par groupes
de deux
Commented list of
instances:
Im späteren AR vereinzelt
belegt (Pepi I. bzw. II., Brooklyn 39.121 bzw. 39.119, C. Vanderleyen, Aegypten,
PKG 15, Tf.143b, 144). In der 11.Dyn. kommt nur die Z. vor. Zur 12./13.Dyn. vgl.
"Dreistrichstreifung". Ab NR ist nur noch die Z. belegt. Vgl. Evers, Staat aus
dem Stein II, 11f.
------Zopf
(Königskopftuch)
E: pigtail (royal
headcloth)
F: catogan/retombée dorsale
(coiffure royale)
Definition: Vom hinteren
unteren Rand des Nemes-Kopftuchs und des Chatkopftuchs auf den Rücken
herunterhängendes Ende.
Instance / Bsp. AR/MR vgl.
Evers, Staat aus dem Stein II, München 1929, 10f.
-----Kopftuch,
nicht-königliches
E: non-royal
headcloth
F: foulard (Kopftuch)
non-royale
----Krone (Kopfbedeckung
König/Gottheit)
E:
crown
F:
couronne
Definition: Jede
Kopfbedeckung, die ein König trägt, ist per definitionem eine Krone, ausser den
Kopftüchern und Perücken; die königlichen Kopftücher sind aber immer
Aequivalente zu den Kronen (und werden daher in der Fachliteratur zuweilen zu
diesen gerechnet), und auch bestimmte Perückentypen können Kronenäquivalente
sein. Bei der Königin gelten folgende Kopfbedeckungen als Kronen: Die hohe
Doppelfeder und die Kombinationen aus Gehörn und Federn (vgl.
„Federkrone/Hörnerkrone") und die vom König entliehenen Kopfzierden.
Bei den Gottheiten zählen
wir alle eigentlichen Kopfbedeckungen zu den Kronen, jedoch nicht die einzelnen
religiösen Symbole (Schriftzeichen u.ä.), die zuweilen auf ihren Köpfen
erscheinen. Götterkronen sind demnach alle Zierden, die nur auf dem Kopf
getragen werden können und keine andere Funktion haben als diese. Keine Kronen
sind aber gemäss unserer Definition diejenigen Dinge, die in erster Linie als
Schriftzeichen dienen und/oder in verschiedenen Zusammenhängen als religiöse
Symbole erscheinen können, wie z.B. die Gaunamen, die Zeichen der Isis oder der
Nephthys, die Sonnenscheibe, die einzelne Feder und die Doppelfeder, letztere
wenn sie in ein Haarband gesteckt sind bzw. aus einem Vogelkopf aufragen..
Die Rote und die Weisse
Krone sind die ältesten Kronen überhaupt und offenbar in protodynastischer Zeit
zugleich mit dem Konzept des Königtums entstanden. Es sind hohe, mehr oder
minder konische Mützen aus feinem, formbarem, zweifellos textilem Material. In
der 3. Dyn., mit Djoser, erscheint das Nemes-Kopftuch als königliches
Kronen-Aequivalent. Seit der frühen 4. Dyn. ist die „zweite Generation“ von
königlichen Kronen belegt: die aus Widdergehörn und Federn zusammengesetzten,
d.h. die Atef mit Widdergehörn und das Widdergehörn mit Rindergehörn und
Doppelfeder; ferner die königliche kurze Perücke. Die erste eigentliche
Götterkrone scheint das für die solaren Göttinnen entworfene Kuhgehörn mit
Sonnenscheibe zu sein, das in der 4. Dyn. auftritt. Die männlichen Gottheiten
haben, wenigstens gemäss der gegenwärtigen Beleglage, im AR keine Kronen;
Götterkronen kommen erst in der 11. Dyn. richtig auf mit Osiris, Amun und
Amun-Min, deren Kronen vom König übernommen bzw. von königlichen Kronen
abgeleitet sind. (Im übrigen finden sich mindestens seit dem Beginn der 4. Dyn.
bei männlichen und weiblichen Gottheiten das in ein Haarband eingesteckte oder
auf dem Kopf aufliegende, schriftzeichenartige Symbol, vgl. Min, Seschat und die
Gaupersonifikationen in Snofrus Taltempel).
Vgl. Katja Goebs, „crowns“,
in: The Oxford Encyclopedia of Ancient Egypt, Vol. I., 2001,
321-326.
-----Aethiopenkrone
E: Ethiopian
crown
F: couronne
éthiopienne
Definition: Um die
paillettenbesetzte Kappe mit den abgerundeten Zipfeln vor den Ohren (siehe
Kappenkrone) wird ein breites, glattes Band gelegt, das vorne dicht über dem
Stirnband sitzt. Am oberen Saum des glatten Bandes setzt ein zweites Band an,
das mit einem dichten Fries kleiner Uräen überzogen ist. An der Stirn sitzt
gewöhnlich ein Doppeluräus. Es handelt sich offenbar um eine Weiterentwicklung
der Kappenkrone.
Commented list of
instances:
An den Königen der 25. Dyn.
belegt, auch an vielen der 25. Dyn. zuschreibbaren Bronzefiguren von Königen
ohne Namen. Ferner an Fürsten, die in den Anfängen parallel zu den Aethiopen
herrschten, wie Peftjaauibastet Neferkare, Fürst von Herakleopolis, 24.Dyn.
(Boston MFA 177.16 stellt ihn sehr wahrscheinlich dar, mit einfachem Uräus,
W.K.Simpson, A Table of Offerings, Boston 1987, 54-57, 3 Abb.; Kitchen, TIP
Paragr.318). Vgl. J.Leclant, Mon. Théb., 323f.
-----Atef-Krone
[Atefkrone]
E:
atef-crown
F: atef,
couronne
Classificatory
term
Definition: Konstituierende
Elemente sind: die Weisse Krone in einer neuen, mit senkrechten Rippen
strukturierten Variante, die zwei seitlich angebrachten Straussenfedern
("Zeichen der Maat"), und das Widdergehörn, zu welchem sich oft ein kleines
Rindergehörn gesellt. Die an den Atef-Kronen vielfach vorkommenden Uräen und
kleinen Sonnenscheibchen gelten hier als variables Beiwerk und werden nicht
berücksichtigt bei der Unterscheidung der Varianten.
Die Atef-Krone ist ein
Attribut des Königs und des Osiris als verstorbener König und Herrscher des
Totenreichs.
Sie ist im Prinzip ein rein
männliche Krone (Widdergehörn), die aber seit dem NR an den Kronengöttinnen und
gelegentlich an einigen weiteren Göttinnen erscheinen kann.
Die Variante ohne
Widdergehörn („einfache Atef-Krone“) scheint erst im NR
aufzukommen.
------Atef-Krone mit
Widdergehörn
E: atef with ram’s
horns
F: atef aux cornes de
bélier
Definition: Am untersten
Teil der von zwei Straussenfedern flankierten Weisse Krone setzt seitlich ein
Widdergehörn an. Es handelt sich bei allen Varianten von Atef-Kronen um das
leicht gewellte und sich stets auf der Waagrechten erstreckende Widdergehörn
(ovis longipes) (vgl. "Federkrone/Hörnerkrone"). Wenn die Krone auf einer
Perücke getragen wird, ist die Konstruktion etwas verschieden: Die Weisse Krone
sitzt auf dem Widdergehörn, das seinerseits am Scheitel
ansetzt.
Commented list of
instances:
König AR: Seit AR (4.Dyn.)
belegt, zuerst für den König (Falke des Goldhorus-Namens auf dem Baldachin der
Königin Hetepheres, W.St.Smith, The Art and Architecture of Ancient Egypt,
Harmondsworth 1958, Tf. 34). (Bei diesem Beleg ist es nicht klar ersichtlich, ob
vielleicht ein ganz kleines Rindergehörn hinter den Widderhörnern aufragt, oder
ob die Federkiele etwas geschweift sind).
Osiris MR: Sarg des Sepi aus
El-Berscheh, Zuschr. 12.Dyn., Kairo CG 28083 (Cat. Eg. Mus. Cairo 1987, Nr.95):
zeigt eine ganz ungewöhnliche flachbildliche Darstellung des Osiris mit einer
Atef-Krone mit Widdergehörn und Schlangen.
Determinative MR:
R.Faulkner, CT II, 1977, Spell 420, 67: [Harsaphes/Herischef] "on whose vertex
are the plumes of Sopd and the 3tf-crowns (of Re)". Atef-Kronen des Re: A. de
Buck, The Eg. Coffin Texts V, Chicago 1954, p.257, Text BIY; Determinativ ist
der Widderkopf mit einfacher Atef-Krone, vielleicht die nächtliche Form des
Sonnengottes; Widderprotome mit einfacher Atef-Krone: auf Zaubermesser,
Zuschreibung an das späte MR (London BM 18175, G.Pinch, Magic in Ancient Egypt,
London BM 1994, Abb.19). (Die Widderköpfe mit Atef-Krone sind vielleicht
Grenzfälle, da der Widder ohnehin das Gehörn trägt, oder eher das
Paradigma).
- Stele des Upuauthotep,
London BM 1367, Zuschreibung an die 13.Dyn., wohl aus Abydos (K.Sethe,
Lesestücke, p.63c; M.Lichtheim, Ancient Egyptian Autobiographies Chiefly of the
Middle Kingdom, Nr.58), Osirishymnus: "Er [Re] hat ihm [Orisis] seine Kronen
gegeben auf seine grossen Atefkronen auf seinem Kopf". Determinativ: Atef-Krone
mit Widdergehörn. Hier wird Osiris ausdrücklich mit der Atef-Krone in Verbindung
gebracht.
König NR: Obelisk E der
Hatschepsut in Karnak (LD III 22-23).
Götter ab NR: Seit der Ramessidenzeit und bes. im 1. Jahrtausend nebst Osiris für eine ganze Reihe von Göttern möglich (vgl. auch Hemhem-Krone). Z.B. Re-Harachte (Helck, Ritualszenen, Bild 44, Tf.31, Relief Ramses' II.). - Thot (Bsp. sog. Kasseler Pantheon, G.Roeder, ZÄS 76, 1940, 57-71) und der Ibis. - Widder