[Last update: 10.09.2009; Maya Müller; in: AEG\Thesauri\ThesJune2005]


THE COMPLETE CLOTHING ARTICLES OF EGYPT

DIE GESAMTEN KLEIDUNGSSTÜCKE ÄGYPTENS



The following is a commented list of the complete clothing articles of Ancient Egypt as represented in three- or two-dimensional art (sculpture, relief etc.). Aiming at a logical order of the terms designating the clothing articles, we introduced a hierarchical classification of the material.

In the list, the hierarchical position of a term is indicated by a number of horizontal strokes (---) at the beginning of the line. The alphabetical order of terms follows, actually the German version; the alphabet begins at new at every change of the hierarchical level.

All terms appear in German, English and French.

All commentary texts will be available in two languages, German and English. However, at the moment only the German version is generally available.


Each term has the following attributes:

-An "owner“: this is the term from which a subordinate term depends in the hierarchy.

-Semantic aequivalents in several languages, and synonyms in one and the same language.

-Each term is declared either as classificatory or descriptive.

-A definition (what exactly does the term describe?).

-In the case of a classificatory term: the criteria of classification of the dependent terms.

-In the case of a descriptive term: An exemplary instance quoted from egyptological literature, (having not yet the possibility of giving illustrations).

-A commented list of instances, offering basic information on the periods of occurrence and on the sex and rank of the persons who wore the clothing articles, i.e. divinity, king, member of the royal family, official).


Warning: some comments are elaborated relatively extensively, others only roughly, or not at all!


Das Folgende ist eine kommentierte Liste der gesamten Kleidungsstücke des alten Ägyptens, wie sie in der drei- oder zweidimensionalen Kunst (Rundplastik, Relief etc.) dargestellt sind. Wir streben eine logische Ordnung der Ausdrücke, die Kleidungsstücke bezeichnen, an und haben deshalb eine hierarchische Klassifizierung des Materials eingeführt.

In der Liste wird die Stellung eines Ausdrucks in der Hierarchie durch die Anzahl der horizontalen Striche (---) am Anfang der Linie angezeigt. Die alphabetische Ordnung der Ausdrücke folgt hier der deutschen Version; das Alphabet beginnt von vorne nach jeder Aenderung der hierarchischen Ebene.

Alle Ausdrücke (Termini) erscheinen auf deutsch, englisch und französisch.

Alle Texte sollen zweisprachig erscheinen, deutsch und englisch, von vielen ist aber erst die deutsche Fassung verfügbar.


Jeder Ausdruck hat die folgenden Attribute:

-Einen „Besitzer“ (owner): dies ist derjenige Ausdruck, von dem ein untergeordneter Ausdruck abhängt in der Hierarchie, oder, anders herum gesagt: der „Besitzer“ ist der jeweils nächste übergeordneteAusdruck.

-Semantische Aequivalente in verschiedenen Sprachen, und Synonyme in ein und derselben Sprache.

-Jeder Ausdruck wird entweder als klassifikatorisch oder deskriptiv erklärt.

-Eine Definition (was genau soll der Ausdruck beschreiben?).

-Im Fall der klassifikatorischen Ausdrücke: Nach welchen Kriterien wurden die abhängigen Ausdrücke klassifiziert?

-Im Fall der deskriptiven Ausdrücke: Ein exemplarisches Beispiel, zitiert nach einer Abbildung in der ägyptologischen Literatur. (Wir haben leider noch nicht die Möglichkeit, Illustrationen beizugeben).

-Eine kommentierte Belegliste, die grundlegende Informationen enthält über das erste Vorkommen, die Zeitspanne des Vorkommens, über Geschlecht und Rang der Personen, die das Kleidungsstück tragen, d.h. Gottheiten, Könige, Mitglieder der Königsfamilie, Private).


Warnung: einige Kommentare sind relativ ausführlich ausgearbeitet, andere nur angefangen, etliche sind noch gar nicht vorhanden!



-Kleidung

E: clothing

F: costume

owner: human body (attributes) / Körper, menschlicher (Attribute)

Classificatory term

Definition:

Clothing means everything humans wear on the body in order to protect it and/or for social reasons, and which is (normally) made of textile materials.

Criteria of classification:

Clothing articles are chiefly known from two- or threedimensional representations (reliefs, mural paintings, statues); pieces preserved in reality are relatively rare, some categories are totally absent, particularly the crowns.

In many cases, it is almost impossible to reconstruct what a specific clothing article looked like in reality because of the Egyptian conventions of representation. The analysis of clothing articles should, therefore, only be grounded on those formal properties which are in fact visible on pictures, such as the length.

The main criterion for the classification of clothing articles is the question: At which part of the body are they fixed, for instance the shirt at the shoulders, or the apron at the hips. The relevant zones are the following: the head, the shoulders, the middle part of the torso from the chest (just below the armpits) to the hips, arm and hand, leg and foot.

Compare the index compiled by Alfred Bühler, Museum of Cultures [formerly called Museum für Völkerkunde] Basel ; Ch. Feest and A. Janata, Technologie und Ergologie in der Völkerkunde, Band 2, 1989, 161ss.)


Definition:

Kleidung umfasst alles, was Menschen auf dem Körper tragen, um ihn zu schützen und/oder aus sozialen Gründen; sie besteht (in der Regel) aus textilen Materialien.

Klassifikationskriterien:

Kleidung ist vorwiegend aus zwei- und dreidimensionalen Darstellungen bekannt (Relief, Wandmalerei, Statuen); real erhaltene Stücke sind relativ selten, manche Kategorien fehlen ganz, besonders die Kronen. Die ägyptischen Darstellungskonventionen erschweren oder verunmöglichen es in vielen Fällen, herauszufinden, wie bestimmte Kleidungsstücke in Wirklichkeit ausgesehen haben. Die Analyse von Kleidungsstücken soll sich daher nur auf diejenigen Formeigenschaften stützen, die tatsächlich auf den Bildern sichtbar sind, wie z.B. die Länge.

Das oberste Kriterium für die Klassifikation der Kleidungsstücke ist die Frage: An welchem Körperteil finden sie ihren Halt, also beispielsweise das Hemd an den Schultern und der Schurz an den Hüften. Die relevanten Zonen sind daher die folgenden: der Kopf, die Schultern, der Mittelteil des Rumpfs von der Brust (unterhalb der Achselhöhlen) bis zu den Hüften, Arm und Hand, Bein und Fuss.

(Vgl. Sachindex von Alfred Bühler, Museum der Kulturen [früher Museum für Völkerkunde] Basel; Ch. Feest und A. Janata, Technologie und Ergologie in der Völkerkunde, Band 2, 1989, 161ff. ).


--Kleidung (Accessoires)

E: clothing (accessories)

F: costume (accessoires)

owner: clothing

classificatory term

Definition: Accessories are not clothing articles in the strict sense, although they are worn on the body; they are normally made of textile material.

Definition: Accessoires sind keine eigentlichen Kleidungsstücke, werden aber doch am Körper getragen; sie bestehen in der Regel aus textilem Material.


---Band, (Zier-)

E: ribbon/band (decorative)

F: bandelette

Instance / Bsp.: Bänder kommen hauptsächlich an Kronen und Perücken vor.


---Fächer

E: fan

F: évantail

Instance: Real erhaltene Stücke aus dem Grab Tutankhamuns. (N. Reeves, The Complete Tutankhamun, 1990, 179).


---Gürtel

E: belt

F: ceinture

Definition: An kurzen Schurztypen von Göttern, Königen und Privaten wohl angearbeitetes oder angenähtes Band, oft mit Rautenmuster. Seit protodynastischer Zeit.


---Kleiderverschluss

E: fastening for clothing

F: fermeture (costume)

Classificatory term


---Königsbinde (Ptolemäerzeit)

E: (royal) filet (Ptolemaic period)

[synonym: diadem]

Definition: Ein Band, das oberhalb der Stirn um den Kopf bzw. das Haar geschlungen und im Nacken verknüpft wird; die Enden hängen im Nacken herunter.

Instance / Bsp.: Zahlreiche Münzen, Statuen etc. von Ptolemäerkönigen im hellenistischen Stil

(S. Walker and P. Higgs (ed.), Cleopatra of Egypt. From History to Myth, The British Museum Press 2001, no. 45 etc.)


---Löwenfell (Kleidung)

E: lion skin (clothing)

F: peau de lion (costume)

Instance: z.B. von Herakles getragen.


---Pantherfell (Kleidung)

E: panther skin (clothing)

F: peau de panthère (costume)

Definition: Ein Pantherfell, sei es echt oder aus Stoff imitiert, wird an einer oder beiden Schultern befestigt und um den Rumpf geschlagen.

Kleidungsstück für Männer seit protodynastischer Zeit, besonders für bestimmte Amtsträger (Sem, Iunmutef); selten von Frauen übernommen (vgl. aber „Kleid mit Pantherfellmuster“); dürfte zumindest im AR und MR sexuell konnotiert sein, worauf vor allem die „Schwanzgeste“ hinweist, bei welcher der Schwanz oder eine Pfote des Fells waagrecht von der Lendengegend weggehalten wird, vgl. Maya Müller, Schönheitsideale in der ägyptischen Kunst, in Hedvig Györy (ed.), Mélanges offerts à Edith Varga, Bulletin du Musée Hongrois des Beaux-Arts, Supplément 2001, Budapest, 254-257 (betr. Austausch symbolischer sexueller Merkmale zwischen Männern und Frauen im AR und MR).

Commented list of instances:

Männer (Grabherren): oft in der 4.-6. Dyn., nach der 1. Zwischenzeit nur noch selten.

Frau: Königin Meresanch III., 4. Dyn. (C. Vandersleyen, Das alte Aegypten, Propyläen Kunstgeschichte Bd. 15, 1975, Tf. XIX).

Offizianten auf Königsreliefs, seit protodynastischer Zeit (Narmerpalette, Lange und Hirmer, Aegypten, 1967{4}, Tf. 4), auf Königsreliefs des AR oft als „Sem“ beschriftet; und später desgl. Auch Iunmutef als menschlicher Priester.

König MR: Statuenoberteil Amenemhets III. Kairo CG 395.

Gott: nur Iunmutef trägt das Pantherfell (Türsturz Pepis I., 6. Dyn., L. Habachi, Tell Basta, ASAE Suppl. Nr. 22, 1957, Tf. II, Kairo JE 72132).

Göttin: nur Seschat trägt das Pantherfell, frühdynastische Zeit bis Ptolemäerzeit.

König, real erhaltene Stücke: Ein echtes Pantherfell und ein aus Stoff imitiertes aus dem Grab Tutanchamuns: G. Vogelsang-Eastwood, Tutankhamun’s Wardrobe, 1999, 104-108; R.Hall, Egyptian Textiles, 41.

Vgl. „Kleid mit Pantherfellmuster“


---Schärpe

E: sash

F: écharpe

Definition: Zweimal um die Taille geschlungenes, breites Band, vorne geknotet, dessen Enden vorne weit herunter hängen. Kommt in einer weiblichen Variante vor, die etwas oberhalb der Taille sitzt, und in einer männlichen Variante, die in der Taille sitzt.

Instance / Bsp.

Weibliche Variante: Königin: Lange-Hirmer 1967{4}, Tf.LVI (Nefertari); die weibliche Variante kommt an Osiris vor, stehend, in der Mumienhülle, auf Särgen der 21. Dynastie (Zitat ??).

Männliche Variante: ein Prinz, Lhote, Peinture, Tf. IX.

Real erhaltene Beispiele: G. Vogelsang-Eastwood, Die Kleider des Pharaos, 1995, Abb. 121-122.


---Träger, diagonaler [diagonaler Träger]

E: strap, diagonal

F: bretelle diagonale

Recht breiter, bandartiger Träger, der diagonal über den Oberkörper verläuft, zum Schurz getragen. Nur für Männer.

Instance: Lange-Hirmer 1967{4}, Tf.LI; Lhote peinture, Tf.35.


---Tüchlein:

E: napkin

F: mouchoir

Definition: Erscheint zu einer flachen Rolle gefaltet in der Hand von Statuen oder Relieffiguren, König und Private (Männer).

Instance / Bsp.: Ab AR. Lange-Hirmer 1967{4}, Tf.86.


---Zierbehang:

E: frontal pendant ornamentation (clothing)

Defintion: Vorn in der Mitte vom Gürtel oder der Schärpe der königlichen Schurze herabhängende, bandartige Verzierung.

Instance / Bsp. Lange-Hirmer 1967{4}, Tf.XLVI. - Real erhaltenes Stück aus buntem Glasperlenstoff, hinterlegt mit Leinen, aus dem Grab Tutanchamuns: G. Vogelsang-Eastwood, Tutankhamun’s Wardrobe, 1999, 50, fig. 4.3.


--Kleidung (Körper, Teile)

E: clothing (body, parts)

F: costume (corps, parties)

Classificatory term

Definition: Oberbegriff für die Klassifizierung von Kleidungsstücken. Kleidungsstücke werden hier gemäss den Körperteilen, an denen sie Halt finden, eingeteilt: Arm/Hand, Bein/Fuss, Brust/Hüfte, Kopf, Schultern. Man findet die genannten Klassen im folgenden in dieser Reihenfolge, die alphabetisch (nicht systematisch) ist.


---Kleidung (Arm/Hand)

E: clothing (arm/hand)

F: costume (bras/main)

Classificatory term

Definition: Oberbegriff für Kleidungsstücke, die an Arm und/oder Hand befestigt sind.


----Handschuhe

E: gloves

F: gants

Instance / Bsp. Real erhaltene Exemplare: G. Vogelsang-Eastwood, Tutankhamun’s Wardrobe, 1999, 89, fig. 5:11-13.


---Kleidung (Bein/Fuss)

E: clothing (leg/foot)

F: chaussure

Classificatory term

Definition: Oberbegriff für Kleidungsstücke, die an Bein und/oder Fuss befestigt sind.


----Fussbekleidung, besohlte [besohlte Fussbekleidung]

E: footwear, soled

F: chaussure semelée

Classificatory term


-----Pantoffel

E: heelless slipper

F: pantouffle


-----Sandalen

E: sandals

F: sandales

Instance / Bsp. Im Grab Tutanchamuns wurden zahlreiche einfache und mehrere reich verzierte Paare von Sandalen gefunden, zu letzteren vgl. G. Vogelsang-Eastwood, Tutankhamun’s Wardrobe, 1999, 75, fig. 4.36-37.


-----Schuh

E: shoe

F: chaussure/soulier

Definition: Besteht aus Sohle und Oberleder, das sich um den ganzen Fuss herum zieht, aber nicht weiter als bis etwa zum Knöchel hinauf reicht.

Instance / Bsp.: Real erhaltene Beispiele öfter in spätantiken oder frühbyzantinischen Gräbern gefunden (vgl. Katalog Ägypten. Schätze aus dem Wüstensand, Wiesbaden 1996, 376f., Nr. 429a-b).


------Stiefel

E: boot

F: botte

Instance / Bsp.: Real erhaltene Stücke wurden in frühbyzantinischen Gräbern gefunden.


----Fussbekleidung, unbesohlte [unbesohlte Fussbekleidung]

E: footware, unsoled

F: chaussure non-semelée

Classificatory term


-----Holzschuh

E: shoe, wooden

F: sabot (chaussure)


-----Mokassin

E: moccasin

F: mocassin

Definition: Keine Trennung von Sohlen- und Oberleder; das unter der Fusssohle liegende Leder wird hinaufgezogen über bzw. um den Fuss herum.


---Kleidung (Brust/Hüfte bis Unterschenkel)

E: clothing (breast/hips to shank)

F: costume (poitrine/hanches aux bas de la jambe)

Classificatory term

Definition: Oberbegriff für Kleidungsstücke, die an der Brust bzw. an den Hüften befestigt sind.


----Lendentuch

E: loincloth

Instance / Bsp.: Zahlreiche real erhaltene Stücke aus dem Grab Tutanchamuns, vgl. G. Vogelsang-Eastwood, Tutankhamun’s Wardrobe, 1999, 48-50, Abb. 4:2.


----Penisfutteral

E: penis sheath

Instance / Bsp.: auf naqadazeitlichen Objekten dargestellt; kommt selten an Götterstatuen der historischen Zeit vor.


----Rock

E: skirt

F: jupe

Definition: ein schlauchförmiges, auf den Hüften aufsitzendes und unten offenes Kleidungsstück, das etwa bis zu den Knöcheln hinunter reicht. Auf Darstellungen des NR tragen oft Könige und Private (Männer) solche Kleidungsstücke, die aber in der Fachliteratur unterschiedlich benannt werden: Die einen sprechen von Röcken, die anderen von Schurzen. Im vorliegenden Thesaurus werden sie als lange Schurze betrachtet (vgl. „Schurz, lang“). „Rock“ wird hier als Kleidungsstück für Frauen definiert.

Instance / Bsp.: Die Gabenträgerinnen auf dem Thron der Prinzessin Satamun, Kairo CG 51113, aus Grab KV 46 (A. Wiese (ed.), Tutanchamun. Das goldene Jenseits, Antikenmuseum Basel, 2004, Nr. 33).


----Schurz

E: apron

F: pagne

owner: Kleidung (Brust/Hüfte bis Unterschenkel)

classificatory term

Definition:

Hier wird jedes Kleidungsstück, das ein Mann am Unterkörper trägt, als Schurz bezeichnet. Die Vielfalt der Varianten ist, besonders was die Privaten angeht, enorm gross. Eine Einteilung kann zweckmässig nur nach der Länge erfolgen (kurz, halblang, lang). Es wurden nur die wichtigsten Varianten aufgenommen.

Commented list of instances / Kommentierte Belegliste:

Frauen: In Ausnahmefällen können Schurze auch von Frauen getragen werden. Königin: als regierender König, Nofrusobek, Hatschepsut. Prinzessin: gelegentlich in der Amarnazeit (Maya Müller, Die Kunst Amenophis' III. und Echnatons, Basel 1988, IV-99f., Hildesheim PM 54). Göttin: Seschat, 12.Dyn., Brooklyn 52.129 (Aegyptische Kunst aus dem Brooklyn Museum, Berlin 1976, Nr.19). Private: z.B. Grab C Nr.1 in Meir, A.Blackman, The Rock Tombs of Meir VI, London 1953, pl.XI.


-----Doppelschurz

E: apron, double

F: pagne double

Eine seit dem späteren AR geläufige Erscheinung, dass zwei Schurze übereinander getragen werden. In der Malerei wird der längere als durchsichtig gekennzeichnet. Da der Ausdruck nichts über die Form der Schurze aussagt, ist er zur parallelen Verwendung neben einem deskriptiven Ausdruck gedacht.


-----Schurz halblang [halblanger Schurz]

E: apron, half-length

F: pagne mi-long

Definition: Hinten etwa bis zur Mitte der Wade reichend, vorne etwas kürzer. Eine Entwicklung der 18. Dyn.


------Schurz halblang mit Federmuster [halblanger Schurz mit Federmuster]

E: apron, half-length with feather pattern

F: pagne mi-long à ornement de plume

Instance / Bsp.: König (Ramses III. im Grab des Prinzen Amunherchepeschef, A. Lhote, La peinture égyptienne, 1954, pl. VII.


------Schurz halblang mit gebauschtem Mittelstück

E: apron, half length with bulging central piece

F: pagne mi-long à pièce médiane bouffante

Instance: C.Vandersleyen, Das alte Aegypten, Propyläen Kunstgeschichte (PKG) Band 15, 1975, Tf. 305 (Privatgrab König Haremhabs).


------Schurz halblang mit spitzem Mittelstück:

E: apron, half-length with pointed central piece

F: pagne mi-long à pièce médiane pointu

Bsp. Lange-Hirmer 1967{4}, Tf. 208 (Privatgrab König Haremhabs).


------Schurz halblang plissiert [halblanger, plissierter Schurz]

[Synonym: Schurz der Amarnazeit]

E: apron, half-length pleated

F: pagne mi-long plissé

Definition: Die Plissierung verläuft quer bzw. schräg. Seit der mittleren 18.Dyn. anzutreffen, durch die Amarnazeit prominent geworden.

Bsp. Lange-Hirmer 1967{4}, Tf.183.


-----Schurz kurz [kurzer Schurz]

E: apron, short

F: pagne court

Definition: Nicht länger als bis zum unteren Rand der Kniescheibe.


------Götterschurz

E: apron of a god

F: pagne divin

Definition: Kurzer, (meist) plissierter Schurz, dessen Saum vorne von beiden Seiten her im Bogen nach oben geführt wird in der Weise, dass sich die Teile in der Mitte treffen; im Ausschnitt zwischen den Bogen erscheint ein glatter Stoff. Für Götter reservierter Typus.

Instance /Bsp.: Ab dem MR belegt. 11. Dyn., Reliefblock aus dem Monthtempel Mentuhoteps III. in Tod, Kairo JE 66330, Month (D. Wildung, Sesostris und Amenemhet. Aegypten im Mittleren Reich, 1984, Abb. 48).


------Schendjut-Schurz

E: shendjut-apron

F: pagne shendjyt

Definition: Sehr kurzer Schurz, dessen Saum vorne von beiden Seiten her im Bogen nach der Mitte und nach oben verläuft; im so entstandenen Ausschnitt erscheint ein trapezförmiges Mittelstück.

Instance / Bsp.: Spezifisch königliches Kleidungsstück, wird aber auch von Göttern getragen, z.B. Horus und Seth.

König: Frühe Beispiele im Taltempel Snofrus, Anfang 4. Dyn., A. Fakhry, Sneferu II: Valley Temple I, 1961.


------Schurz kurz glatt [kurzer, glatter Schurz]

E: apron, short plain

F: pagne court lisse


------Schurz kurz mit Federmuster [kurzer Schurz mit Federmuster]

[Synonym: kurzer Federschurz]

E: apron, short with feather pattern

F: pagne court à ornement de plume

Definition: Ganz mit dem Federmuster überzogener, kurzer Schurz mit geradem Saum.

Instance / Bsp.: An Göttern geläufig seit der 11. Dyn., z.B. Month, Block aus dem Monthtempel Mentuhoteps III. in Tod, Kairo JE 66335 (D. Wildung, Sesostris und Amenemhet. Aegypten im Mittleren Reich, 1984, Abb. 51).

König: Taharqa im Tempel T von Kawa (Macadam, Kawa II, Tf.X(b)).


------Schurz kurz mit Vorbau

E: apron, short with projection

F: pagne court à projection

Definition: Vorbau weniger breit und weniger geometrisch geformt als der dreieckige.

Instance: Bsp. C. Vandersleyen, Aegypten, PKG 15, Tf.134.


------Schurz kurz mit dreieckigem Vorbau

E: apron, short with triangular projection

F: pagne court à projection triangulaire

Definition: Vorbau in der Regel breiter als hoch, streng geometrisch geformt, schräg gestreift und stark vortretend.

Instance / Bsp.: Erscheint im AR am König und an Privaten. Seit der 12.Dyn. gelegentlich auch an Statuen des Königs dargestellt. Bsp. Lange-Hirmer 1967{4}, Tf.XVII.


------Schurz kurz mit gebauschtem Mittelstück

E: apron, short with bulging central piece

F: pagne court à pièce médiane bouffante

Definition: Der Schurz ist vorne mit einem etwa dreieckigen, gewellten und mehr oder weniger vorgewölbten Teil versehen.

Instance / Bsp. C. Vandersleyen, Aegypten, PKG 15, Tf.296.


------Schurz kurz plissiert [kurzer, plissierter Schurz]

E: apron, short pleated

F: pagne court plissé


-----Schurz lang [langer Schurz]

E: apron, long

F: pagne long


------Schurz lang glatt [langer, glatter Schurz]

E: apron, long plain

F: pagne long lisse

Instance / Bsp. Vandier MAE III, Tf.LXXIII (2-3) (12.Dyn.). Privater: AR?


------Schurz lang hochgezogen [langer, hochgezogener Schurz]

E: apron, long high waisted

Definition: Ueber die Taille hinaufreichend bis zur Brust.

Instance / Bsp. Private: Lange-Hirmer 1967{4}, Tf.159; Vandier MAE III, Tf.LXXIX (5).

Götter: Selten bei Göttern; Onuris-Schu, Bsp. (Katalog) The Egyptian Museum Cairo, Mainz 1987, Nr.257, Kairo CG 70018, Naos Nektanebos I. und II. aus Abydos (unsicherer Beleg; es könnte ein Federschurz mit Federleibchen gemeint sein, vgl. "Schurz lang mit Federmuster").


------Schurz lang hochgezogen mit Schnur um den Hals

[Synonym: Schurz des Wesirs]

E: apron of the vizier

F: pagne du vizier

Instance / Bsp.: Lange-Hirmer 1967{4}, Tf.172.


------Schurz lang mit Federmuster [langer Schurz mit Federmuster]

[Synonym: Federschurz, langer]

E: long apron with feather pattern

F: pagne long à ornemant de plume

owner: long apron

descriptive term

Definition: Three-quarter length apron mit feather pattern arranged in vertical bands.

Definition: Dreiviertellanger Schurz mit Federmuster in senkrechten Streifen.

Commented list of instances / Kommentierte Belegliste:

Gott: Wird von Onuris getragen, zusammen mit einem Federleibchen, hauptsächlich an Bronzestatuetten belegt. Die Träger des Leibchens sind aber bei Bronzen nicht unbedingt sichtbar, vielleicht waren sie nur als Goldauflage vorhanden, die verschwunden sein könnte. Bsp. Bronzefigur, tauschiert (Veronica Ions, Aegyptische Mythologie, Wiesbaden (Vollmer) 1968, Abb. auf p.45); Menit-Gegengewicht aus Bronze mit gravierten Götterszenen (G.Daressy, ASAE 3, 1902, 139-150, Tf.II(1)).


------Schurz lang mit Vorbau

E: apron, long with projection

F: pagne long à projection

Definition: Schurz mit einem etwa dreieckigen, vortretenden Mittelstück, meist plissiert. / In most cases pleated.

Instance / Bsp.: Lange-Hirmer 1967{4}, Tf.212-213.


------Schurz lang plissiert [langer, plissierter Schurz]

E: apron, long pleated

F: pagne long plissé


---Kleidung (Kopf)

E: head-dress

F: coiffure

Classificatory term

Definition: Oberbegriff für Kleidungsstücke, die auf /am Kopf Halt finden.


----Bartband

E: beard strap

F: collier de barbe

Definition: Band, das den künstlichen Bart festhält, im Rund- und flachbild als ein Streifen dargestellt, der dem Kiefer entlang zum Ohr verläuft.


----Geierhaube

E: vulture head-dress

F: dépouille de vautoure (coiffure)

owner: head-dress / Kleidung (Kopf)

Commented list of instances:

Attribut von Göttinnen und Königinnen, ausschliesslich weibliches Kleidungsstück.

Göttin: Die Geierhaube ist im Flachbild seit dem AR an Göttinnen geläufig, rundplastisch aber vor dem NR kaum belegt.

AR: Nechbet im Taltempel Snofrus (Anfang 4. Dyn.), Dahschur, A. Fakhry, Sneferu II: Valley Temple I, 1961, fig. 199, 218.

Königin: Reliefdarstellung einer Königin mit Geierhaube aus dem späten AR: G.Jéquier, Les pyramides des reines Neit et Apouit, Le Caire 1933, 7, Tf.V. Für die Rundplastik des AR vgl. U.Hölscher, Das Grabdenkmal des Königs Chefren, Leipzig 1912, 102f., Abb.142­143 (Fragmente, vermutlich von Statuen von Königinnen). - MR: Die Statuette einer Königin, wohl der Nofrusobek, New York MMA 26.7.21 [65.59.1] trägt eine Doppelgeierhaube (H.Sourouzian, MDAIK 37, 1981, 447, Anm.10); d.h. es sind oben auf der Perücke zwei quergestellte, sich anblickende Geier zu beiden Seiten des Scheitels dargestellt. Geierhauben normalen Typs an Statuen, die von Königinnen stammen dürften, ferner: Brooklyn 65.134.3 (Zuschr. Sesostris I.); Kerma 6.MR. Bisher kein Reliefbeleg für Königin.


----Gesichtshaar, künstliches

E: facial hair, artificial

F: chevelure faciale artificielle


-----Bart

E: beard

F: barbe


------Götterbart (Spitze eingerollt)

E: divine beard

F: barbe divine

Definition: Knebelbart, geflochten, Spitze eingerollt.

Commented list of Instances:

Gott: Im AR relativ selten auf Reliefdarstellungen von Göttern belegt (Do. Arnold, When the Pyramids Were Built, New York MMA 1999, fig. 74 (Block aus dem Totentempel Sahures, mehrere Götter und Nilgenien).

König: Die mumiengestaltigen Statuen des Königs tragen in der Regel den Götterbart, erstmals für Montuhotep I. belegt (die Statuen im Hebsedmantel aus Deir el-Bahari, typologisch die Vorläufer der mumiengestaltigen Statuen, New York MMA 26.3.29 und Kairo JE 36195, D.Wildung, Sesostris und Amenemhet 1984, Abb.38­-39). In der 11.Dyn. König mit Götterbart auch öfter im Flachbild.

Im MR kommt der Götterbart als selbständiges Bildelement in Form eines Amuletts vor (J. Bourriau, Pharaohs and Mortals, Fitzwilliam Museum Cambridge 1988, Nr. 154-155). Wie J. Bourriau feststellte, kommt dieses Amunlett nur im MR vor, und da praktisch kein Unterschied besteht zwischen der Form des Götterbarts und der Form der Jugendlocke, lässt sich auch gar nicht sicher festellen, welches von beiden gemeint war (Text zu Nr. 155).

Die formale Ähnlichkeit lässt die Vermutung zu, dass bei Götterbart und Jugendlocke eine ähnliche Bedeutung vorliegt.

Vgl. die Stichwörter „Jugendlocke (am Kopf)“, „Jugendlocke (an einer Perücke)“, „Hathorlocken“.


------Königsbart

E: royal beard

F: barbe royale

[Synonyme: fausse barbe droite]

Definition: Mittellanger, unten gerade abgeschnittener Knebelbart.

Instance / Bsp.: AR/MR vgl. H.Evers, Staat aus dem Stein II, München 1929, 29.


----Haarteil an der Seite des Kopfs

E: hair piece at the side of the head

F: partie de cheveux au côté de la tête

Classificatory term

Definition: an einer Seite des Kopfs befindet sich eine grosse, unten spiralig eingedrehte Locke (Jugendlocke/Seitenlocke) oder eine breite Strähne (Seitensträhne). Es muss sich um das eigene Haar der dargestellten Person handeln, da der Schädel im übrigen kahl rasiert oder nur von ganz kurz geschnittenem Haar bedeckt ist. Diese Locke oder Strähne findet sich an Kindern oder jungen Erwachsenen beiderlei Geschlechts. Die gleiche Locke oder Strähne kommt aber auch als appliziertes Haarteil an Perücken oder Kronen(-kombinationen) vor, und zwar von Kindern (?) und jungen Erwachsenen beiderlei Geschlechts, von Göttern und ausserdem von erwachsenen Männern, die bestimmte Priesterämter innehaben. Generell sind die Träger oft Prinzen, Prinzessinnen, Könige oder Kindergötter.

Sofern es sich um das eigene Haar handelt, müsste die Jugendlocke bzw. Seitensträhne als Haartracht definiert werden; da es sich aber offenbar um eine Auszeichnung bzw. ein Abzeichen hohen sozialen Ranges handelt, betrachten wir sie hier als Grenzfall und reihen sie unter den Kleidungsstücken ein. Die „Jugendlocke/Seitenlocke bzw. Seitensträhne an einer Perücke“ ist unter diesem Ausdruck bei den Perücken eingeordnet.


-----Jugendlocke (am Kopf)

[Synonym: Seitenlocke (am Kopf)]

E: youth lock (on the head)

[E: synonym: side lock (on the head)]

F: mèche de l’enfance (au côté de la tête)

[synonyme: mèche latérale (au côté de la tête)]

Definition:

Meistens an der rechten Kopfseite eine geflochtene Strähne, unten spiralig eingedreht; der Rest des Kopfs ist kahl rasiert oder von ganz kurz geschnittenem, eigenem Haar bedeckt. Wird von Kindern, auch von Königskindern, vom König als Kind und von Kindergöttern getragen.

Kinder: Seit dem AR für Kinder (zuerst nur für Söhne, ab der 5. Dyn. auch für Töchter von Privaten) gebräuchlich (zwei Gruppenstatuen des Nikare mit Familie, Do. Arnold, When the Pyramids Were Built, New York MMA 1999, fig. 90: MMA 52.19, Tochter, Locke am Hinterkopf; fig. 92-93: Brooklyn 49.215, Sohn, Haar kappenartig, schwarz, und Locke rechts am Kopf). (Vgl. Erika Feucht, Das Kind im alten Ägypten, 1995).

MR, Gruppenstatuette des Gaufürsten Uchhotep aus Meir, 12.Dyn., L.Borchardt, Statuen II, Kairo CG 459, und Gegenstück in Boston, MFA, D. Wildung, Sesostris und Amenemhet, 1984, Abb. 141 (in beiden Fällen trägt die Tochter das Kleid einer erwachsenen Frau, ist aber kleingestaltig und hat am sonst anscheinend kahlen Kopf zwei symmetrisch angeordnete Jugendlocken). - Knabe: Gruppenstatuette bzw. Uschebti: J. Bourriau, Pharaohs and Mortals, Cambridge Fitzwilliam Museum 1988, Nr. 57, Nr. 80. – Statuette eines Mädchens mit Locke am Hinterkopf, London BM EA 2572, id. ibid. Nr. 140, 12. Dyn.

NR Kinder: Sohn und Töchter des Anhour Khaou, TT 359, A. Lhote, La peinture égyptienne, 1954, pl. 39 (20. Dyn.).

Prinz/Prinzessin MR? - NR, Regierungszeit der Hatschepsut, Prinzessin Nofrure: Erzieherstatuen Senenmuts.

König: Im NR an Darstellungen des regierenden Königs in Kindergestalt (vgl. Maya Müller, Die Kunst Amenophis’ III. und Echnatons, 1988, I-46-57). Reliefzyklus der Geburt des Gottkönigs im Luxortempel Amenophis’ III.: der neugeborene Thronfolger (H. Brunner, Die Geburt des Gottkönigs).

Götter: Kindergötter (nur Söhne), seit MR (Bsp. C. Vandersleyen, Aegypten, PKG 15, Tf.396b, wohl Ihi, Sohn der Hathor, Pektoral Amenemhats III.). Regierungszeit Tutanchamuns: Statue des Chons, Lange und Hirmer, Aegypten, 1967{4}, Tf. 201. Im 1. Jahrtausend: geläufig an den Horus-Stelen.

Vgl. „Jugendlocke (an einer Perücke)“; „Götterbart“; „Hathorlocken“


-----Seitensträhne (am Kopf)

E: side strand (on the head)

F: mèche latérale

Definition: An einer Seite des (ansonsten kahl rasierten oder nur mit ganz kurz geschnittenem Haar bedeckten) Kopfs herunterhängende, isolierte Haarsträhne (ohne Einrollung unten), die im einzelnen verschieden strukturiert und mit einer Schmuckspange versehen sein kann.

Kinder: NR, Regierungszeit Thutmosis’ IV./Amenophis’ III., Theben TT 52, Nacht, Sohn und Tochter (A. Lhote, La peinture égyptienne, 1954, pl. 52-53).

Prinz Siatum, Regierungszeit Amenophis’ III., Relief Wien KM ÄS 5814, Egypt’s Dazzling Sun, Cleveland Museum of Art 1992, Nr. 58 auf S.292.

Amarnazeit: Prinzessinnen, d.h. Töchter Echnatons und Nofretetes, z.B. C. Aldred, Akhenaten and Nefertiti, The Brooklyn Museum 1973, Nr. 16, 17, 33, 49, 53, 129, 13060, 92, 116 (schwarze Bemalung des Hinterkopfs der Prinzessin wahrscheinlich original, würde auf ganz kurz geschnittenes Haar deuten), 130. An den Prinzessinnen der Amarnazeit scheint die Jugendlocke nicht vorzukommen; dies wirft die Frage auf, ob die Locke an Hathor erinnerte und daher im Zuge der Verbannung aller traditionellen Gottheiten unmöglich wurde.

Oft an den Prinzen in den Prinzengräbern in Theben-West, Tal der Königinnen, 20. Dyn.

Vgl. „Seitensträhne (an einer Perücke)“


----Kalathos (zylindrischer Aufsatz)

E: modius (kalathos)

F: mortier (kalathos)

Definition: Zylindrischer Aufsatz auf der Perücke, vorwiegend bei Königinnen und Göttinnen, oft zur Aufnahme einer Krone, oft von einem Uräenkranz umgeben.

Instance / Bsp. C. Vandersleyen, Aegypten, PKG 15, Tf.178.


----Kappe

E: cap

F: calotte


----Kopftuch

E: headcloth

F: foulard (Kopftuch)


-----Kopftuch, königliches

E: royal headcloth

F: foulard (Kopftuch) royal


------Brustlappen

E: lappets

F: retombée frontale (coiffure royale)

Definition: Der von der Schulter auf die Brust hinabfallende Teil des Kopftuchs.

Instance / Bsp. AR/MR vgl. Evers, Staat II, München 1929, 8f., 13.


------Chat-Kopftuch

E: khat headcloth

F: coiffure claft

owner: Kopftuch, königliches

Commented list of instances:

Attribut des Königs und bestimmter Göttinnen. Auch Afnet-Kopftuch genannt. Aequivalent zu den Königskronen.

König: Auf Särgen der Ersten Zwischenzeit in Form von Beigabenfriesen belegt (Datierung gesichert?); im MR flachbildlich und rundplastisch für den König (Bsp. Amenemhat III. Naoi aus Hawara, Evers, Staat aus dem Stein I, Abb. 27 auf p.111, Kairo JE 43289; und Flachbild: C.Aldred, Jewels of the Pharaohs, London 1971, Tf. 76). Vgl. Evers, Staat aus dem Stein II, 16f.; LÄ III 1980, 693f. – Ab der Dritten Zwischenzeit selten, vgl. K. Mysliwiec, Royal Portraiture of the Dynasties XXI-XXX, pl. XCIVc,d (Sanktuar Alexanders in Karnak).

Zu xA.t: laut WB III 222 (10) zuerst in Beigabenlisten auf ­Särgen des MR belegt. - Zu afnt: R. Faulkner, A Concise Dictionary of Middle Egyptian, Oxford 1962, 42.

Königin: Späte Regierungszeit Amenophis’ III. und Amarnazeit.

Im Relief: belegt für Teje im Grab des Cheriuf (TT 192), Sedfestdarstellung aus der späten Regierungszeit Amenophis’ III. (Hinweis Chr. Bayer, Münster i.W.) (The Tomb of Kheruef: Theban Tomb 192, OIP 102, Chicago 1980, pl.41), hier aber mit einer Uräusschlange, die eine Hörnerkrone (Kuhgehörn mit Sonnenscheibe) trägt.

Amarnazeit: Rundplastisch belegt für Teje (Berlin 21834, Holzköpfchen aus Medinet Gurob, Maya Müller, Die Kunst Amenophis’ III. und Echnatons, 1988, IV-92, s.a. IV-135; D. Wildung, Der Porträtkopf der Königin Teje, Der Berliner Kunstbrief, Berlin 2001) und Nofretete (Hamburg MKG 1966.96, Maya Müller, Kunst, IV-97; M. Eaton Krauss, Chronique d’Egypte 56, 1981, 245-264. fig.1). Der Kopf trug ursprünglich ein Chat-Kopftuch mit zwei grossen, seitlich vom Scheitel zu den Ohren herab hängenden Uräen. Solch lange seitliche Uräen kommen auch an Nofretetes Blauer Frauenkrone vor (vgl. dort) und dürften eine Spezialität der Amarnazeit sein, und es dürfte sich um ein königlich-männliches Element handeln, das von der königlichen kurzen Löckchenperücke mit Sesched-Band und Seitenuräen abgeleitet ist (A III.: Pharaohs of the Sun, Boston MFA 1999, fig. 23, 54), oder auch von den Widderhornkronen mit herab hängenden Uräen, wie Hildesheim PM 4538, Hatschepsut, Kat. Götter Gräber und die Kunst, Linz 1989, Nr. 428). Später wurde eine kurze Löckchenperücke über das Chat-Kopftuch gestülpt und eine Krone aus Kuhgehörn, Sonnenscheibe und Doppelfeder darauf gesetzt. - Das Chat ist auch gesichert für Nofretete.

Göttin: Nechbet, AR in Pyr.729c, 1566b, 2204a als Trägerin des Afnet-Kopftuchs beschrieben. Isis, MR: auf Sargfragment Kairo CG 28072 mit Chat-­Kopftuch dargestellt (P.Lacau, Sarcophages antérieurs au Nouvel Empire II, 1906, Tf.18 unten). Auch Nephthys, Neith und Selkis als Beschützerinnen von Sarg und Kanopen seit NR so dargestellt (vielfach im Grabschatz Tutanchamuns, auch rundplastisch, z.B. Lange­-Hirmer 1967{4}, Tf.196-199, XXXIX, XLIII-XLIV).

Es erhebt sich die Frage, ob das Chat-Kopftuch primär ein Attribut des Königs oder einer Göttin ist. Nechbet ist allerdings als Kronengöttin und Gottesmutter (Titel) sehr eng mit dem König verbunden und teilt königliche Attribute mit ihm.


------Kopftuchflügel

E: side wings (royal headcloth)

F: ailes (coiffure royale)

Definition: Der dreieckige, flache Teil des Kopftuchs, der sich zu beiden Seiten des Gesichts etwa von der Schläfe bis zur Schulter erstreckt.

Instance / Bsp. AR/MR vgl. Evers, Staat aus dem Stein II, München 1929, 7f.


------Nemes-Kopftuch

E: nemes headcloth

F: némès

Commented list of instances:

König: Gehört zum König seit der 3. Dynastie (Djoser), bleibt bis zur Römerzeit die häufigste Krone. Vgl. LÄ III 1980, 693f.

Gott: Harpokrates im 1. Jahrtausend, bes. an Bronzefiguren, auch mit einer Jugendlocke versehen (S.Schoske und D.Wildung, Gott und Götter, Nr.30-31).


-------Dreistrichstreifung (des Nemes-Kopftuchs)

E: triple stripes

F: plis gravés par groupes de trois

Commented list of instances:

Erscheint im AR gelegentlich an Statuen (C. Vandersleyen, Aegypten, PKG 15, Tf.117, 131a, und Grosser Sphinx von Gisa) und auf Reliefs (G.Jéquier, Le monument funéraire de Pepi II, Vol. 2, Tf.50, 61). Da das Nemes­Kopftuch sonst glatt dargestellt wird (ursprünglich wohl bemalt), dürfte die D. wohl die Normalform gewesen sein. In der 11. Dynastie ist die D. nicht belegt. Unter Amenemhat I. und Sesostris I. ist sie selten, unter Sesostris II. und III. fast immer vorhanden, unter Amenemhat III. etwa in der Hälfte der Fälle, in der 13. Dynastie erscheint sie noch gelegentlich. Vgl. Evers, Staat aus dem Stein II, 11f.


-------Zweistrichstreifung (des Nemes-Kopftuchs)

E: double stripes

F: plis gravés par groupes de deux

Commented list of instances:

Im späteren AR vereinzelt belegt (Pepi I. bzw. II., Brooklyn 39.121 bzw. 39.119, C. Vanderleyen, Aegypten, PKG 15, Tf.143b, 144). In der 11.Dyn. kommt nur die Z. vor. Zur 12./13.Dyn. vgl. "Dreistrichstreifung". Ab NR ist nur noch die Z. belegt. Vgl. Evers, Staat aus dem Stein II, 11f.


------Zopf (Königskopftuch)

E: pigtail (royal headcloth)

F: catogan/retombée dorsale (coiffure royale)

Definition: Vom hinteren unteren Rand des Nemes-Kopftuchs und des Chatkopftuchs auf den Rücken herunterhängendes Ende.

Instance / Bsp. AR/MR vgl. Evers, Staat aus dem Stein II, München 1929, 10f.


-----Kopftuch, nicht-königliches

E: non-royal headcloth

F: foulard (Kopftuch) non-royale


----Krone (Kopfbedeckung König/Gottheit)

E: crown

F: couronne

Definition: Jede Kopfbedeckung, die ein König trägt, ist per definitionem eine Krone, ausser den Kopftüchern und Perücken; die königlichen Kopftücher sind aber immer Aequivalente zu den Kronen (und werden daher in der Fachliteratur zuweilen zu diesen gerechnet), und auch bestimmte Perückentypen können Kronenäquivalente sein. Bei der Königin gelten folgende Kopfbedeckungen als Kronen: Die hohe Doppelfeder und die Kombinationen aus Gehörn und Federn (vgl. „Federkrone/Hörnerkrone") und die vom König entliehenen Kopfzierden.

Bei den Gottheiten zählen wir alle eigentlichen Kopfbedeckungen zu den Kronen, jedoch nicht die einzelnen religiösen Symbole (Schriftzeichen u.ä.), die zuweilen auf ihren Köpfen erscheinen. Götterkronen sind demnach alle Zierden, die nur auf dem Kopf getragen werden können und keine andere Funktion haben als diese. Keine Kronen sind aber gemäss unserer Definition diejenigen Dinge, die in erster Linie als Schriftzeichen dienen und/oder in verschiedenen Zusammenhängen als religiöse Symbole erscheinen können, wie z.B. die Gaunamen, die Zeichen der Isis oder der Nephthys, die Sonnenscheibe, die einzelne Feder und die Doppelfeder, letztere wenn sie in ein Haarband gesteckt sind bzw. aus einem Vogelkopf aufragen..

Die Rote und die Weisse Krone sind die ältesten Kronen überhaupt und offenbar in protodynastischer Zeit zugleich mit dem Konzept des Königtums entstanden. Es sind hohe, mehr oder minder konische Mützen aus feinem, formbarem, zweifellos textilem Material. In der 3. Dyn., mit Djoser, erscheint das Nemes-Kopftuch als königliches Kronen-Aequivalent. Seit der frühen 4. Dyn. ist die „zweite Generation“ von königlichen Kronen belegt: die aus Widdergehörn und Federn zusammengesetzten, d.h. die Atef mit Widdergehörn und das Widdergehörn mit Rindergehörn und Doppelfeder; ferner die königliche kurze Perücke. Die erste eigentliche Götterkrone scheint das für die solaren Göttinnen entworfene Kuhgehörn mit Sonnenscheibe zu sein, das in der 4. Dyn. auftritt. Die männlichen Gottheiten haben, wenigstens gemäss der gegenwärtigen Beleglage, im AR keine Kronen; Götterkronen kommen erst in der 11. Dyn. richtig auf mit Osiris, Amun und Amun-Min, deren Kronen vom König übernommen bzw. von königlichen Kronen abgeleitet sind. (Im übrigen finden sich mindestens seit dem Beginn der 4. Dyn. bei männlichen und weiblichen Gottheiten das in ein Haarband eingesteckte oder auf dem Kopf aufliegende, schriftzeichenartige Symbol, vgl. Min, Seschat und die Gaupersonifikationen in Snofrus Taltempel).

Vgl. Katja Goebs, „crowns“, in: The Oxford Encyclopedia of Ancient Egypt, Vol. I., 2001, 321-326.


-----Aethiopenkrone

E: Ethiopian crown

F: couronne éthiopienne

Definition: Um die paillettenbesetzte Kappe mit den abgerundeten Zipfeln vor den Ohren (siehe Kappenkrone) wird ein breites, glattes Band gelegt, das vorne dicht über dem Stirnband sitzt. Am oberen Saum des glatten Bandes setzt ein zweites Band an, das mit einem dichten Fries kleiner Uräen überzogen ist. An der Stirn sitzt gewöhnlich ein Doppeluräus. Es handelt sich offenbar um eine Weiterentwicklung der Kappenkrone.

Commented list of instances:

An den Königen der 25. Dyn. belegt, auch an vielen der 25. Dyn. zuschreibbaren Bronzefiguren von Königen ohne Namen. Ferner an Fürsten, die in den Anfängen parallel zu den Aethiopen herrschten, wie Peftjaauibastet Neferkare, Fürst von Herakleopolis, 24.Dyn. (Boston MFA 177.16 stellt ihn sehr wahrscheinlich dar, mit einfachem Uräus, W.K.Simpson, A Table of Offerings, Boston 1987, 54-57, 3 Abb.; Kitchen, TIP Paragr.318). Vgl. J.Leclant, Mon. Théb., 323f.


-----Atef-Krone [Atefkrone]

E: atef-crown

F: atef, couronne

Classificatory term

Definition: Konstituierende Elemente sind: die Weisse Krone in einer neuen, mit senkrechten Rippen strukturierten Variante, die zwei seitlich angebrachten Straussenfedern ("Zeichen der Maat"), und das Widdergehörn, zu welchem sich oft ein kleines Rindergehörn gesellt. Die an den Atef-Kronen vielfach vorkommenden Uräen und kleinen Sonnenscheibchen gelten hier als variables Beiwerk und werden nicht berücksichtigt bei der Unterscheidung der Varianten.

Die Atef-Krone ist ein Attribut des Königs und des Osiris als verstorbener König und Herrscher des Totenreichs.

Sie ist im Prinzip ein rein männliche Krone (Widdergehörn), die aber seit dem NR an den Kronengöttinnen und gelegentlich an einigen weiteren Göttinnen erscheinen kann.

Die Variante ohne Widdergehörn („einfache Atef-Krone“) scheint erst im NR aufzukommen.


------Atef-Krone mit Widdergehörn

E: atef with ram’s horns

F: atef aux cornes de bélier

Definition: Am untersten Teil der von zwei Straussenfedern flankierten Weissen Krone setzt seitlich ein Widdergehörn an. Es handelt sich bei allen Varianten von Atef-Kronen um das leicht gewellte und sich stets auf der Waagrechten erstreckende Widdergehörn (ovis longipes) (vgl. "Federkrone/Hörnerkrone"). Wenn die Krone auf einer Perücke getragen wird, ist die Konstruktion etwas verschieden: Die Weisse Krone sitzt auf dem Widdergehörn, das seinerseits am Scheitel ansetzt.

Commented list of instances:

-König: AR: Seit AR (4.Dyn.) belegt, zuerst für den König (Falke des Goldhorus-Namens auf dem Baldachin der Königin Hetepheres, W.St.Smith, The Art and Architecture of Ancient Egypt, Harmondsworth 1958, Tf. 34). (Bei diesem Beleg ist es nicht klar ersichtlich, ob vielleicht ein ganz kleines Rindergehörn hinter den Widderhörnern aufragt, oder ob die Federkiele etwas geschweift sind).

Gott: Osiris MR: Sarg des Sepi aus El-Berscheh, Zuschr. 12.Dyn., Kairo CG 28083 (Cat. Eg. Mus. Cairo 1987, Nr.95): zeigt eine ganz ungewöhnliche flachbildliche Darstellung des Osiris mit einer Atef-Krone mit Widdergehörn und Schlangen.

Determinative MR: R.Faulkner, CT II, 1977, Spell 420, 67: [Harsaphes/Herischef] "on whose vertex are the plumes of Sopd and the 3tf-crowns (of Re)". Atef-Kronen des Re: A. de Buck, The Eg. Coffin Texts V, Chicago 1954, p.257, Text BIY; Determinativ ist der Widderkopf mit einfacher Atef-Krone, vielleicht die nächtliche Form des Sonnengottes; Widderprotome mit einfacher Atef-Krone: auf Zaubermesser, Zuschreibung an das späte MR (London BM 18175, G.Pinch, Magic in Ancient Egypt, London BM 1994, Abb.19). (Die Widderköpfe mit Atef-Krone sind vielleicht Grenzfälle, da der Widder ohnehin das Gehörn trägt, oder eher das Paradigma).

Stele des Upuauthotep, London BM 1367, Zuschreibung an die 13.Dyn., wohl aus Abydos (K.Sethe, Lesestücke, p.63c; M.Lichtheim, Ancient Egyptian Autobiographies Chiefly of the Middle Kingdom, Nr.58), Osirishymnus: "Er [Re] hat ihm [Orisis] seine Kronen gegeben auf seine grossen Atefkronen auf seinem Kopf". Determinativ: Atef-Krone mit Widdergehörn. Hier wird Osiris ausdrücklich mit der Atef-Krone in Verbindung gebracht.

König NR: Obelisk E der Hatschepsut in Karnak (LD III 22-23).

Götter ab NR: Seit der Ramessidenzeit und bes. im 1. Jahrtausend nebst Osiris für eine ganze Reihe von Göttern möglich (vgl. auch Hemhem-Krone). Z.B. Re-­Harachte (Helck, Ritualszenen, Bild 44, Tf.31, Relief Ramses' II.). - Thot (Bsp. sog. Kasseler Pantheon, G.Roeder, ZÄS 76, 1940, 57-71) und der Ibis. - Widder von Mendes als widderköpfiger Mann (Stele des Apries Kopenhagen NCG 1037, Koefoed, Stèles Tf.56). - Bronzefigur eines pantheistischen Gottes, Spätzeit-­Ptol. (S.Schoske und D.Wildung, Gott und Götter, Nr.119). - Unterweltlicher Sonnengott mit vier Widderköpfen, auf Kopfscheiben, Spätzeit-Ptol. (Ausstellungskat. Aegypten, Götter, Gräber und die Kunst I, Linz 1989, Nr.503-505).

Variante der Atefkrone mit Widdergehörn und kleiner Sonnenscheibe an der Basis: statt der Sonnenscheibe eine kleine Mondscheibe mit Mondsichel: Chons, (Sethos I)., H. Nelson, The Great Hypostyle Hall at Karnak, OIP 106, I, 1, 1981, pl. 176.

Amun als Widderkopfägis an Bug und Heck der grossen Prozessionsbarke der Thebanischen Triade (der Widderkopf selber hat die spiralig nach unten gedrehten Hörner), z.B. in der grossen Hypostylhalle von Karnak (Ramses II.), W. Murnane (ed.), The Great Hypostyle Hall, OIP 106, 1981, pl. 38.

-Göttin: Wadjet als Kobra, an Sistrum aus Bronze, Römerzeit (S.Schoske und D.Wildung, Gott und Götter, Nr.121), s.a. Rindergehörn mit Sonnenscheibe und Doppelfeder.

Weibliche Variante mit Kuhgehörn statt Widdergehörn: Göttin mit Kind auf dem Schoss, wohl Isis, Atef-Krone mit Kuhgehörn und Sonnenscheibe, Bronzefigur, Ptol.-Römerzeit, Michailides, BIE 37, 1956, Tf.XIX (s. "Krone, Kombinationen“).

Vgl. auch "Krone, Kombinationen“ (Rote Krone, darauf Atef mit Widdergehörn, Taharqa in Kawa).


-------Widderhorn mit Straussenfeder (Atef-Krone, Teil)

E: ostrich-feather with ram’s horn (atef-crown, part)

F: plume d’autruche avec corne de bélier (couronne atef, partie)

Definition: Aeusserer Teil einer Atef-Krone mit Widdergehörn. Kommt als selbständiges Amulett vor.


------Atef-Krone mit Widdergehörn und Rindergehörn

E: atef with ram’s horns and bovine horns

F: atef aux cornes de bélier et cornes de boeuf

Definition: Im Widdergehörn sitzt ein kleines Rindergehörn, das den untersten Teil der Weissen Krone umgreift. Häufiger ist aber die Variante, die eine kleine Sonnenscheibe im Rindergehörn aufweist.

Commented list of instances:

König: Für Snofru am Anfang der 4. Dyn. belegt, auf der kurzen Perücke getragen: A. Fakhry, Sneferu II: Valley Temple I, 1961, fig. 99-100 auf p. 102, fig. 147 auf p. 128, pl. XXXI B (Mitte).

Ein ganz unsicherer Beleg (vgl. „Atef-Krone mit Widdergehörn“): Falke des Goldhorus-Namens auf dem Baldachin der Königin Hetepheres, W.St.Smith, The Art and Architecture of Ancient Egypt, Harmondsworth 1958, Tf. 34). (Bei diesem Beleg ist es nicht klar ersichtlich, ob vielleicht ein ganz kleines Rindergehörn hinter den Widderhörnern aufragt, oder ob die Federkiele etwas geschweift sind). – Belege mit kleinem, aber deutlichem Rindergehörn, 5. Dyn., Sahure, Abusir: Sally Johnson, The Cobra Goddess of Ancient Egypt, 1990, 115-116, fig. 210, 212.

Ab der frühen 18.Dyn. (Flachbild), Variante ohne Sonnenscheibe im Rindergehörn z.B. Deir el-Bahari, Tempel der Hatschepsut, Relief auf einem Pfeiler (Lange-Hirmer 1967{4}, Tf.128), Thutmosis III.; Variante mit Sonnenscheibe im Rindergehörn: z.B. Obelisk E der Hatschepsut in Karnak (LD III 22-23); Echnaton: C.Aldred, Akhenaten and Nefertiti, The Brooklyn Museum 1973, Nr.14 (Relief); Ramses II.: Helck, Ritualszenen 1968, Bild 48 (Relief).

Das Rindergehörn hat in den mir bisher bekannt gewordenen Beispielen die Form des Kuhgehörns mit den nach aussen weisenden Spitzen. Vgl. dazu den Kommentar zum Stichwort „Widdergehörn mit Rindergehörn Doppelfeder und Sonnenscheibe“.

Göttin: Eine weibliche Variante mit grossem Kuhgehörn, das an die Stelle des kleinen Rindergehörns tritt: z.B. löwenköpfige Mut auf Säule in der grossen Hypostylhalle von Karnak (LD III 220c).


------Atef-Krone, einfache

E: atef-crown, plain

F: atef, couronne simple

Definition: Weisse Krone mit seitlichen Straussenfedern, (ohne Widdergehörn).

Commented list of instances:

Gott: Die einfache Atef-Krone gehört vorwiegend zu Osiris, (nebst Weisser Krone und Atef-Krone mit Widdergehörn), ab 18. Dyn. (18. Dyn. vor Amarna: A. Lhote, La peinture égyptienne 1954, pl. VIII, XVII); auch Ptah-Sokar­-Osiris (Relief Ramses' II. in Karnak, Helck, Ritualszenen 1968, Bild 23, Tf.20).

Göttin: Nechbet als Geier, ab NR, Atef-Krone als Variante zur Weissen Krone, Bsp. Pektorale Tutanchamuns, Lange-Hirmer 1967{4}, Tf.XLII, XLIV. - Nechbet als Frau: Tempel Amenophis' III. in Elkab (LD III 80); Nechbet mit dreiteiliger Perücke und Atef-Krone: ein ramessidisches Bauwerk in Karnak (P. Riesterer, Aegypten, 1958, Abb. auf S. 80); Nechbet als Frau und als Geier: auf einem Geiersarg aus Elkab, spätramessidisch (?), (Capart, CdE 15, 1940, 30, Abb.1-2); Astrte zu Pferd auf einem Ostrakon: Cornelius, The Many Faces of the Goddess, OBO 204, 2004, fig. 4.1.


-------Straussenfeder mit Uräus (Atef-Krone, Teil)

E: ostrich-feather with uraeus

F: plume d’autruche avec uraeus

Definition: Aeusserer Teil einer einfachen Atefkrone. Kommt als selbständiges Amulett vor.


------Hemhem-Krone (dreifache Atef-Krone)

E: hemhem-crown

F: couronne hemhem

Definition: Dreifache Weisse Krone mit seitlichen Straussenfedern auf Widdergehörn; Variante: ohne seitliche Straussenfedern. Die Hemhem-Krone ist ein mehrteiliger Kopfaufsatz, der nicht direkt auf dem Kopf getragen werden kann. Beim König muss sie daher auf einem Kronenäquivalent wie den königlichen Kopftüchern oder der kurzen Löckchenperücke getragen werden. Zunächst vermutlich eine für den König entwickelte Krone, die bald auf Götter übertragen wurde (eine Spezialuntersuchung wäre nötig).

Commented list of instances:

König: seit 18.Dyn. belegt, Bspe: A. Kozloff and B. Bryan, Egypt’s Dazzling Sun. Amenhotep III and His World, The Cleveland Museum of Art 1992, 395, fig. XIII.1. (Amenophis III., Fragment eines Fayencegefässes; frühester Beleg?, Hinweis Christian Bayer); N. de G. Davies, The Rock Tombs of El Amarna II 1905, 14, Tf.VIII (Echnaton); Lange-Hirmer 1967{4}, Tf.XXXV (Thron Tutanchamuns).

Königin: Nofretete, jedoch einfachere Variante: nur doppelte Atef-Krone (N. de G.Davies, The Rock Tombs of El Amarna II 1905, 14, Tf.VIII.

Götter: von der Ramessidenzeit an und bes. im 1. Jahrtausend für eine ganze Reihe von Göttern möglich. Harachte: Tempel Ramses' II. in Wadi es-Sebua, ohne seitliche Federn (LD III 179). - Chentechtai als Mann mit Krokodilskopf (Naos des Amasis Louvre D29, Piankoff, RdE 1, 168). - Unterweltlicher Sonnengott mit vier Widderköpfen, auf Kopfscheibe Leiden RO, Ptol. (M.Raven, De Dodencultus 1992, Nr.28). – Bronzefigur des Min mit vier Widderköpfen (Kairo JE 53109, J. Quaegebeur, in: FS Derchain, OLA 39, 1991, 268, pl. 3). - Bronzefigur des Onuris-Schu (identifiziert durch Inschrift auf Sockel), Kat. München 1976<2>, Inv.ÄS 5315, in Normaltracht, d.h. Schendjut-Schurz, kurze Perücke, Doppeluräus, Hemhem-Krone. - Harpokrates und andere nackte Kindergötter des 1. Jahrtausends mit Hemhem-Krone über Nemes-Kopftuch: z.B. Harpokrates aus Bronze mit Nemes-Kopftuch, Jugendlocke und Hemhem-Krone (S.Schoske und D.Wildung, Gott und Götter 1992, Nr.30). Zum letztgenannten Fall vgl. auch "Krone, Kombinationen“.


-----Blaue Frauenkrone (Amarnazeit)

E: blue crown of a queen (Amarna)

F: couronne bleue féminine (Amarna)

Definition: Kegelstumpfförmige Kopfbedeckung, blau, mit Krempe, erweitert sich gegen oben, zuweilen mit Paillettenmuster, oder mit Sesched-Band auf halber Höhe und grossen, neben den Ohren herunterhängenden Uräen (z.B. Stele Berlin 14145). Aufgrund von Form und Farbe dürfte es sich um eine Analogiebildung zur Blauen Krone des Königs handeln.

Instance / Bsp. Nur in der Amarnazeit belegt und nur für die Königin Nofretete gesichert; vielleicht auch von Echnaton getragen, (als Kronen-Kombination für Echnaton gesichert). Vielleicht bei anderen weiblichen Mitgliedern des Königshauses: Berlin 21354/5 (Maya Müller, Die Kunst Amenophis’ III. und Echnatons, 1988, Teil IV-89-91).

Auf Nofretetes Blauer Frauenkrone kann eine zweite Krone montiert sein: eine Doppelfeder mit Sonnenscheibe, bei der es sich um eine weibliche, für Göttinnen und Königinnen seit der frühen 18. Dynastie belegte Krone handelt (Fragment einer Grenzstele aus Amarna, Kansas City 44-65, C. Aldred, Akhenaten and Nefertiti, The Brooklyn Museum 1973, no. 28), vgl. „Doppelfeder mit Sonnenscheibe“. [Diese Krone sieht ironischer Weise fast gleich aus wie die traditionelle Krone des Amun].

Auf der Blauen Frauenkrone erscheint ferner das Widdergehörn mit Doppelfeder und Sonnenscheibe, womit Nofretete eine rein königlich-männliche Krone übernimmt (Säulentrommelfragment aus Amarna, Oxford AM 1893.1-41 (71), C. Aldred, Akhenaten and Nefertiti, The Brooklyn Museum 1973, no. 31; eine sehr ähnliche Kronenkombination, bei welcher aber statt der Blauen Frauenkrone der Unterteil der Krone des Amun erscheint, wird traditionell vom König getragen, z.B. von Hatschepsut auf ihren Obelisken in Karnak, vgl. „Widdergehörn mit Doppelfeder und Sonnenscheibe“.

König: Die Blaue Frauenkrone, kombiniert mit dem Widdergehörn mit Doppelfeder und Sonnenscheibe, wird gelegentlich von Echnaton getragen. Es handelt sich um einen der bei Echnaton nicht seltenen Fälle von Uebernahmen weiblicher Elemente: Balustradenfragment aus Amarna, Kairo RT 26.6.28.8, das Gesicht des Königs ist zerstört, aber die Krempe, die zur blauen Frauenkrone gehört, ist in Spuren noch sichtbar (?), C. Aldred, Akhenaten and Nefertiti, The Brooklyn Museum 1973, fig. 31 on p. 53; City of Akhenaten III, 77, pl. 69 (4); (vgl. auch Relieffragment Kairo JE 13415).

Vgl. „Krone, Kombinationen“.


-----Blaue Krone

E: blue crown

F: couronne bleue

Definition: Eine schräg nach hinten oben aufragende Mütze ovoider Form mit einem Knick, der sich von Schläfe zu Schläfe um das Hinterhaupt herumzieht, blau, mit Krempe, oft mit Paillettenmuster überzogen.

Commented list of instances:

Attribut des Königs. Erscheint erst im frühen NR in voll ausgebildeter Form. Ihr Ursprung geht in die Zweite Zwischenzeit zurück. In dieser Epoche erscheint eine einfache, abgerundete Kappe sowohl an Königsfiguren als auch als Determinativ für die Kronenbezeichnung Chepresch. Das will heissen, dass sich die Blaue Krone mit dem Knick, der sich um das Hinterhaupt herumzieht, am Anfang des NR aus der Kappenkrone entwickelt hat (gemäss W.V. Davies, The Origin of the Blue Crown, in: JEA 68, 1982, 69-76, mit Belegliste). Rundplastisch tritt sie in der frühen 18. Dyn. selten auf und wird erst unter Amenophis III. häufig (vgl. Tom Hardwick, The Iconography of the Blue Crown in the New Kingdom, in: JEA 89, 2003, 117-141, pl. 8-9). Seit der Dritten Zwischenzeit wieder seltener; in der 25. Dynastie scheint sie zu fehlen (J.Leclant, Mon. Théb., 223).

Echnaton: eine in Relief dargestellte Variante weist am unteren Drittel des Kronenkörpers einen Uräenkranz auf (Stele Berlin 14145), ein weibliches Element, das vor der Amarnazeit an Diademen (zylindrischer Aufsatz) von Königinnen vorkommt (vgl. Maya Müller, Die Kunst Amenophis’ III. und Echnatons, I-111).

Königin: tritt bei nicht identifizierbaren Königinnen der Amarnazeit auf (vgl. Maya Müller, Die Kunst Amenophis’ III. und Echnatons, IV-91; und zur Blauen Krone des Königs: IV-2).

Gott: Ab einem nicht genauer bestimmbaren, wohl in der Spätzeit anzusetzenden Zeitpunkt des 1. Jahrtausends, können die nackten Kindergötter (Harpokrates etc.) die Blaue Krone tragen, oft mit Jugendlocke (vgl. S.Schoske und D.Wildung, Gott und Götter 1992, Nr.32).


-----Doppelfederkrone (zylindrisches Element mit Doppelfeder)

[Synonym: Krone des Amun]

E: double feather crown (cylindrical element with double feather)

F: couronne à double plume (élément cylindrique à double plume)

Definition: Zylindrisches Element, wohl der untere Teil der Roten Krone, mit hoher Doppelfeder (Falkenfeder).

Commented list of instances:

Tritt zuerst unter Montuhotep I. (11. Dyn.) auf, und zwar für den König, für Amun als Mann, für Amun in der mumiengestaltig-ithyphallischen Form des Min, und für Min. Für den König während der 11.-13.Dyn. belegt (hauptsächlich Flachbild). Setzt sich als weitgehend für Amun reservierte Krone durch. Ab NR auch mit kleiner Sonnenscheibe vor den Federn.

König ab NR: z.B. Obelisk E der Hatschepsut in Karnak (LD III 22-23); Scheschonk I. in Karnak, Portico of the Bubastides (LD III 255b); Taharqa in Gebel Barkal (LD V 7).

Amun als ithyphallischer Falke mit Menschenkopf auf dem Naos des Amasis, 26.Dyn., Louvre D29: (Piankoff, RdE 1, 161ff.).

In der 26.Dyn. als Krone des Harpokrates bezeugt. In der Rundplastik z.B.: Bronzefigur London BM 41607, E.Graefe, Gottesgemahlin I, Aeg. Abh. 37, 1981, 223f., Tf.19a-d). Relief: Speos Nektanebos' II. im Wadi Hammamat, LD III 287.

Beim unteren Teil der Doppelfederkrone des Amun handelt es sich offenbar um eine Rote Krone ohne den hinten aufragenden hochrechteckigen Teil und ohne die Spirale. Ab dem Neuen Reich treten aber im Flachbild Darstellungen von vollständigen Roten Kronen mit Doppelfeder - mit oder ohne Sonnenscheibe - auf, die als Variante zur Doppelfederkrone des Amun oder auch als eine Kombination zweier selbständiger Kronen aufgefasst werden kann, nämlich der Roten Krone und der Doppelfeder mit Sonnenscheibe (vgl. „Krone, Kombinationen“).

König: Rote Krone, darauf Doppelfeder mit Sonnenscheibe (Ramses III., C.Aldred, Jewels of the Pharaohs, London 1971, Tf.132, in VQ55).

Als Variante zur Krone des Amun kann die bei Hatschepsut vorkommende Krone aufgefasst werden, die aus dem zylindrischen Unterteil und einem darauf montierten Widdergehörn mit Doppelfeder und Sonnenscheibe besteht, siehe Stichwort „Widdergehörn mit Doppelfeder und Sonnenscheibe“.

Gott: Osiris, Totenbuchpapyrus der Tadimut, Sängerin des Amun (Kairo), 21.Dyn. (S.Donadoni, Egyptian Museum Cairo, Newsweek & Mondadori 1972, Abb. auf p.144). - Sog. Götterkatalog im Sanktuar des Amun-Tempels von Hibis, an einem rinderköpfigen Gott und am Falken (N. de G. Davies, The Temple of Hibis, 1958). – Bronzefigur eines pantheistischen Amun (Guide Vieille Charité, Marseille 1989, Abb. auf S. 54 Mitte).


-----Federkrone/Hörnerkrone

E: crown with feathers and/or horns

F: couronne aux plumes et/ou cornes

Classificatory term

Definition:

Eine ganze Reihe von Königs- und Götterkronen sind aus Federn, Widdergehörn, Rindergehörn und Sonnenscheibe zusammengesetzt. Diese Elemente können in verschiedenen Kombinationen auftreten. Sie sind in der Regel auf einer zylindrischen Halterung (auch als Auf- oder Untersatz oder Kalathos zu bezeichnen) o.ä. montiert. Beim Widdergehörn handelt es sich stets um das leicht gewellte und sich auf der Waagrechten erstreckende Gehörn (ovis longipes) - im Unterschied zum senkrecht eingedrehten Gehörn (ovis platyra), das (mindestens) seit Amenophis II. an Kronen erscheinen kann; (Beispiele für letzteres: TT93 Kenamun, LD III 63; K.Michalowski, Luxor 1972, Tf.49: Amenophis III., Widdergehörn am Nemes-Kopftuch und Atef-­Krone mit Widdergehörn, Rindergehörn und Sonnenscheibe (in Relief); und vermehrt im späteren 1.Jahrtausend).

Die Federn sind Falken- oder Straussenfedern.

Hörner und Federn sind in der ägyptischen Ikonographie fundamentale, gleichwertige Abzeichen der Göttlichkeit. Sie haben metaphorischen Charakter – im Gegensatz zur Sonnenscheibe, die ein direktes Abbild der kosmischen Erscheinungsform des Sonnengottes ist. Kronen, die Hörner und Federn kombinieren, zeichnen allerdings zunächst den König aus, und erst später bestimmte Gottheiten. Zum göttlichen König und den Stier- und Widderhörnern vgl. Pyr. 252.

Keine Krone stellen gemäss unserer Definition die beiden schmalen, in ein Haarband eingesteckten Federn dar, die die beiden Götter Sopdu und Min im Alten und Mittleren Reich tragen können. Ebensowenig gilt die Kopfzierde als Krone, die Month im Mittleren Reich tragen kann, nämlich eine Sonnenscheibe und zwei schmale Federn, die direkt aus dem Falkenkopf aufwachsen.

Da die einzelnen Feder- und/oder Hörnerkronen keine besonderen Namen haben in der Aegyptologie, blieb nur die Möglichkeit übrig, statt eines Namens die jeweils konstituierenden Elemente zu nennen. Eine eindeutige Bezeichnung für solch komplexe Kronen kann ohnehin nicht anders lauten als eine Beschreibung, z.B. ‚Krone mit Kuhgehörn, Sonnenscheibe und Doppelfeder’.


------Doppelfeder

E: double feather

F: double plume

Siehe „Doppelfeder mit Sonnenscheibe“


------Doppelfeder mit Sonnenscheibe

E. double feather with sun disk

F: double plume à disque

Definition: Hohe Doppelfeder (Falkenfeder oder Straussenfeder) mit relativ kleiner Sonnenscheibe am unteren Rand. Diese Kopfzierde ist, wenn sie auf Frauenperücken getragen wird, auf einem niedrigen (oder auch etwas höheren), zylindrischen Element montiert, welches mit einem Uräenkranz versehen sein kann. (Zu unterscheiden von der Doppelfeder der Götter, die in ein Haarband eingesteckt ist und die hier nicht als Krone, sondern als Symbol betrachtet wird).

Variante: Doppelfeder [ohne Sonnenscheibe].

Commented list of instances:

Beide Varianten sind ein Attribut von Göttinnen und Königinnen seit der frühen 18. Dynastie.

Die Doppelfeder mit Sonnenscheibe erscheint mindestens seit der 19. Dyn. auch an Göttern, meist in Tiergestalt oder mit Tierkopf. Es scheint sich um dasselbe Objekt zu handeln wie bei den Frauen. Andererseits wird die ursprünglich schmale Doppelfeder, die Götter wie Min, Min-Amun und Sopdu tragen können und die in ein Haarband eingesteckt ist oder direkt aus dem Falkenkopf aufwächst, seit dem NR verbreitert und mit einem Sonnenscheibchen versehen; dieses Gebilde ist kaum mehr zu unterscheiden von der Kopfzierde der Frauen (vgl. z.B. den sog. Götterkatalog im Amuntempel von Hibis, Oase Khargeh, 6. Jh., N. de G. Davies, The Temple of Hibis, 1953).

Doppelfeder:

Königin: Hatschepsut hinter dem Thron Thutmosis’ III. stehend, Kleiner Tempel von Medinet Habu (PM II, 1972, 472, Raum VI, 72-73; LD III 38). - Teje: Relieffragment in Brüssel, MRAH, mit Uräenfries am zylindrischen Element: W.Wolf, Die Kunst Aegyptens, 1957, Abb. 479 auf S. 501.

Grosse Stele Amenophis’ III. vom Kom el-Hetan (LD III 72); Soleb, Tempel Amenophis’ III., Sedfest-Szenen (LD III 84-86).

Gottesgemahlin: 25./26.Dyn., oft, (Bsp. R. Fazzini, Iconography of Religion, Vol. XVI (10), 1988, pl. XL (1); Leclant, Mon. Theb. pl. XIX etc.).

Doppelfeder mit Sonnenscheibe:

Königin: Mehrfach im Grab der Königin Nefertari (Ramses II.): (Lange und Hirmer, Ägypten, 1967{4}, Tf. LV-LVIII. - Anikonisches Bild der Nefertari in ihrem Grab, zweimal in Gestalt der gekrönten Kartusche zwischen den Uräen der Kronengöttinnen, auf Korb über Wappenpflanzen (Leblanc und Siliotti, Nefertari, deutsche Ausgabe 1998, Abb. auf Seiten 142, 143, 179).

Gottesgemahlin: Dritte Zwischenzeit/Spätzeit (Bsp. Leclant, Mon.Theb. Tf.LXII).

Göttin: Hathor von Dendara, Karnak, Sethos I. (W. Murnane (ed.), The Great Hypostyle Hall, OIP 106, 1981, pl. 144).

Symbolische Darstellung von Göttinnen: Prozessionsstandarten mit Doppelfeder und Sonnenscheibe, mit angehängtem Menit-Gegengewicht: Standartenträger, die der Prozession des ithyphallischen Amun-Re vorausgehen (Ramses II. in Karnak) (W. Murnane (ed.), The Great Hypostyle Hall, OIP 106, 1981, pl. 159).

Gott:

Ptah in osirianischer Mumiengestalt: Relief im Grab Ramses' IX. (E.Hornung, Tal der Könige 1982, Tf.65).

Geduckt hockende mumiengestaltige Falkenfiguren der Särge und Kanopenkästen (Spätzeit bis Römerzeit), Bsp. S.Schoske und D.Wildung, Gott und Götter 1992, Nr.27.

Amun als Widder, ab NR (Bsp. Stele Turin ME 1549, Reg. Sethos’ I., Kat. Aegypten Götter, Gräber und die Kunst I, Linz 1989, Nr. 442).

Amun als Mann mit Widderkopf (ovis platyra), Tempel Taharqas in Kawa (Macadam, Kawa II, Tf.XXIIIa).

Standfigur des Bes (?) mit Widderkopf (ovis platyra), Bronze, Körper nackt, behaart, mit Löwenschwanz, etwas zwergenartig (Habana, Museo Nacional 44, J.Lipinska, CAA Cuba I, 1976, 42).

Siehe auch "Krone, Kombinationen“.

-König: Taharqa in Gebel Barkal (LD V 5, 11).


------Doppelfeder mit Straussenfedern

E: ??

Definition: Hohe Doppelfeder (Falkenfedern), flankiert von zwei Straussenfedern.

Instance / Bsp.:

Göttin: Isis, dreigeteilte Perücke mit kleinem zylindrischem Untersatz, darauf eine hohe Doppelfeder mit seitlichen Straussenfedern (H. Nelson, The Great Hypostyle Hall at Karnak, OIP 106, I, 1, 1981, pl. 215.


------Kuhgehörn mit Sonnenscheibe

E: cow’s horns with sun disk

F: cornes de vache à disque

Definition: Ein lyraförmiges Kuhgehörn mit nach aussen weisenden Enden, das eine Sonnenscheibe umfasst.

Commented list of instances:

Attribut von Göttinnen, die die Beinamen „Gottesmutter“ und „Auge des Re“ führen. Die Krone ist besonders häufig für Hathor und Isis belegt vom AR bis zur Römerzeit.

-Göttin: AR: Mykerinos-Triaden, 4. Dyn., aus seinem Taltempel in Gisa.

Auf den Reliefs des AR, aber auch später fehlt aber der Name der dargestellten Göttin oft, und zwar auf allen Arten von Denkmälern, besonders auch auf den Bronzestatuetten von Göttinnen des 1. Jahrtausends, die diese Krone tragen, es bleibt somit oft unklar, welche Göttin gemeint ist. Benennbar hingegen z.B. Wadjet als Kobra (ab NR). - Bsp. 1. Jahrtausend, Relief mit Inschrift: Isis lactans, Götterkatalog des Hibis-Tempels. – Tiergestaltige Göttin: Oxyrhynchus-Fische aus Bronze (Bsp. Oxford AM 1983.236, P.Moorey, Ancient Egypt 1988<2>, Abb.40).

Kuhgehörn mit Sonnenscheibe, auf welcher eine einfache Atefkrone sitzt: Werethekau in der grossen Hypostylhalle Ramses’ II. in Karnak (W. Murnane, (ed.), The Great Hypostyle Hall, OIP 106, 1981, pl.12), vgl. „Krone, Kombinationen“.

-Königin: Teje (Zuschreibung), aus Sedeinga in Nubien, Boston MFA 21.2802 (Perücke einer Königin: lange ungeteilte Perücke mit Zierbändern über der Stirn und auf Höhe der Wangen; der obere Teil der Krone fehlt aber und so bleibt es ungewiss, ob auf der Sonnenscheibe noch zwei Federn sassen), vgl. Maya Müller, Die Kunst Amenophis’ III. und Echnatons, 1988, IV-5f.


-------Kuhgehörn mit Sonnenscheibe und Doppelfeder

E: cow’s horns with sun disk and double feather

F: cornes de vache à disque et double plume

Definition: Ins Kuhgehörn sind eine Sonnenscheibe und eine hohe Doppelfeder eingefügt. Die Spitzen des Kuhgehörns können weit nach oben gezogen sein. [Es ist eventuell zu unterscheiden zwischen einer Variante mit grosser, den Abstand zwischen den Hörnern ausfüllenden Sonnenscheibe, und einer Variante mit kleiner Sonnenscheibe, dies müsste eine Spezailstudie klären.]

Commented list of instances:

Auch diese Krone ist ein weibliches Attribut. Sie ist für Göttinnen und Königinnen belegt seit der 18. Dynastie. (Ein Kronenfragment wohl dieses Typs schon aus dem MR, Hawara, Kopenhagen NCG, W.Petrie, The Labyrinth, Gerzeh and Mazghuna, London 1912, 31, Tf.XXXV(1)).

Königin: Teje in der Regierungszeit Amenophis’ III., Kartusche gekrönt mit Kuhgehörn, Sonnenscheibe und Doppelfeder, flankiert von Kartuschen des Königs, auf Hathorkapitell ihres Tempels in Sedeinga, Nubien (LD III 82f.).

Königin: Öfter für Teje und Nofretete in der Amarnazeit; Beispiele für Teje siehe L. Borchardt, Der Porträtkopf der Königin Teje; für Nofretete siehe C. Aldred, Akhenaten and Nefertiti, The Brooklyn Museum 1973, fig. 18, fig. 34, no. 29.

Nefertari: Oft in Nubien (u.a. Abu Simbel, Tempel der Nefertari) und in Ägypten (u.a. Kolossalstatuen Ramses’ II. im ersten Hof des Luxortempels (H. Schmidt und J. Willeitner, Nefertari Gemahlin Ramses’ II., Mainz 1997{2}).

Die vergöttlichte Königin Achmose-Nofretere (Bsp. Helck, Ritualszenen, Bild 46, Tf. 32). – Gottesgemahlin: Statuen der Gottesgemahlinnen der Spätzeit: Vandersleyen, Aegypten, PKG 15, 1975, Tf. 210, 221 (Kairo JE 59870 und CG 42205).

Göttin: Hathor als Kuh: Hathorheiligtum der Hatschepsut in Deir el-Bahari, Relief (G. Jéquier, L’architecture et la décoration, vol. I, pl. 34 (2)); Statue der Hathor als Kuh mit Amenophis II., aus Deir el Bahari (Lange-Hirmer, Ägypten, 1967{4}, Tf. 146-147); ramessidische Beispiele im Tal der Königinnen: Leblanc und Siliotti, Nefertari, deutsche Ausgabe 1998, Abb. auf SS. 28, 64 (unten), 65, 66.

Hathor (?) als Frau, Kleiner Tempel Thutmosis’ III. in Medinet Habu, Sanktuar (PM II, 1972, 469, 46 II 4; LD III 37a). – Hathor, verehrt von Amenophis III., Stele in Serabit el-Chadim (LD III 71).

Wadjet als Kobra, an Sistrum aus Bronze, Römerzeit (S.Schoske und D.Wildung, Gott und Götter, Nr.121).

Gott: Männliche Variante mit Stiergehörn, d.h. Rindergehörn mit nach innen gebogenen Spitzen, bei stierköpfigen Göttern, Bsp. O.Koefoed-Petersen, Les stèles égyptiennes, Publications de la Glyptothèque Ny Carlsberg No.1, Copenhague 1948, 38, Tf. 50, 20. Dyn. (Mnevis als Mann mit Stierkopf, im Stiergehörn Sonnenscheibe und doppelte Straussenfeder); auch bei stiergestaltigen Göttern, wie z.B. auf den Apis- oder Buchis-Stelen, id. ibid. Tf. 58.


------Widdergehörn mit Doppelfeder

E: ram’s horns with double feather

F: cornes de bélier à double plume

Definition: Auf dem horizontalen Widdergehörn (ovis longipes) steht eine hohe Doppelfeder.

Commented list of instances:

Dies ist eine spezifische Kopfzierde des Königs seit dem AR. Bsp. F. von Bissing, Denkmäler ägyptischer Skulptur, München 1914, Tf.16A (Niuserre, Berlin 16100, über kurzer Perücke mit Sesched-Band, Uräus?, Relief verwittert); auch des Sphinx, Bsp. Di.Arnold, Der Tempel des Königs Mentuhotep von Deir el-Bahari Band II: Die Wandreliefs des Sanktuars, AV DAIK 11, Mainz 1974, Tf.23.

Gott/Dämon: Doppelsphinxprotome auf Zaubermesser New York MMA 22.1.154 (Hayes, Scepter of Egypt I, Abb.159). - Bronzefigur eines pantheistischen Gottes mit Widder- und Canidenkopf, wohl ptolemäisch (Auktionskatalog Münzen & Medaillen AG Basel, Auktion 59, 16.06.1981, Nr.62).


-------Widdergehörn mit Doppelfeder und Sonnenscheibe

[Synonym: Henu-Krone]

E: ram’s horns with double feather and sun disk

F: cornes de bélier à double plume et disque

Definition: Variante zur vorigen.

Commented list of instances:

Spezifisch königliches bzw. männliches Attribut. Ab NR tritt die Sonnenscheibe zum Widdergehörn mit Doppelfeder hinzu.

-König: Bsp. Obelisk E der Hatschepsut in Karnak (LD III 22-23), mehrfach auf kurzer Löckchenperücke; auf dem Obelisken E auch auf dem zylindrischen Element, das als unterer Teil der Doppelfederkrone des Amun dient: diese Kombination kann als Variante zur Krone des Amun aufgefasst werden. - Stehender Sphinx auf Standarte, wie er regelmässig in den Prozessionsbarken der Götter erscheint, z.B. H. Nelson, The Great Hypostyle Hall at Karnak, OIP 106, I, 1, 1981, Tf. 38. - Dreiergruppe, sitzend, Tutanchamun zwischen Amun und Mut, Kairo (Nr.??) der König trägt Nemes-Kopftuch mit Henu-Krone (R. Wilkinson, The complete gods and Goddesses of Egypt, London 2003, Abb. auf p. 75 oben). - Ramses II., Kopf einer Kolossalstatue aus Tell Basta, Tempel der Bastet, Kairo JE 45193, von einer stehenden Kolossalstatue mit Götterstab, König trägt kurze Löckchenperücke mit Seschedband, darauf einen zylindrischen Kronenuntersatz, der von einem Uräenkranz umgeben ist, darauf die Krone bestehend aus Widdergehörn, zwei Straussenfedern, kleiner sonnenscheibe und zwei grossen Uräen nach oben; Krone des Kopfs des Göttestabs: siehe weiter unten, "Gott (publiziert??).

-Königin: Nofretete übernimmt diese Krone als Aufsatz auf der Blauen Frauenkrone der Amaranazeit, vgl. „Blaue Frauenkrone“, und s. "Krone, Kombinationen".

-Gott: Die Krone ist vom König vorwiegend auf Gottheiten des Totenbereichs übergegangen. Ziemlich regelmässig kommt sie vor bei Ptah-Sokar-Osiris-Figuren ab der 3. Zwischenzeit. Bsp. mit Falkenfedern: S.Schoske und D.Wildung, Gott und Götter 1992, Nr.017 (Zuschr. Spätzeit-Ptol.; Bsp. mit Straussenfedern: id. ibid. Nr.117 (Zuschr. spätes NR-3. Zwischenzeit). - Sobek oftmals: Bsp. C. Vandersleyen, Aegypten, PKG 15, 1975, Tf.185 (Gruppe mit Amenophis III.); Holzfigur 21.Dyn. Florenz MA 134 (Graefe, Gottesgemahlin I, P10, Tf.7a-b). - Ptah oftmals: Bsp. Relief Ramses' II. in Karnak (Helck, Ritualszenen 1968, Tf.75a). - Osiris-Ptah in der Kapelle des Osiris-Ptah-Nebanch Taharqas in Karnak, Fazzini, Iconography of Religions, Vol 16 (10), 1988, Tf.XXI (3). - Der janusköpfige Gott der Kopfscheiben (Bsp. Kat. Aegypten Götter, Gräber und die Kunst I, Linz 1989, Nr.502-505). - Kolossalkopf Ramses' II aus Tell Basta, Kairo JE 45193, (siehe weiter oben unter "König"), als Stabträger mit Götterkopf auf dem Stab: trägt dreigeteilte götterperücke mit Uräus, direkt darauf Widdergehörn mit Doppelfeder (publiziert??).

Siehe auch "Krone, Kombinationen“ (auf Roter Krone).

-Göttin: Renenutet, Deckenbild im Ramesseum, LD III 170. - Löwenköpfige Göttin, Karnak, Kapelle Psammetichs III. und der Gottesgemahlin Anchenesneferibre, 26. Dyn. (LD III 273f., PM<2> II 192??).

Weibliche Variante der Henu-Krone: Privatstele aus der Zeit Thutmosis' III., Kairo CG 34017, Hathor als Stabfetisch mit Hathorgesicht, die Doppelfeder der Krone ist eingerahmt von einem Rindergehörn (E. Frood, JEA 89, 2003, 59-81, pl. VI.


-------Widdergehörn mit Doppelfeder Sonnenscheibe und Messern

E: ram’s horns with double feather sun disk and knives

F: cornes de bélier à double plume disque et couteaux

Definition: Variante zur vorigen; auf dem Widdergehörn erscheinen zusätzlich mehrere senkrecht stehende Messer, ein für den magischen Bereich charakteristisches Element.

Instance / Bsp. Bronzefigur des pantheistischen Hormerti (Kopenhagen DNM 6623, M.L.Buhl, A Hundred Masterpieces from the Ancient Near East 1974, Nr.33).


------Widdergehörn mit Rindergehörn und Doppelfeder

E: ram’s horns with bovine horns and double feather

F: cornes de bélier aux cornes de boeuf et double plume

Definition: Die Krone besteht aus einem waagrechten Widdergehörn (ovis longipes), kombiniert mit einem kleinen Rindergehörn, worauf sich eine hohe Doppelfeder erhebt.

Vgl. Pyr. § 252 (spätes AR): Der König trägt das Rinder- und das Widdergehörn auf dem Kopf (R. Faulkner, Ancient Egyptian Pyramid Texts Translated into English, 1969, 58).

Instance / Bsp. Die Krone ist ein Attribut des Königs seit dem früheren AR, z.B. Snofru, Anfang der 4. Dyn.: A.Fakhry, Sneferu II, Valley Temple I, 1961, Tf. 18B, 19A (über kurzer Löckchenperücke mit Uräus und Sesched-Band; das Rindergehörn hat nach aussen gebogene Enden!); Felsrelief Snofrus aus dem Sinai, Maghara, Kairo JE 38568 (M. Saleh / H. Sourouzian, Offizieller Katalog Kairo 1986, Nr. 24); Userkaf, A. Labrousse / J. Lauer, Les complexes funéraires d’Ouserkaf et de Néferhétepès, Bibl. d’Etudes 130, 2000, II, fig. 101a-b.


-------Widdergehörn mit Rindergehörn Doppelfeder und Sonnenscheibe

E: ram’s horns with bovine horns double feather and sun disk

F: cornes de bélier aux cornes de boeuf double plume et disque

Definition: Variante zu der aus horizontalem Widdergehörn, kleinem Rindergehörn und Doppelfeder zusammengesetzten Krone, bei welcher eine kleine Sonnenscheibe am Ansatz des Rindergehörns hinzutritt.

Commented list of instances:

Diese auf das frühe AR zurückgehende königliche Krone wird ab dem frühen Neuen Reich mit einer Sonnenscheibe angereichert. (Allerdings sind aus dem MR so wenige Denkmäler erhalten, dass wir nicht sicher sein können, ob diese Entwicklung schon vor dem NR eingesetzt hat).

Nicht nur bei diesem, sondern bei allen alten Kronentypen, männlichen und weiblichen, ist die Erscheinung zu beobachten, dass im frühen NR kleine Sonnenscheiben hinzutreten. Bei den (männlichen) Kronen mit Widdergehörn werden übrigens auch vermehrt Uräen hinzugefügt, die an verschiedenen Stellen sitzen und manchmal sehr gross sein können; sie können sich auf den Hörnern erheben oder davon herunter hängen.

Alle mir bisher bekannt gewordenen Darstellungen von Kronen mit Widdergehörn und Rindergehörn zeigen die weibliche Spielart des Gehörns mit nach aussen gebogenen Spitzen. Wenigstens bei den Beispielen des NR (und später), die das Rindergehörn mit Sonnenscheibe aufweisen, kann man sich fragen, ob Kuhhörner gemeint sind, die bewusst ein weibliches, hathorisches Element in die männliche Widderhörnerkrone einbringen sollen; die Frage bedürfte einer Spezialstudie.

König: Relieffragment aus dem Totentempel der Hatschepsut in Deir el-Bahari, Hildesheim PM 4538, die Krone ist auf dem zylindrischen Unterteil der Krone des Amun montiert (W. Seipel, Aegypten, Götter, Gräber und die Kunst, Linz 1989, Nr. 428). Im Totentempel der Hatschepsut auch Thutmosis II., Krone auf Nemes-Kopftuch (LD III 21).

(Vgl. "Krone, Kombinationen“).

Thutmosis III. in den Tempeln von Semna bzw. Kumma, LD III 52 bzw. 58; Ramses II., Relief in Karnak, Helck, Ritualszenen 1968, Bild 42, Tf.30.

Gott: Statue eines mumiengestaltigen Gottes mit Zepterbündel des Ptah und Götterperücke, wohl Ptah-Sokar-Osiris, Zuschreibung an Amenophis III., wohl aus Kom el-Hetan, Totentempel A’ III. Theben West, The Thalassic Collection Ltd. (Cat. Pharaohs of the Sun, Rita Freed etc. (ed.), Museum of Fine Arts Boston 1999, no. 8, p. 202). - Amun als Mann mit Widderkopf (ovis platyra): Tempel Taharqas in Kawa (Macadam, Kawa II, Tf.XVIIIa). – Pantheistischer Bes, Spätzeit bis Ptolemäerzeit (Guide Vieille Charité, Marseille 1989, Abb. auf S. 54 (links).


------Widdergehörn mit Sonnenscheibe

E: ram’s horns with sun disk

F: cornes de bélier à disque

Definition: Waagrechtes Widdergehörn (ovis longipes) mit Sonnenscheibe.

Instance / Bsp. Gott: Für Amun als Mann mit Widderkopf (Widder der species ovis platyra, mit spiralig nach unten gedrehtem Gehörn), Tempel Taharqas in Kawa (z.B. Macadam, Kawa II, Tf.XVIc-d) belegt. - Eine Variante mit zwei (waagrechten) Widdergehörnen und einer kleinen Sonnenscheibe darauf kommt beim pantheistischen Bes Paris Louvre E 11554, frühe 26. Dyn. vor, vielleicht sind aber bei diesem Stück die Aufsätze auf dem oberen Widdergehörn abgebrochen (Naissance de l'écriture (Ausstellungskatalog), Paris 1982, Nr.260, p.304, 1 Abb.). Vgl. „Widdergehörn mit Messern“.


------Widdergehörn mit Messern

E: ram’s horns with knives

F: cornes de bélier aux couteaux

Definition: Widdergehörn mit senkrecht darauf stehenden Messern

Instance / Bsp. Widdergehörn, doppeltes mit Reihe von Messern und Uräen: Pantheistische Gottheit, Zuschreibung an die Ptolemäerzeit, mag. Papyrus London BM 10296 (G.Pinch, Magic in Ancient Egypt, British Museum Press 1994, 36, Abb.17).


-----Götterkrone, spezifische

E: crown of a god/goddess (specific)

F: couronne divine spécifique

Classificatory term

Definition: Kronen, die ausschliesslich oder hauptsächlich von einer einzigen Gottheit getragen werden, werden mit deren Namen bezeichnet, um umständliche Beschreibungen zu vermeiden. Solche persönliche Kronen kommen selten vor. Insbesondere tritt im Verlauf des 1. Jahrtausends eine ausgeprägte Vermischung der Kronen und Kronenteile ein.


------Krone der Anukis

E: crown of Anukis

F: couronne d’Anouket

Definition: Der untere Teil der Krone hat die Form der Roten Krone und dürfte von dieser abgeleitet sein (vgl. die Krone des Amun); darüber erhebt sich ein dichter, ausladender Kranz schmaler Federn (oder pflanzlicher Elemente?).

Instance / Bsp. Aus dem AR ist keine Darstellung der Anukis erhalten. Flachbildlicher Beleg der 12. Dyn.: LD II 136b (Felsgravierung Sesostris' III. auf Sehel). - 19.Dyn.: Lange-Hirmer 1967{4}, Tf.235 (Säugeszene im Tempel Ramses' II. in Bet el-Wali).

(Anukis kann als Gazelle erscheinen oder eine Gazelle als Attribut haben).


------Krone der Satet

E: crown of Satet

F: couronne de Satet

Definition: Weisse Krone im Gehörn einer Kuhantilope (oder eventuell zuweilen einer Kuh?), wozu sich der Kopf und der Schwanz eines Geiers gesellen. In der Literatur wird das Gehörn meist als dasjenige einer Antilope oder Gazelle bezeichnet, da aber m.W. keine enge Beziehung der Satet zu einer Antilopen- oder Gazellenart bezeugt ist, muss es nicht zwingend immer ein Antilopengehörn sein. Die Weisse Krone mit Geierkopf und –schwanz spielt offensichtlich auf Nechbet an, die oberägyptische Kronengöttin, wobei die Partnergöttin Anukis mit der an die Rote Krone erinnernden Krone die Rolle der Wadjet inne hat.

Commented list of instances:

Aus dem AR ist keine Darstellung der Satet erhalten.

Stele Sesostris' I. aus Elephantine (London BM 963, E.Budge, Sculpture BM 1909, Abb. auf p.39).

(Zu Satet in der 11.Dyn. vgl. auch Rote Krone, Göttin: Satet).

Variante ohne Gehörn, jedoch mit Geierkopf und -schwanz: Montuhotep I., Relief aus Tod, Kairo JE 66330, auf dem Kopf der Partnerin des Month in Krönungsszene. Es dürfte sich hier eher um Satet handeln, die im MR beide Landeskronen tragen kann, als um Junit oder Tjenenet, den sonstigen Partnerinnen des Month, die aber nie eine Landeskrone tragen (D.Wildung, Sesostris und Amenemhet 1984, Abb.48).


------Krone des Bes

E: crown of Bes

F: couronne de Bes

Definition: In einen Reif eingesteckter Kranz von kürzeren bis mittellangen Federn.

Instance / Bsp. Ab NR belegt. (Vgl. LÄ I 1975, 720-724; Y.Volokhine, Bulletin de la Société d'Egyptologie Genève 18, 1994, 81-95).


------Krone des Nefertem

E: crown of Nefertem

F: couronne de Nefertem


------Krone des Onuris

E: crown of Onuris

F: couronne d’Onouris

Definition: Besteht aus vier schmalen, in einer Reihe nebeneinander angeordneten Federn.

Commented list of instances:

Ab NR belegt.

Ein unsicherer früher Beleg aus der 12.Dyn. (Sesostris I.) Pfeiler-Stele von Abgig: ein Gott mit kurzer Perücke, Widdergehörn und vier schmalen Federn, nur in der Umzeichnung bei Lepsius, Denkmäler (LD II 119) erhalten.

NR: Bsp. W.Helck, Ritualszenen 1968, Bild 27, Tf.22 (Ramses II. vor Onuris-Schu, Relief). -25.Dyn.: Gebel Barkal (Taharqa, LD V 11). Reliefblock Alexanders II. aus Behbet el-Hagar-Iseum (O. Koefoed, Bas-reliefs Ny Carlsberg Glyptotek, Nr. 59). Rundplastik: Bronzefiguren seit der Spätzeit (Bsp. New York MMA 10.130.1361, B.Hornemann, Types II, Tf. 329). - Schu, ab Spätzeit: Menit-Gegengewicht aus Bronze mit den Köpfen von Schu und Tefnut (Ausstellungskat. Osiris Kreuz Halbmond, Stuttgart, 1984, Nr. 41, Privatbesitz).

König: siehe "Krone, Kombinationen“ (Echnaton: Nemes-Kopftuch, kombiniert mit langer dreiteiliger Perücke, und darauf vier schmale Federn).


------Mondscheibe mit Mondsichel (Krone der Mondgötter)

E: moon disk with crescent (crown of moon gods)

F: disque de lune et croissant (couronne dieux lune)

Definition: Die aus Vollmond(scheibe) und Mondsichel zusammengesetzte Krone ist vielleicht ein Grenzfall zwischen Krone und Symbol. Sie kommt als selbständiges Symbol nur in Form des Amuletts vor.

Commented list of instances:

Der Kopfputz erscheint fast nur an den Mondgöttern Thot, Chons und Jach und deren synkretistischen Varianten, und zwar seit der 18.Dyn.

-Gott: Thot als Mann mit Ibiskopf: auf dem Pektorale Tutanchamuns Kairo Carter 267 (C.Aldred, Jewels of the Pharaohs, London 1971, Tf.106). - Bronzefigur Stockholm MM 1975.32, Spätzeit-Ptol.

Thot als Pavian: ab Spätzeit. Bsp. Paris Louvre E.17496 und E.4525 ((Ausstellungskat.) Les Animaux dans l'Egypte Ancienne, Lyon 1977, Nr.92-93).

Chons-Neferhotep in Normaltracht: (Bsp. Relief Ramses' II., Helck, Ritualszenen, Bild 48, Tf. 34). - Chons mumiengestaltig: Bsp. Relief am VIII. Pylon von Karnak, Hatschepsut für Thutmosis I. (LD III 18). - Stele Turin ME 1589, Zuschr. 19.Dyn. (Kat. Aegypten Götter, Gräber und die Kunst I, Linz 1989, 441).

-Kindergott, wohl Chons, als nackter Knabe mit Jugendlocke, trägt Mondscheibe mit Mondsichel und darüber Atefkrone mit Widdergehörn, Bronzefigur, Spätzeit-Ptolemäerzeit, Leipzig 1934, R.Krauspe, Altägyptische Götterfiguren 1986, Tf.10. - Osiris-Jach-(Thoth) in Normaltracht: über Mondscheibe mit Mondsichel eine Atef-Krone mit Widdergehörn (Kat. München 1976<2>, 182, Inv.ÄS 5306). (Vgl. "Krone, Kombinationen“).

Osiris-Jach-(Thot) in Normaltracht, Bronzefiguren der Spätzeit-­Ptol., Kairo CG 38029-34 (Daressy, Divinités, 12-14, Tf.III-IV), auf dem Kopf Mondscheibe mit Mondsichel, auch Variante mit Hemhem-Krone über der Mondscheibe mit Mondsichel (vgl. "Krone, Kombinationen“).

Osiris-Jach-(Thot) mumiengestaltig, Bronzefiguren der Spätzeit­Ptol. (id. ibid. 115f., Tf.XXIV), auf dem Kopf Mondscheibe mit Mondsichel, auch Variante mit Hemhem-Krone über der Mondscheibe mit Mondsichel (vgl. "Krone, Kombinationen“).

-Göttin: Qedeschet auf dem Löwen stehend, 19. Dyn., Stele Turin (Zitat??).

-König: Amenophis III. als Gott Herr von Nubien (LD III 87b-c); Tutanchamun auf dem Pektorale Kairo Carter 267 (C.Aldred, Jewels of the Pharaohs, London 1971, Tf.106).


-----Kappenkrone

E: cap crown

F: couronne coiffe

Definition: Eng am Kopf anliegende Kappe, Form etwa wie eine moderne Badehaube, in der Regel mit Pailletten besetzt wie die Blaue Krone des Königs und wie diese mit Krempe und abgerundetem Zipfel vor dem Ohr versehen. Zum Urpsrung vgl. oben zur Blauen Krone.

Commented list of instances:

Die Kappenkrone erscheint erstmals in der 2. Zwischenzeit; in der 18. Dynastie vor Amarna ist sie ganz selten im Flachbild anzutreffen (Belege siehe W.V.Davies, JEA 68, 1982, 74f.), nach Amarna öfter, bis in die 3. Zwischenzeit.

Realer Beleg: an der Mumie Tutanchamuns (siehe Fotos Burton, Zitat??).

Bsp. 19.Dyn.: C. Vandersleyen, Aegypten, PKG 15, Tf.308a (Tempel Sethos' I. in Abydos).

Königin: in der Amarnazeit nur für weibliche Angehörige des Königshauses bezeugt (vgl. C.Aldred, Akhenaten and Nefertiti, The Brooklyn Museum 1973, Nr.121), und Anchsenamun (vgl. M.Eaton­ Krauss und E.Graefe, The Small Golden Shrine from the Tomb of Tutankhamun, Oxford 1985, 10, Anm.54).


-----Krempe, Kronen- [Kronenkrempe]

E: brim of crown

F: bord de couronne

Definition: Die Kronenkrempe ist ein Aufschlag an der Stirn. Sie kommt an der Blauen Krone, der Kappenkrone und der Blauen Frauenkrone der Amarnazeit vor. In der späten 18. Dynastie fing man an, auch die Rote und die Weisse Krone mit einer Krempe darzustellen, früheste Belege von Tutanchamun (siehe „Rote Krone“); ramessidische Beispiele in den Prinzengräbern im Tal der Königinnen.

Instance / Bsp. Vandersleyen, Aegypten, PKG 15, 1978, Tf.200a.


-----Krone, Kombinationen

E. crown, combinations

F: couronne, combinaisons

Definition: Kombinationen zweier selbständiger Kronen bzw. Kronen-Aequivalente, wie sie beim König, bei der Königin (sehr selten) und bei Gottheiten vorkommen. Kronen-Aequivalente des Königs sind: das Nemes- und das Chat-Kopftuch, die kurze Perücke, die Götterperücke (lange, dreiteilige Perücke mit geraden Strähnen).

König: Kombinationen zweier Kronen kommen seit der 18.Dyn. vor.

König: Doppelkrone auf Nemes-Kopftuch oder Chat-Kopftuch: seit mittlerer 18.Dyn.; auf kurzer Perücke: nur selten von Amenophis II. bis Amenophis III. belegt. - Vgl. H.Evers, Staat aus dem Stein II, München 1929, Paragraph 122.

König: Statue Echnatons mit Nemes-Kopftuch, kombiniert mit einer langen, dreiteiligen Perücke mit Löckchenmuster, auf dem Scheitel eine Reihe von vier nach hinten gerichteten Federn (Kairo JE 49528, Maya Müller, Die Kunst Amenophis’ III. und Echnatons, 1988, IV-113f.).

König: Zylindrischer Unterteil der Doppelfederkrone des Amun (Unterteil der Roten Krone?), darauf Widdergehörn mit Doppelfeder und Sonnenscheibe (Bsp. Hatschepsut, Obelisk E in Karnak, LD III 22-­23.

König: Rote Krone, darauf Widdergehörn mit Doppelfeder und Sonnenscheibe, Ramses II., Helck, Ritualszenen, Bild 44.

König: Zylindrischer Unterteil der Doppelfederkrone des Amun (Unterteil der Roten Krone?), darauf Widdergehörn mit Rindergehörn, Doppelfeder und Sonnenscheibe, Hatschepsut (Hildesheim PM 4538, Kat. Aegypten Götter, Gräber und die Kunst I, Linz 1989, Nr. 428). - Königin Ptolemaios' II. in Philae: LD IV 6a, 8a, 8a(bis).

König: Rote Krone, darauf Doppelfeder mit Sonnenscheibe (Ramses III., C.Aldred, Jewels of the Pharaohs, London 1971, Tf.132, in VQ55).

König: Zylindrischer Unterteil der Doppelfederkrone des Amun (Unterteil der Roten Krone?), darauf Atef-Krone mit Widdergehörn (Hatschepsut, Obelisk E in Karnak, LD III 23.

König: Rote Krone, darauf Atefkrone mit Widdergehörn, Relief Taharqa, Macadam Kawa II, Tf.XI); und Variante: Rote Krone?, Tf.XVI.

Königin: Blaue Frauenkrone, darauf Doppelfeder mit Sonnenscheibe (Nofretete, Fragment einer Grenzstele aus Amarna, Kansas City 44-65, C. Aldred, Akhenaten and Nefertiti, The Brooklyn Museum 1973, no. 28).

Königin: Blaue Frauenkrone, darauf Widdergehörn mit Doppelfeder und Sonnenscheibe (Nofretete, Säulentrommelfragment aus Amarna, Oxford AM 1893.1-41 (71), C. Aldred, Akhenaten and Nefertiti, The Brooklyn Museum 1973, no. 31).

König: Blaue Frauenkrone, darauf das Widdergehörn mit Doppelfeder und Sonnenscheibe, wird gelegentlich von Echnaton getragen (Balustradenfragment aus Amarna, Kairo RT 26.6.28.8, C. Aldred, Akhenaten and Nefertiti, The Brooklyn Museum 1973, fig. 31 on p. 53; vgl. auch Relieffragment Kairo JE 13415).

Gott: Bei Göttern kommen Kombinationen von zwei selbständigen Kronen im Lauf des 1. Jahrtausends auf.

Gott: Nemes-Kopftuch, Jugendlocke und Hemhem-Krone, eine Bronzestatuette des Harpokrates (S.Schoske und D.Wildung, Gott und Götter 1992, Nr.30) (Grenzfall, das Nemes-Kopftuch ist ein königliches Kronen-Aequivalent).

Gott: Rote Krone mit Jugendlocke, darauf Atef-Krone mit Widdergehörn (S.Schoske und D.Wildung, Gott und Götter 1992, Nr. 31).

Gott: Rote Krone, darauf grüne Doppelfeder mit Sonnenscheibe: Osiris, Totenbuchpapyrus der Tadimut, Sängerin des Amun (Kairo), 21.Dyn. (S.Donadoni, Egyptian Museum Cairo, Newsweek & Mondadori 1972, Abb. auf p.144). Götterkatalog des Hibis-Tempels, an rinderköpfigem Gott und am Falken (N. de G. Davies, The Temple of Hibis).

Gott: Rote Krone, darauf Widdergehörn und Doppelfeder mit Sonnenscheibe: Götterkatalog des Hibis-Tempels, mehrfach an widder-, krokodils, rinder- und falkenköpfigem (Month) Gott und am Falken (N. de G. Davies, The Temple of Hibis).

Göttin: Einfache Atefkrone, auf bzw. in Kuhgehörn mit kleiner Sonnenscheibe: Königsgrab Ramses’ VII, löwenköpfige Sachmet-Bastet (Porter-Moss ??). Einfache Atefkrone, davor Rindergehörn mit Sonnenscheibe: Bronzefigur einer sitzenden Göttin mit Kind auf dem Schoss (Michailides, BIE 37, 1956, Tf.XIX).


-----Landeskrone

E: national crown

F: couronne nationale

Classificatory term

Definition: Zusammenfassende Bezeichnung für die Kronen Oberägyptens und Unterägyptens, d.h. der Weissen und der Roten Krone, und deren Kombination, die Doppelkrone.


------Doppelkrone

E: double crown

F: couronne pschent

Definition: Krone des Königs, Kombination von Roter Krone und Weisser Krone, seit dem MR wird die Doppelkrone auch als Aequivalent zur Roten Krone verwendet bzw. dargestellt.

Commented list of instances:

König: seit frühdynastischer Zeit (König Chasechemui als Falke, H. Schäfer und W. Andrae, Propyläen Kunstgeschichte Bd. 2, 1925, Tf. 205 links).

Rundplastisch seit der frühen 12. Dyn. belegt; zugleich wird die Doppelkrone als Variante der Roten Krone in Gebrauch genommen. Vgl. H. Evers, Staat aus dem Stein II, München 1928, 18-20; LÄ III 1980, 813.

Gott: Atum, 12.Dyn.: Weisse Kapelle Sesostris' I. in Karnak (Lange-Hirmer 1967{4}, Tf.92. Im 1. Jahrtausend auch an Bronzefiguren in Gestalt eines Aals (Bsp. Mummies and Magic, Museum of Fine Arts Boston 1988, Nr.196).

Harpokrates, Bronzefiguren des 1. Jahrtausends, auch mit Jugendlocke (Bsp. S.Schoske und D.Wildung, Gott und Götter, Nr.28).

Kindergötter; bes. auch Neferhotep, Doppelkrone auf kurzer Perücke.

Göttin: ohne Namen, Kapelle Montuhoteps I. aus Dendera, Kairo JE 46068, L.Habachi, MDAIK 19, 1963, 26, Abb.8.

Mut, seit 18.Dyn. Bsp. Karnak KCG VIII. Pylon, Relief der Hatschepsut für Thutmosis I. (LD III 18).

Tefnut, Karnak, grosse Hypostylhalle, auf Säule (LD III 221e).

Wadjet, die unterägyptische Kronengöttin als Kobra, ab NR (Doppelkrone für Rote Krone). - Menit-Aegis mit Kopf der Wadjet mit Doppelkrone, Spätzeit-Ptol., Leiden RO L.VI.72 (Katalog Leiden 1981, Nr. 141).

Vgl. "Krone, Kombinationen“, König: Doppelkrone auf Nemes-Kopftuch, Chat-Kopftuch und kurzer Perücke, ab mittlerer 18. Dynastie.


------Rote Krone

E: red crown

F: couronne rouge

Definition: Der Kronenkörper in Form eines Kegelstumpfs erweitert sich nach oben, von der Oberfläche ragt hinten ein flacher, relativ breiter Stab in die Höhe, und vorne ein leicht gebogener Draht mit spralig eingedrehtem Ende. Ein Uräus über der Stirn tritt ab (??) auf. Seit der späten 18. Dyn. kann die Rote Krone mit einer Krempe dargestellt werden (m.W. früheste Belege auf zwei Schilden Tutanchamuns, A. Nibbi, Four Ceremonial Shields, in: ZÄS 133, 2006, 66, Tf. XIX, XXII, Kairo JE 61579 bzw. 61578). JE 61579 weist überdies ein um die Mitte des Kronenkörpers geschlungenes Sesched-Band auf. JE 61578 ist mit einem Uräenfries versehen, der sich um die Mitte des Kronenkörpers zieht.

Aegyptischer Name: dSrt, „die Rote“.

Vertritt Unterägypten, bzw. nach ägyptischer Terminologie den Nordteil des Landes. Seit protodynastischer Zeit zum König gehörig. (z.B. Narmerpalette, Dynastie 0).

Vgl. H.Evers, Staat aus dem Stein II, München 1928, 19f.

Gott: nb imt sA mHtt, sitzendes Kind mit Roter Krone, Determinativ, 5.Dyn. (B.Begelsbacher-Fischer, Untersuchungen zur Götterwelt des Alten Reiches, OBO 37, 1982, 210, 225).

Gott: Im 1. Jahrtausend Kindergötter, bes. Harpokrates, Bronzefiguren mit Roter Krone, auch in Kombination mit anderen Kronen, auch mit Jugendlocke (Bsp. S.Schoske und D.Wildung, Gott und Götter, Nr.29, hier Rote Krone und Atef mit Widdergehörn). Ferner Amun?, nackter, widderköpfiger Gott mit Roter Krone, Bronzefigur Spätzeit-Ptol. Strassburg IES 1956 (W.Spiegelberg, ZÄS 54, 1918, 74-76, Tf.II.

Göttin: Neith, aus dem AR keine Darstellung erhalten. Bisson de la Roque, FIFAO 17, 1937, Tf.XX: Montuhotep I. Nebhepetre opfernd zwischen Month und einer Göttin mit Roter Krone (vermutlich Neith, könnte aber auch Satet sein, s.u.). Gesichert erst NR. Göttin: Satet, 11.Dyn., Elephantine, Block Montuhoteps I., L.Habachi, MDAIK 19, 1963, 41f., Tf.XIII.

Göttin: Wadjet in Gestalt der Kobra, ab MR.

Göttin: Amaunet NR, Statue Tutanchamun/Aja, Karnak, PM<2> II 1972, 90. - Relief Ramses' II. in Karnak, Helck, Ritualszenen 1968, Bild 77, Tf.55.

Göttin: Hathor, Stele Amenophis III. in Serabit el-Chadim, LD III 71.

Göttin: Nut, Naos des Amasis Paris Louvre D29 (Piankoff, RdE 1, 161ff.).

Varianten mit Zusätzen (Gottheiten): siehe "Krone der Anukis", "Doppelfederkrone".


------Weisse Krone

E: white crown

F: couronne blanche

Definition:

Vertritt Oberägypten. Seit protodynastischer Zeit zum König gehörig. Vgl. H. Evers, Staat aus dem Stein II, München 1928, 19.

Gott: Wird auf Osiris übertragen, erstmals belegt in der 11.Dyn.: Block Montuhoteps I. mit Osiris aus Abydos: L.Habachi, MDAIK 19, 1963, 17 (Kairo JE 25045), und W.Petrie, Abydos, Part II, London 1903, Tf.XXIII (3) (Fragment aus Abydos, Zuschreibung an Montuhotep II. Seanchkare).

Osiris: Weisse Krone mit horizontalem Band mit Farbleitermuster auf halber Höhe, auf Särgen der 21. Dyn. (Zitat??). Bronzekopf aus Tuna el-Gebel, vielleicht 26. Dyn., Kairo JE 71974 (publiziert?).

Gott: Reschef, ab NR (Bsp. Stele Paris Louvre C.86, J.Pritchard, The Ancient Near East in Pictures Relating to the Old Testament, Princeton University Press 1954, Abb.474).

Gott: Geb, Naos des Amasis Paris Louvre D29 (Piankoff, RdE 1, 161ff.).

Göttin: Nechbet, die oberägyptische Kronengöttin, belegt ab NR.

Variante mit Zusätzen: König Montuhotep I., zwei schmale Federn: Deir el-Bahari und Hathorkapelle von Dendara (Bsp. J.Bourriau, Ausstellungskatalog Pharaohs and Mortals, Fitzwilliam Museum Cambridge 1988, Nr.4; L.Habachi, MDAIK 19, 1963, 23-27, Abb.7-8).

Varianten mit Zusätzen: "Atef-Krone", 1-4 Weisse Kronen mit Federn etc., siehe dort.

Variante mit Zusätzen: Göttin Satet, mit Kuhantilopengehörn und Geierkopf und -schwanz (ab 11.Dyn.), vgl. "Krone der Satet".


------Zipfel (das Ohr umfassend)

E: tab (around the ear)

F: bout (encerclant l’oreille)

Definition: Kann von oben und unten vor das Ohr treten (Landeskronen), oder nur von oben (bei den übrigen Königskronen).

Bsp. C. Vandersleyen, Aegypten, PKG 15, Tf.136a. - Vgl. H.Evers, Staat aus dem Stein II, 20f.


----Perücke

E: wig

F: perruque

Classificatory term

Es hat sich als zweckmässig erwiesen, die Grobeinteilung der Perücken nach ihrer Länge vorzunehmen (kurz, schulterlang, halblang, lang), d.h. ein Kriterium der Form anzuwenden. Damit sind alle Perückentypen beschreibbar, wenn man für die spezifischen Details entsprechende Zusätze hinzufügt, wie gestuft, kugelig etc. Dieser Terminologie stehen einige hergebrachte Ausdrücke entgegen wie "Götterperücke", die das Kriterium des Trägers (bzw. dessen sozialer Klasse) ins Spiel bringt. Solche Ausdrücke werden hier als Synonyme eingereiht.

In den Gräbern Aegyptens wurden zahlreiche Perücken und vor allem Haarteile gefunden, vom AR bis in die Spätantike, die Einblick geben in Typen und Konstruktion von Perücken. Vgl. P. Nicholson (ed.), Ancient Egyptian Materials and Technology, Cambridge University Press 2000 („Hair“).

In extremen Fällen (Reliefs, Statuen) ist das Haar so kurz, dass der Eindruck einer anliegenden Kappe entsteht, z.B. bei den sog. Ersatzköpfen des frühen AR. Die Frage, ob es sich in solchen Fällen um natürliches Haar handeln könnte, wird, da nicht entscheidbar, hier nicht berücksichtigt.

Vgl. A.Lohwasser, Versuch einer Terminologie der Perücken im Relief des Neuen Reiches, GM 131, 1992, 77-84. – (S.Tietz, Die männlichen Haartrachten in der Rundplastik, in: GM 148, 1995, 95-103, bezieht sich nur auf Private; eine Beschreibung der Haartrachten geht von anderen Kriterien aus als eine Typologie der Perücken, daher ist der Aufsatz hier nicht relevant).


-----Haarteil an der Seite einer Perücke

E: hair piece at the side of a wig

F: partie de cheveux au côté d’une perruque

Classificatory term

Vgl. „Haarteil an der Seite des Kopf“


------Jugendlocke (an einer Perücke)

[Synonym: Seitenlocke (an einer Perücke)]

E: youth lock (on a wig)

[synonym: side lock (on a wig)]

Definition: Jugendlocke, hängt an der Seite einer Perücke (verschiedene Typen möglich) herab. Variante: an der Seite von Kronen und Kronen-Aequivalenten.

Commented list of instances:

Kinder: Kommt sie überhaupt an Kindern vor, (ausser an Kindergöttern)?

Köngin: Anchesenamun, M. Eaton-Krauss und E. Graefe, The Small Golden Shrine from the Tomb of Tutankhamun, Oxford 1985, Tf. 15, 17, 19.

Götter: Ab dem 1. Jahrtausend von Kindergöttern an Kronen und königlichen Kronen-Aequivalenten getragen (Nemes-Kopftuch, Rote Krone, Doppelkrone, Blaue Krone), vgl. „Krone, Kombinationen“. – Der Gott Iunmutef in der Priesterrolle: z.B. Lange und Hirmer, Aegypten, 1967{4}, Tf. 228 (Tempel Sethos’ I. in Abydos).

Priester (bzw. Gott als Priester), d.h. Erwachsene: gehört zur Amtstracht des Iunmutef als Gott in Priesterrolle und der Hohenpriester von Memphis und Heliopolis (vgl. LÄ III 1980, 273f.; WB III 116 s.v. Hnskt). Erst ab NR belegt (?). Egypt’s Dazzling Sun. Amenhotep III and His World, The Cleveland Museum of Art 1992, Nr. 37 auf p. 241, Nr. 46 auf p. 253.

Vgl. Sargtexte CT II 280-287 und CT IV 66 mit einer Ätiologie des Hohepriesters von Heliopolis und seiner geflochtenen Seitenlocke, die in Beziehung steht zu den geflochtenen Locken einer Frau (R. Faulkner, The Ancient Egyptian Coffin Texts, vol. I, 1973, 132 bzw. 228), vgl. Maya Müller, Schönheitsideale in der ägyptischen Kunst, in: Hedvig Györy (ed.), Mélanges offerts à Edith Varga, Bulletin du Musée Hongrois des Beaux-Arts, Supplément 2001, Budapest, 264-265.

(Welches die besondere Bedeutung oder der Symbolwert der Jugendlocke bei dieser Kategorie von Trägern ist, und wie sie sich zur Locke der Kinder verhält, müsste eine Spezialstudie ergeben).

Vgl. „Jugendlocke (am Kopf)“; „Götterbart“; „Hathorlocken“


------Seitensträhne (an einer Perücke)

E: side strand (on a wig)

F: mèche latérale (au côté d’une perruque)

Definition: An einer Seite einer Perücke herunterhängende, isolierte Haarsträhne (ohne Einrollung unten), die im einzelnen verschieden strukturiert und mit einer Schmuckspange versehen sein kann.

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Besonders in der Zeit Amenophis III./IV. und in der Ramessidenzeit gebräuchlich an jugendlichen und erwachsenen Prinzessinnen, an der Königin, an jungen Frauen, an Prinzen.

Prinz: Prinzengräber im Tal der Königinnen (Ramessidenzeit). Stele Kopenhagen NCG AeIN 589 (Monthuherchepeschef vor Mnevis, 20. Dyn.), O. Koefoed, Les stèles égyptiennes, Copenhague 1948, 38, Tf. 50.

Prinzessin: Lange-Hirmer 1967{4}, Tf.166-167 (Töchter Amenophis’ III., TT192); C. Vandersleyen, Aegypten, PKG 15, Tf.XV (erwachsene Prinzessin der Amarnazeit, Louvre E 14715)

Königin: Lange-Hirmer, Aegypten, 1967{4}, Tf.XXXVI (Elfenbeinkasten Tutanchamuns: Anchesenamun).

Frau: Amarna: z.B. C. Aldred, Akhenaten and Nefertiti, The Brooklyn Museum 1973, Nr. 44 (Hofdamen mit Wedeln)

Vgl. „Seitensträhne (am Kopf)“


-----Perücke halblang [halblange Perücke]

E: wig, half-length

F: perruque demi-longue

Classificatory term


------Beutelperücke

E: bag wig

Definition: Eine fast oder ganz bis auf die Schulter reichende, glatte Perücke ohne jede Haarstruktur von wulst- oder ballonartig abgerundeter Form.

Instance / Bsp.: Männerperücke, kommt im 1. Jahrtausend BCE vor, am König und an Privaten. Beispiele für den König vgl. K. Mysliwiec, Royal Portraiture of the Dynasties XXI-XXX, pl. F, H, I.


------Perücke halblang einfach [halblange, einfache Perücke]

E: wig, half-length one piece

F: perruque demi-longue simple

Definition: Hinten schulterlang, vorn in zwei nicht allzu dicken, oft spitz auslaufenden Strähnen auf die Brust fallend.

Commented list of instances:

Erscheint im MR als Männerfrisur (Private). Bsp. Männer (Private) 12.Dyn.: Simpson, Terrace 1974, Tf.2 (Stele CG 20038); C. Vandersleyen, Aegypten, PKG 15, Tf.157, 168, 171.

König NR, und rundplastisch in der Ramessidenzeit (Vandier MAE III 1958, Tf.CXXV (5), Kairo CG 751).


------Perücke halblang mit seitlichen Einsätzen [halblange Perücke mit seilichen Einsätzen]

[Synonym: halblange Doppelperücke]

E: wig, half-length with side insets

F: perruque demi-longues à parties latérales rapportées

Die auf die Brust fallenden Strähnen sind anders strukturiert als die übrige Perücke, sie sind separat eingesetzt. Anhand real erhaltener Beispiele lässt sich festsstellen, dass diese „Einsätze“ an einer „Unterperücke“ sassen, die nur am vorderen Teil an den entsprechenden Stellen mit Haaren besetzt waren. Vgl. „Perücke schulterlang mit seitlichen Einsätzen“.

Instance / Bsp.: Seit NR geläufig für Männer (Private) (Bsp. C. Vandersleyen, Aegypten, PKG 15, Tf.195a).


-----Perücke kurz [kurze Perücke]

E: wig, short

F: perruque courte


------Perücke kurz abgerundet [kurze, abgerundete Perücke]

E: ball wig

F: perruque courte globulaire

Definition: Haar oberhalb des Halses oder etwas oberhalb der Schultern endigend. Frisur leicht abgerundet bis kugelig, in etwa der Schädelform folgend, meist mit Reihen von Löckchen überzogen.

Commented list of instances:

Erscheint im frühen AR an Männern und Frauen (Private), König, Königin und Göttern. Im MR an den gleichen Personenkategorien, meist schwach belegt, Götter fehlen. Im NR und im 1. Jahrtausend BCE geläufig. Im Fall des Königs seit dem AR (auch) Kronen-Aequivalent. - [Für Göttinnen nicht belegt].

König AR: Im Flachbild seit dem frühen AR, mit Federkrone bzw. Hörnerkrone über der Perücke. Rundplastisch: erscheint als selbständige Kronenform, da ohne Zusatz, nur mit Uräus versehen, im AR gelegentlich: Mykerinos, Boston MFA 09.203, Vandier, MAE III 1958, Tf.V (4-5); Neferefre, Kairo JE 98171, (Katalog) The Egyptian Museum Cairo, Mainz 1987, Nr.38; Berlin 14396 (H.Schäfer, ZÄS 41, 1904, 62-65, 2 Abb.).

Königin AR: (Gruppe Boston MFA 30.1456 (Vandier, MAE III 1958, Tf.XIII (2). Flachbildliches Bsp. 4. Dyn., C. Vandersleyen, Aegypten, PKG 15, Tf.XIX.

Gott AR: Standfigur Brooklyn 58.192, C. Vandersleyen, Aegypten, PKG 15, Tf.120.

König MR: einziger rundplastischer Beleg Kairo CG 42004, Sitzfigur Sesostris' I., Sahure gewidmet (PM{2} II, 136). Königin MR: Kapellen und Sarkophage der Königsgemahlinnen aus Deir el-Bahari, 11.Dyn. (Bsp. Lange-Hirmer 1967{4}, Tf.83). König NR: In der 18.Dyn. vor Amenophis III. rundplastisch nur selten (vgl. Maya Müller, Die Kunst Amenophis’ III. und Echnatons, 1988, IV-10, zu Cleveland CMA 61.417). Ab Amenophis III. weist die kurze Perücke ein (goldenes) Stirnband auf.

König NR: Kurze Perücke mit Doppelkrone: rundplastisch nur im NR belegt, selten, mehrere Beispiele Amenophis' III. (Maya Müller, Die Kunst Amenophis’ III. und Echnatons, 1988, IV-7, zu Boston MFA 1970.636). Vgl. "Krone, Kombinationen“.

Königin NR: Kurze Perücke mit goldenem Stirnband und Doppeluräus: Anchesenamun auf dem mit Elfenbein belegten Kasten Tutanchamuns, Kairo Carter 551 (PM{2} I 2, 578).

Götter: 1. Jahrtausend, z.B. Onuris und Schu; Kindergötter mit kurzer Perücke und Doppelkrone (Neferhotep) (vgl. "Krone des Onuris", "Krone, Kombinationen“).


------Perücke kurz gestuft [kurze, gestufte Perücke]

E: wig, short stepped

F: perruque courte étagée

Definition: Das Haar ist zu beiden Seiten des Gesichts in mehrere, deutlich getrennte Stufen geschnitten; die gestuften Teile bilden meist einen spitz zulaufenden Zipfel, können aber auch abgerundet sein.

Commented list of instances:

Belegt nur im NR von Amenophis III. bis zum Ende der 18. Dyn., Männer und Frauen, hauptsächlich im Relief, besonders für das Königspaar zur Zeit Echnatons und Tutanchamuns. Bsp. Lange-Hirmer 1967{4}, Tf.XXXIII, XXXV-XXXVI, 206-208.

König: erstmals rundplastisch belegt für Amenophis III., Paris Louvre E.11107 (vgl. Maya Müller, Die Kunst Amenophis’ III. und Echnatons, 1988, IV-10). - Echnaton: Kairo JE 66642 (id. ibid. IV-119).


-----Perücke lang [lange Perücke]

E: wig, long

F: perruque longue

Classificatory term


------Lockenperücke und/oder /Zopfperücke, reiche

E: wig, curl and/or pigtail

Definition: Unter dieser Bezeichnung fassen wir diejenigen Perücken zusammen, die besonders dicht, lang und ausladend sind, aber im einzelnen verschiedenartig frisiert sein können.

Commented list of instances:

Frühdynastische Zeit: Männer und Frauen von sehr hohem Rang, wie das sog. Stadtgötterpaar, der Würdenträger vor dem König auf der oberägyptischen Seite der Narmerpalette, Oberteil einer Kalksteinstatuette eines Mannes in Kairo 71586, und Kalksteinfigur eines Knienden aus Hierakonpolis, Kairo. In dieser Zeit ist es unklar, ob es sich um Perücken oder natürliches Haar handelt. Da die Frisuren aber sehr umfangreich sind, ist zumindest anzunehmen, dass separate Haarteile in das eigene Haar eingebunden wurden.

MR: Frauen (idolartige Votivfigürchen nackter Frauen ohne Füsse); Frauen (Private mit sehr dicken Hathorperücken); Königin (Nofret, Gattin Sesostris’ II., mit dicker Hathorperücke); König (sog. Fischopferer Amenemhets III., und Statuenfragment mit Pantherfell Amenemhets III. Kairo CG 395).

Belege und Deutung siehe Maya Müller, Schönheitsideale in der ägyptischen Kunst, in: Hedvig Györy (ed.), Mélanges offerts à Edith Varga, Bulletin du Musée Hongrois des Beaux-Arts, Supplément 2001, Budapest, 260-265.


------Perücke lang dreiteilig [lange, dreiteilige Perücke]

[Synonyme: Dreiteilige Perücke, dreigeteilte Perücke, Götterperücke]

E: wig, long tripartite

F: perruque longue tripartite

Definition: Haar vorn und hinten auf die Brust bzw. die Schulterblätter hinabreichend. Das Haar kann verschieden strukturiert sein. Träger: Frau (Private), Königin, König (Sphinx), Götter, Göttinnen. Auch als Götterperücke bezeichnet, (mit geraden Strähnen dargestellt), da dieser Perückentyp seit dem früheren AR bis zur Römerzeit für Gottheiten charakteristisch ist.

Commented list of instances:

Früher Beleg: 4.Dyn., Cheops, Personifikation, Lischt (W.St. Smith, Art and Architexture, 1958, Tf.33).

König: trägt die dreiteilige Perücke nur als Sphinx, ab AR (G.Jéquier, Le monument funéraire de Pepi II, Vol. III 1940, Tf. 15.; rundplastisch nur aus dem NR erhalten: Amenophis III., Kairo CG 42088 und Echnaton, Brooklyn 56.100 (Maya Müller, Die Kunst Amenophis’ III. und Echnatons, 1988, IV-17 bzw. IV-133).

AR: zuweilen Königin, und Frauen (Private) (Bsp. Königin: Boston MFA 11.738, Reg. Mykerinos, Vandier, MAE III 1958, Tf.V (3), und Reg. Pepi II., C. Vandersleyen, Aegypten, PKG 15, Tf.144; Private: id. ibid. Tf.XXV (6), Berlin 14108).

Häufig Frauen (Private) MR. Bsp. 12.Dyn.: Simpson, Terrace 1974, Tf.2 (Stele CG 20038).

Phantasievarianten mit einzelnen Zöpfen, Strähnen und/oder Teilen unterschiedlicher Länge: Im MR an Frauenfigürchen aus Holz und Ton, Bsp. Fechheimer, Kleinplastik, Tf.28, Tf.41; Kat. Von Troja bis Amarna, Nr.199; Hayes, Scepter I, fig.137.


------Perücke lang einteilig

E: wig, long one piece

F: perruque longue non-divisée

Definition: Das Haar fällt nur nach hinten auf den Rücken hinunter.

Instance / Bsp. So die frühesten Reliefdarstellungen von Gottheiten in der 3./4.Dyn. (W.St.Smith, Art, Tf.20B, Djoser; id. ibid. Tf.26B, Snofru). Bsp. NR: mehrere Götter in TT1, A.Lhote, Peinture 1958, Tf.157.


------Perücke lang mit eingerollten Enden [lange Perücke mit eingerollten Enden]

[Synonym: Hathorperücke]

E: wig, long with curled endings

F: perruque longue terminée en boucles

Definition: Lange dreiteilige Perücke, deren vordere Teile am unteren Ende spiralig eingerollt sind.

Commented list of instances:

Erscheint erst in der 12.Dyn. als Frauenfrisur, und zwar für die Göttin Hathor, die Königin und Frauen (Private); im MR sind die Belege für Hathor aber sehr selten.

Göttin MR: Hathor, Gruppe Kairo CG 42008, Sesostris I. mit Hathor (Vandier, MAE III 1958, Tf.XCV (5)). Spiegelgriff Manchester 189 (J. Bourriau, Pharaohs and Mortals, Egyptian Art in the Middle Kingdom, Fitzwilliam Museum Cambridge 1988, Nr.185). Vgl. J. Haynes in: P. Der Manuelian (ed.), Studies in Honor of W.K. Simpson, Vol. I, Boston 1996, 399-408.

Königin MR: ältestes datiertes Bsp. Sitzstatuen Kairo CG 381/2, Nofret, Reg. Sesostris II. (Lange-Hirmer 1967{4}, Tf.102). Statuette einer Königin in Gestalt eines Geiers mit Frauenkopf, frühere 12. Dyn. (Zitat??). Kleiner Kopf einer Königin als Sphinx, Paris, Bibliothèque National 24 (Zitat??).

Frauen (Private) MR: Bsp. Zwei Gruppen des Gaufürsten Uchhotep von Meir, Kairo CG 459 (Vandier, MAE III 1958, Tf.LXXXV (2), und Boston MFA 1973.87 (W.K. Simpson, A Table of Offerings, ??). Gruppe eines Mannes mit kleiner Frau am Sitz: München SSÄK Gl. 68 (Zitat??). Berlin, Katalog 1967, Nr. 310. Holzstatuette der Kemtet aus Harageh, New York MMA, Hayes, Scepter I, fig. 133. Bull. MMA Nov. 1933, 16, fig. 17-18: zwei kleine Frauenfiguren am Sitz einer lebensgrossen (Männer)statue, in der Nähe der Pyramide sesostris’ I. in Lischt gefunden. Gruppe Baltimore WAG 22.349, Kalkstein, H. 19,5cm, Herkunft unbekannt: Simpson, The Face of Egypt, The Katonah Gallery 1977, No. 12 (Locken mit 5 Bändern verziert, Vorderteile zu Zöpfen geflochten).

Ab NR: bleibt zu allen Zeiten charakteristisch für Hathor, (die Göttin wird aber viel häufiger mit der unten gerade abgeschnittenen dreiteiligen Perücke dargestellt). - Ab Ramessidenzeit auch Qadesch, nackt dargestellte Göttin aus Vorderasien (Bsp. Stele Paris Louvre C.86, J.Pritchard, The Ancient Near East in Pictures Relating to the Old Testament, Princeton University Press 1954, Abb.474). - Königin: im NR kommen noch einige rundplastische Beispiele vor. - (Frauen, d.h. Private: tritt nach dem MR nicht mehr auf).

1. Jahrtausend: Gottesgemahlin, Schepenupet II. als Sphinx, Berlin Ost 7972 (C. Vandersleyen, Aegypten, PKG 15, 1975, Tf. 412).

Ab der 18. Dyn. treten „anikonische“ Darstellungen der Hathor, d.h. des Kopfs mit verschiedenen Zusätzen auf den verschiedensten Medien sehr häufig auf, (Säulen, Amulette, Sistren etc...), dabei ist aber auffallender Weise die unten gerade abgeschnittene, dreiteilige Perücke charakteristisch, die Hathorperücke mit den Locken ist deutlich seltener.

Hathorlocken: So können die beiden vorne von den Ohren auf die Schultern herab fallenden Teile bezeichnet werden, die eine grosse formale Aehnlichkeit haben mit der Jugendlocke/Seitenlocke (am Kopf, an einer Perücke) und mit dem Götterbart.


------Perücke lang ungeteilt

[Synonym: Ungeteilte Perücke]

E: wig, enveloping

F: perruque enveloppante

Definition: Das Haar bildet einen gleichmässigen Mantel um die Schultern. Es handelt sich um eine ausschliesslich weibliche Haartracht.

Commented list of instances:

MR: Gelegentlich Frauen (Private) (Leiden RO, Kat. 1968, Tf.42). - Ab etwa der mittleren 18.Dyn. geläufig für Frauen (Private) (vgl. Vandier, MAE III 1958, 490f.).

Königin NR: ab Amenophis III. belegt (Teje, Mutemuja, vgl. Maya Müller, Die Kunst Amenophis’ III. und Echnatons, 1988, IV-13, zu Kairo CG 609).

Göttinnen: ab Ramessidenzeit, Bsp. Florenz MA 2468, Relief aus dem Grab Sethos I. (PM<2> I 2, 539).


-----Perücke schulterlang [schulterlange Perücke]

E: wig, shoulder length

F: perruque touchant les épaules


------Perücke schulterlang einfach [schulterlange, einfache Perücke]

E. wig, one piece shoulder length

F: perruque touchant les épaules, simple

Das Haar reicht bis zur Schulter, d.h. es endigt entlang der Schulterlinie. Das Haar kann verschieden strukturiert sein. AR: geläufig Männer und Frauen (Private), öfter volle, nach

aussen leicht ausschwingende Frisur, knapp oberhalb der Schulter abgeschnitten. Allgemein zahlreiche Varianten umfassend.

Königin AR: Boston MFA 30.1456 (Vandier, MAE III 1958, Tf.XIII (2)).

MR: Häufig Männer (Private); auch Frauen (Private) (Bsp. Rundplastik: C. Vandersleyen, Aegypten, PKG 15, Tf.156, 159, 1699.


------Perücke schulterlang mit seitlichen Einsätzen

[Synonym: schulterlange Doppelperücke]

E: wig, shoulder length with side insets

F: perruque touchant les épaules à parties latérales rapportées

Definition: Das Haar endigt gerade abgeschnitten auf den Schultern. Vgl. „Perücke halblang mit seitlichen Einsätzen“.

Ab NR geläufig für Männer (Private). Bsp. Standfigur Turin ME 1377 (C. Vandersleyen, Aegypten, PKG 15, Tf.187b).


----Schleier (Kopf-, Gesichts-)

E: veil

F: voile

Definition: Ein rechteckiges Tuch, das über den Kopf gelegt wird und je nach Grösse über die Schultern oder weiter hinunter hängt. Kleidungsstück für Frauen.

Instance / Bsp.: Kommt auf Darstellungen von Frauen im hellenistisch-römischen Stil vor.

(S. Walker and P. Higgs (ed.), Cleopatra of Egypt. From History to Myth, The British Museum Press 2001, no. 79-81 etc.)


----Sesched-Band

E: seshed ribbon

F: bandeau séched

Definition: Auf Perücken getragenes Haarband, oft mit Leitermuster, hinten geknüpft, die Enden hängen schräg herab; dient beim König dem Uräus, der sich um das Band herumwinden kann, als Halt.

Instance / Bsp.: Erscheint zusammen mit der königlichen kurzen Perücke, unter Snofru, am Anfang der 4. Dyn. (A. Fakhry, Sneferu II, Valley Temple I, 1961, Tf. XVIIIB, XIXA).

Bsp. Lange-Hirmer 1967{4}, Tf.XXXV (König).

Vgl. D.Kessler, Die Heiligen Tiere und der König I, 1989, 92 (Ptolemäerzeit); W.Barta, Zur Bedeutung des Stirnbanddiadems sSd, in: GM 72, 1984, 7-8 (ein "Sesched-Fest" kommt in annalistischen Texten z.B. bei Schepseskaf oder Hatschepsut vor).


----Stirnband

E: browband

F: bandeau frontal

Definition: Bandartiger Abschluss an der Stirn, zuweilen vergoldet. Gehört zur Königstracht. (Andere Bänder, die sich über der Stirn oder an anderen Stellen um Perücken schlingen, werden hier als Zierbänder bezeichnet).

Commented list of instances:

An den Königskopftüchern und einigen anderen Kronen gebräuchlich; an der kurzen Perücke des Königs seit der mittleren 18.Dyn. In der Ramessidenzeit an verschiedenen Kronen, Kopfbedeckungen und Perücken der Könige und Götter, Bsp. Grab Valley of the Queens VQ55 (Ramses III.), Rote Krone, Kappe des Ptah, Götterperücke (Lhote, Peinture, Tf.VI auf p.22).


---Kleidung (Schultern bis Fussgelenk)

E: clothing (shoulders to ankles)

F: costume (épaules aux mollets)

Classificatory term

Definition: Oberbegriff für Kleidungsstücke, die an den Schultern befestigt sind.


----Kleidungsstücke ohne Halsöffnung und/oder ohne Armöffnung

E: clothes without openings at the neck and/or arms

F: vêtements sans ouverture cou et/ou bras

Classificatory term


-----Chlamys

Definition: ein rechteckiges Tuch mittlerer Grösse, das um die Schultern gelegt oder geschlungen wird als eine Art kurzer Umhang.

Instance: Tritt auf Darstellungen hellenistisch-römischen Stils auf und ist charakteristisch für nackte Heroen.


-----Schal

E: shawl

F: foulard

Ein rechteckiges Tuch beliebiger Grösse, oft mit Fransen, wird um die Schultern gelegt. - Als ein separater Schal kann auch der um die Schultern geschlungene Teil des plissierten Kleides (s. dort) interpretiert werden (E.Staehelin, in LÄ VI, 1986, s.v. Tracht).

Instance / Bsp.: Frauen: Kemsit, Königsgemahlin, 11.Dyn. (Ausstellungskatalog J.Bourriau, Pharaohs and Mortals, Fitzwilliam Museum Cambridge 1988, Nr. 3).

Herren im NR: E.Mackay, JEA 10, 1924, 41-43, Tf.IX.

Viele real erhaltene Schals stammen aus den spätantik-frühbyzantinischen Nekropolen.


-----Umhang

E/F: cape

Definition: Von der Schulter bis etwa bis zur Mitte der Wade oder bis zum Knöchel reichendes Kleidungsstück für Männer der Oberschicht und für den König, das über dem Schurz getragen wird; vorne offen oder um den Körper gewickelt. Meist plissiert.

Instance / Bsp.: Seit Amenophis III. belegt. Bsp. Lange-Hirmer 1967{4}, Tf.XXVIII, XXXIII; Lhote Peinture Tf.V und Tf.18.


----Kleidungsstücke, hemdartige (mit Hals- und Armöffnung)

E: clothing, shirt-like (openings at neck and arms)

F: vêtements genre chemise (à ouverture cou et bras)

Classificatory term

Die folgende Typologie und Beschreibung geht von den Darstellungen in Rundbild, Relief und Malerei aus. Die Unterscheidung der Typen geht vom optischen Eindruck aus, den die Bilder vermitteln; es wird nicht versucht, zu rekonstruieren, wie die real getragenen Kleider ausgesehen haben könnten.


-----Hemd

E: shirt

F: chemise

Definition: ein Hemd besteht aus einem doppelten, rechteckigen Stück Stoff. Die obere Kante und die Seiten sind geschlossen (durch Zusammennähen oder Falten des Stoffs), wobei aber oben eine Oeffnung für den Kopf und seitlich je eine für die Arme offen bleiben. Die obere Oeffnung kann ein waagrechter Schlitz sein, oder ein runder Ausschnitt mit senkrechtem Schlitz vorne. Die Aermel sind, falls vorhanden, waagrecht an der oberen Kante angesetzt (oder angewebt).

Die gleiche Definition gilt für die Tunika.


------Hemd mit kurzen Aermeln

E: shirt with short sleeves

F: chemise à manches courtes

Instance / Bsp.: Mit Schlitz vorne am Hals, (wenn nicht verdeckt vom Schmuckkragen). Bsp. Lange-Hirmer 1967{4}, Tf.178.


------Hemd mit plissierten Aermeln

E: shirt with pleated sleeves

F: chemise à manches plissées

Instance / Bsp.: Lange-Hirmer 1967{4}, Tf.202-203.


------Hemd, ärmelloses [ärmelloses Hemd]

E: shirt without sleeves

F: chemise sans manches


-----Hülle (enge)

[Synonym: Mumienhülle]

E: sheath (tight)

F: gaine

Definition: Kleidungsstück der mumiengestaltigen Figuren nach Art einer eng am Körper anliegenden Hülle, die nur den Kopf und die Hände frei lässt.

Instance / Bsp.: Gott; vereinzelt Göttin.

Kollektive von Gottheiten und (z. T. namenlosen) Genien oder Dämonen beiderlei Geschlechts in der Unterwelt u.ä., oft hockend oder sitzend, seltener stehend, besonders in den Jenseitsbüchern (Jenseitsführern) des NR (z.B. Amduat, Pfortenbuch, Sonnenlitanei (königlich), Totenbuch (privat)); König, Königin; Private (Männer und Frauen, auf funerären Darstellungen).

Seit frühdynastischer Zeit belegt, zuerst für Götter.


------Hülle (enge) mit Federmuster

E: sheath with feather pattern

F: gaine à ornement de plume

Kleidungsstück der mumiengestaltigen Figuren, das ganz mit einem Federmuster überzogen ist.

König als Osiris: Statuette Amenophis’ III aus bunter Fayence ((Ausstellungskatalog) Geschenk des Nils. Aegyptische Kunstwerke aus Schweizer Besitz, Basel 1978, Nr. 178, Abb. 178a-c).

Tutanchamun, Schild mit Relief aus vergoldetem Holz, Kairo JE 61579 (A. Nibbi, Four Ceremonial Shields, in: ZÄS 133, 2006, 66, Tf. XIX).

Variante dazu: Hülle (enge) mit Federmuster und langer Schurz

E: sheath with feather pattern and long apron

F: gaine à ornement de plume et pagne long

Tutanchamun, Schild mit Relief aus vergoldetem Holz, Kairo JE 61578. Der Schurz wird teilweise von der geschlossenen Seitenlehne des Throns verdeckt, scheint aber teils plissiert und teils mit einem Muster aus kurzen, geraden Federn bedeckt zu sein (A. Nibbi, Four Ceremonial Shields, in: ZÄS 133, 2006, 66, Tf. XXII).


-----Jacke

E: jacket

F: veste


-----Kaftan

E/F: caftan


-----Kleid

E: dress

F: robe

Definition: Der Ausdruck bezeichnet grundsätzlich Frauenkleider in Form eines Schlauchs, der von den Schultern bis mindestens etwa zu den Knien reicht.

Zu Typen, Machart und real erhaltenen Stücken vgl. G. Eastwood-Vogelsang, Die Kleider des Pharaos, 1995, 73-80.


------Kleid glatt:

Bildet eine glatt anliegende Hülle vom Hals bis zu den Knöcheln; ab AR.

Instance: C. Vandersleyen, Aegypten, PKG 15, Tf.184.


------Kleid mit Federmuster

[Synonym: Federkleid]

E: dress with feather pattern

F: robe à ornement de plume

Definition: Trägerkleid, das ganz mit einem Federmuster und mit gekreuzten Raubvogelflügeln, die axialsymmetrisch angeordnet sind, überzogen ist.

Wird von Göttinnen, Königinnen und Gottesgemahlinnen des Amun getragen.

Ab NR gelegentlich auf Götter mit Mumienhülle übertragen.

Commented list of instances:

Göttin MR: 11. Dyn., Block aus dem Monthtempel Mentuhoteps III. in Tod, Kairo JE 66335 (D. Wildung, Sesostris und Amenemhet. Aegypten im Mittleren Reich, 1984, Abb. 50). Ein Block aus dem Satettempel von Elephantine, Zuschreibung an Sesostris I., zeigt den unteren Teil einer Göttin mit dreiviertellangem Kleid mit gekreuzten Raubvogelflügeln und Federmuster (L. Habachi, MDAIK 31, 1975, Tf.31(a)).

Königsgemahlin MR: Kemsit, Relieffragment aus ihrer Grabkapelle im Totentempel Mentuhoteps II. in Deir el-Bahari, British Museum EA 1450 (J. Bourriau, Pharaohs and Mortals, Egyptian Art in the Middle Kingdom, Cambridge 1988, no. 3, fig. on p. 15).

Ab NR häufig an Göttinnen, Königinnen und Gottesgemahlinnen des Amun.

Meroitische Königin: Am Pylon des Löwentempels von Naga, Sudan, 1. Jh. B.C.E. – 1. Jh. C.E. (W. Stevenson Smith, The Art and Architecture of Ancient Egypt, 1958, pl. 102).

Gott: Es sieht aus, wie wenn ein Federkleid über der Mumienhülle getragen würde.

Ptah: Statuette aus vergoldetem Holz aus dem Grab Tutanchamuns (Zitat??). Ptah: Bronzefigur (Zitat??). Osiris: mehrere Särge der 21. Dynastie (Zitat??).


------Kleid mit kurzen Aermeln

E: dress with short sleeves

F: robe à manches courtes

Instance / Bsp.: Kommt nur an Bronzestatuetten der Bastet im 1. Jahrtausend vor.


------Kleid mit langen Aermeln

E: dress with long sleeves

F: robe à manches longues

Instance: Zu Typus, Machart und real erhaltenen Stücken vgl. G. Eastwood-Vogelsang, Die Kleider des Pharaos, 1995, 77-78. Kommt im AR und früheren MR vor, bisher nur durch real erhaltene Exemplare aus Gräbern, nicht durch Abbildungen, belegt.


------Kleid mit Pantherfellmuster

E: dress with panther skin pattern

F: robe à ornament de peau de panthère

Definition: Eng anliegendes, knöchellanges Kleid, das die eine Schulter mit zugehörigem Arm bedeckt und die andere Schulter frei lässt. Knoten auf der bedeckten Schulter. Ganze Oberfläche bemalt wie ein geflecktes Pantherfell. (Die Fellmusterung fehlt allerdings heute meistens, da die Bemalung der Reliefs verloren ging). Das Kleid war vermutlich nicht aus echten Pantherfellen geschneidert, sondern aus Leinenstoff mit Pantherfellmusterung. Kommt nur an Männern und Frauen der Oberschicht, d.h. Grabinhabern bzw. Grabinhaberinnen, der 2. – 4. Dyn. vor. Liste der Belege an Männern: N. Cherpion, Mastabas et hypogées d’ancien empire, Bruxelles 1989, 185, n. 34.

Commented list of instances:

Männer (Private, Grabherren): 2. – 4. Dyn., Beispiel mit erhaltener Fellmusterung: Stele der 2. Dyn. (W. Stevenson Smith, The Art and Architecture of Ancient Egypt, 1958, pl. 13).

Frauen (Private, Grabherrinnen): 2. – 4. Dyn., Beispiel mit erhaltener Fellmusterung: Stele der Prinzessin Neferetjabet, Paris Louvre E 22745, frühes AR (Ch. Ziegler, Le Louvre. Les antiquités égyptiennes, Paris (Ed. Scala) 1990, Abb. auf S. 25 oben links).

Vgl. „Pantherfell“

Vgl. Maya Müller, Schönheitsideale in der ägyptischen Kunst, in: Hedvig Györy (ed.), Mélanges offerts à Edith Varga, Bulletin du Musée Hongrois des Beaux-Arts, Supplément 2001, Budapest, 254-257 (betr. Austausch symbolischer Körpermerkmale zwischen Männern und Frauen).


------Kleid plissiert [plissiertes Kleid]

E: dress, pleated

F: robe plissée

Kann sich über einen oder beide Arme ausdehnen. - Das plissierte Kleid weist häufig einen um die Schultern geschlungenen und unter der Brust verknüpften Teil auf, der als separater Schal aufgefasst werden kann. Vielleicht war das Kleid aber einteilig und wurde um den Körper gewickelt, ähnlich dem indischen Sari. Die Frage scheint mir nicht eindeutig entscheidbar. (Vgl. Schal).

Instance / Bsp.: Seit der mittleren 18.Dyn. häufig für Frauen der Oberschicht. Lange-Hirmer 1967{4}, Tf.XXXV.


------Perlennetzkleid

E: bead-net dress

F: robe en réseau de perles

Instance: Kleidungsstück für Göttinnen, Personifikationen, Frauen der Oberschicht. G. Eastwood-Vogelsang, Die Kleider des Pharaos, 1995, 78-80. Real erhaltene Fragmente und Darstellungen seit dem AR. Bei den Darstellungen kann man oft nicht entscheiden, ob es sich um ein aus Fayenceperlen gebildetes Netzkleid handelt oder um eine perlennetzartige Musterung auf Stoff.

Vgl. „Perlennetztunika“ (Kleidungsstück für Männer)


------Trägerkleid

E: dress with straps

F: robe à bretelles

Instance: Verbreitetster Typus für Göttinnen, Königinnen, Private.


-------Kleid mit breiten Trägern

E: dress with wide straps

F: robe à bretelles larges

Definition: Die Träger, die unter der Brust ansetzen, verschmälern sich nach oben, wodurch sich ein V-förmiger oder trapezförmiger Ausschnitt ergibt..

Instance: Lange-Hirmer 1967{4}, Tf.102.


-------Kleid mit schmalen Trägern

E: dress with narrow straps

F: robe à bretelles étroites


-----Leibchen

E: corslet (corselet)

F: corselet


------Leibchen mit Trägern

E: corslet (corselet) with straps

F: corselet à bretelles

Definition: Knapp anliegende Hülle des Oberkörpers, die bis unter die Achseln reicht und von schmalen Trägern gehalten wird. Kleidungsstück nur für Männer, wird von Göttern und vom König getragen.

Belege ab MR (AR?).


-------Leibchen mit Trägern und Federmuster

[Synonym: Federleibchen]

E: corslet (corselet) with straps and feather pattern

F: corselet à bretelles et ornement de plume

Instance / Bsp.: Kommt nur an Göttern und Königen vor, seit der 11. Dyn., z.B. Month (Block aus dem Monthtempel Mentuhoteps III. in Tod, Kairo JE 66335 (D. Wildung, Sesostris und Amenemhet. Aegypten im Mittleren Reich, 1984, Abb. 51). - Frühe 18. Dyn.: Lange-Hirmer 1967{4}, Tf.XVII. – Real erhaltenes Stück aus dem Grab Tutanchamuns, aus Goldschmiedearbeit (Golddraht etc.): G. Vogelsang-Eastwood, Tutankhamun’s Wardrobe, 101, fig. 6:7; Saleh / Sourouzian, Official Catalogue Cairo Museum, no. ?


------Leibchen mit kurzen Ärmeln

E: corslet (corselet) with short sleeves

F: corselet à manches courtes

Leibchen mit kurzen rmeln, kurz, endet dicht unter dem grossen Brustmuskel, läuft offenbar in zwei oder vier Bänder aus, die vorne auf dem Magen geknüpft werden. Stoff oft rot bemalt und gemustert. Oft erscheinen darauf (?) zwei Falken, an den Seiten des Brustkorbs, die ihre Flügel auf der Brust des Königs kreuzen. Diese Falken könnten aus Stoff oder Leder bestehen, separat gearbeitet und appliziert sein; ihr Verhältnis zum Leibchen ist schwer zu bestimmen.

Beispiele: A III, Tut, Ramses II., Ramses III. in QV 55, vgl. folgenden Aufsatz:

Amy Calvert, Quantifying regalia, Studies W. Murnane, (Peter Brand ed.), 2009. A. Calvert ist der Ansicht, dass Ramses II. und Ramses III. bei den von ihr angeführten Beispielen das rotgrundige Leibchen tragen ("royal red fabric"), und darüber ein zweites Leibchen, das Falkenleibchen ("falcon shirt").


-----Mantel

E: cloak

F: manteau

Definition: Ein eng um den Körper geschlagenes Tuch ohne Aermel, konventionell als Mantel bezeichnet; besonders häufig im MR, vgl. die so genannten Mantelstatuen; auch als Bezeichnung für das Gewand, das der König beim Sedfest trägt (Hebsedmantel).

Instance / Bsp.: C. Vandersleyen, Aegypten, PKG 15, Tf.168.


------Hebsedmantel kurz [kurzer Hebsedmantel]

[Synonym: Hebsedkleid kurz]

E: hebsed cloak, short

F: manteau hebsed court

Spezifisches Kleidungsstück für das Sedfest des Königs, seit protodynastischer Zeit.

E. Hornung und E. Staehelin, Neue Studien zum Sedfest, Aegyptiaca Helvetica 20, 2006.


------Hebsedmantel lang [langer Hebsedmantel]

[Synonym: Hebsedkleid lang]

E: hebsed cloak, long

F: manteau hebsed long

Spezifisches Kleidungsstück für das Sedfest des Königs, seit protodynastischer Zeit.

Zu den frühen Darstellungen vgl. H. Sourouzian, in: Kunst des alten Reiches, Sonderschrift 28, DAIK, 1995, 133-154, fig. 1-8, pl. 50-56; E. Hornung und E. Staehelin, Neue Studien zum Sedfest, Aegyptiaca Helvetica 20, 2006.


-----Tunika

E: tunic

F: tunique

Definition: Der Ausdruck hat sich, was das alte Aegypten angeht, durchgesetzt für die hemdartigen Kleidungsstücke, die sich in unverzierter und in verzierter Form vielfach real erhalten haben in den ägyptischen Gräbern, besonders in demjenigen König Tutanchamuns. Bei den unverzierten nimmt man an, dass sie eher als Unterbekleidung dienten, bei den verzierten ist es klar, dass es sich um Oberbekleidung handelt. – Als Tuniken werden vorwiegend Kleidungsstücke von Männern bezeichnet.

Vgl. G. Vogelsang-Eastwood, Tutankhamun’s Wardrobe, 1999.

Römerzeit bis ins Mittelalter: der Ausdruck Tunika ist gebräuchlich für alle hemdartigen Kleidungsstücke von Männern und Frauen, Unter- oder Oberbekleidung, in sehr grosser Zahl real erhalten (wenn auch meist fragmentarisch) aus den spätantiken, früh- und mittelbyzantinischen bis fatimidischen Friedhöfen.

Vgl. Egypte, La trame de l’histoire. Textiles pharaoniques, coptes et islamiques (Ausstellungskatalog), Paris (Somogy) 2002.


------Kindertunika

E: tunic of a child

F: tunique d’enfant

Instance / Bsp.: Zahlreiche real erhaltene Stücke aus Spätantike bis Mittelalter, vgl. „Tunika“.


------Perlennetztunika

E: bead-net tunic

F: tunique en réseau de perles

Instance / Bsp.: Kleidungsstück für Männer. Bisher nur für den König bezeugt: Tutanchamun, real erhaltene Fragmente aus seinem Grab, vgl. G. Vogelsang-Eastwood, Tutankhamun’s Wardrobe, 1999, 15-16, fig. 1:8.

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